So leben Dortmunder Hochhaus-Mieter nach Evakuierung

So leben Dortmunder Hochhaus-Mieter nach Evakuierung

Von Sonja Gerhardt

  • Dortmunder Hochhaus-Bewohner leben in Sammelunterkünften.
  • Unterbringung in Mehrbettzimmern.
  • Stadt bietet weiter Notwohnungen an.

160 ehemalige Bewohner des evakuierten Hannibal-Hochhauses in Dortmund-Dorstfeld leben jetzt in einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Mengede.

Keine Privatssphäre in Sammelunterkunft

Marcus Thiel steht mit zwei weiteren Hannibal-Mietern vor dem Gitterzaun. Sie wollen über ihre Unterbringung in der Sammelunterkunft sprechen. Die Stadt Dortmund lässt Medien hier nicht hinein. Zum Schutz der Privatssphäre, so die Begründung. Doch die, erzählen die Mieter, gebe es sowieso kaum. "Acht Quadratmeter haben wir da zu dritt. Das ist wie Tetris spielen", sagt der 39-jährige Thiel.

Metallbetten, Spindschränke und wenig Platz. "Es ist besser als Nichts, es ist einigermaßen sauber. Aber die Nerven liegen einfach blank, weil es so eng ist", sagt Thiel. "Es ist einfach kein Zuhause."

Am liebsten zurück nach Dorstfeld

Auch Darius Czarkowski leidet unter dem Leben in der Notunterkunft. Der 51-jährige Pole hat über 30 Jahre im Hannibal gewohnt. "Von der Normalität innerhalb weniger Minuten hierher, mit Duschen und Toiletten auf dem Gang", sagt Czarkowski.

Er möchte zurück nach Dorstfeld, auch weil sein zwölfjähriger Sohn dort bei seiner Ex-Frau lebt und jeden zweiten Tag zu ihm gekommen ist. Eine neue Wohnung hat er bisher nicht in Aussicht.

15 Notwohnungen sind noch frei

Die Stadt betont, dass für ehemalige Bewohner des Hannibal nach wie vor 15 eigene Notwohnungen im Stadtgebiet zur Verfügung stehen, die bisher nicht in Anspruch genommen worden seien.

In den Sammelunterkünften müssen Alleinstehende in Mehrbettzimmern wohnen, damit Zimmer frei sind, falls doch noch weitere Hannibal-Mieter unterkommen müssen. "Täglich melden sich bei uns Menschen, die sagen, ich konnte mir selbst helfen, aber ab morgen brauche ich von euch eine Lösung", so Jörg Süshardt, Leiter des Sozialamtes.

Schwierige Suche nach Wohnungen

Was die Wohnungssuche angeht, werde es schwierig. "Niemand kann sagen, wie lange das alles dauert. Wir helfen, wo wir können", so Süshardt.

Auszug in den nächsten Tagen

Marcus Thiel hat Freitag (06.10.2017) die Nachricht bekommen, dass er in den nächsten Tagen eine eigene kleine Wohnung beziehen kann. Für Darius Czarkowski bleibt dagegen ungewiss, wie lange er es in der Notunterkunft noch aushalten muss. 

Stand: 06.10.2017, 18:55