Kommentar: Dortmund knickt ein - jetzt doch Bewerbung als EM-Stadt

Kommentar: Dortmund knickt ein - jetzt doch Bewerbung als EM-Stadt

Von Wolfram Goetz, Dortmund

Der DFB verlange einen Blankoscheck. Dinge wie Infrastruktur oder Sicherheit könnten die Stadt 30 Millionen Euro kosten – so hieß es noch vor ein paar Wochen. Gestern Abend aber entschied eine politische Mehrheit aus SPD und CDU: Dortmund soll sich nun doch bewerben.

Erstmals hat sich eine Bewerberstadt gegen ein großes Fußballturnier gewehrt. Gegen die Bedingungen, die der europäische Fußballverband, die UEFA und der DFB diktieren. Und über die die Städte eigentlich nicht einmal reden dürfen, weil Verschwiegenheit vereinbart ist. Aber ohne Dortmund, ohne das Riesenstadion mit weit über 65.000 Sitzplätzen, wäre eine EM 2024 in Deutschland doch gar nicht denkbar - so das Kalkül der Stadt, die sich kurze Zeit am längeren Hebel wähnte. Und vom DFB mehr Klarheit über die Risiken forderte.

Mann mit Fußballschuhen und Fußball an einem Anstoßkreis

Am Ende aber knickten Verwaltung wie Politik ein. 100 Millionen Umsatz würden durch die EM nach Dortmund fließen, hieß es. So die Rechnungen - basierend auf den Erfahrungen aus Frankreich im vergangenen Jahr. Sehr viel Geld für den Handel, die Gastronomie und das Hotelgewerbe. Die Stadtkasse wird davon allerdings wenig sehen. Und die Risiken? Die müsse man als Metropole, die mitspielen wolle, eben tragen, hieß es aus der Dortmunder Politik. In Einzelheiten habe der DFB aber auch Entgegenkommen gezeigt, gegenüber allen Bewerberstädten. Unter dem Strich überwögen die Chancen die Risiken.

Steuerzahler tragen die Risiken

Warum aber müssen die Städte, warum muss der Steuerzahler hier überhaupt irgendwelche Risiken tragen? Fußball ist ein Milliardengeschäft, national wie international. Verbände und Vereine könnten Risiken und Kosten auch alleine schultern, nein, sie MÜSSTEN es. Aber der Fußball ist eben ein zu großer Image- und Wirtschaftsfaktor. Die Politik spürt den Druck der örtlichen Interessengruppen. Und die Fußball-Verbände verstehen es, wie hier bei der EM, die Bewerberstädte gegeneinander auszuspielen. Dem reichen Düsseldorf waren die Kosten schnuppe, dem klammen Dortmund nicht. Also blieb die Rebellion gegen den DFB ohne Unterstützung.

Machtdemonstration wird zum "Zwergenaufstand"

Jetzt soll noch einmal nachverhandelt werden, wenn im Herbst feststeht, welche 10 der 14 deutschen Bewerberstädte tatsächlich dabei sind. Aber Nachverhandeln ist immer schlecht. Dortmund hätte strikt "Nein" sagen sollen zu den Knebelbedingungen von DFB und UEFA, um einen fairen und transparenten Umgang mit Kosten und Risiken zu erreichen. Denn eine EM in Deutschland ohne Dortmund wäre tatsächlich kaum vorstellbar. Und selbst wenn es keine Zugeständnisse gegeben hätte, wären zumindest ein Rieseneklat und eine breite öffentliche Diskussion die Folge gewesen. Diese Macht haben die Dortmunder leider nicht genutzt. Und ihr Aufstand entpuppte sich - als Zwergenaufstand.

Stand: 04.07.2017, 15:23