Aufregung um islamistischen Prediger im Ruhrgebiet

Tarik Ibn Ali

Aufregung um islamistischen Prediger im Ruhrgebiet

Ein geplantes Seminar und eine Predigt in Moscheen in Duisburg-Marxloh und Essen-Steele stehen in der Kritik. Bei ihnen sollte ein islamistischer Prediger aus Belgien auftreten. Von beiden Moscheevereinen ist er mittlerweile ausgeladen worden.

Der angekündigte Gastprediger soll in Verbindung mit den Attentätern von Paris stehen. Es handelt sich um Tarik Ibn Ali, der laut einem Bericht der britischen "Daily Mail" unter dem Verdacht steht, Omar Mostefai, einen der Attentäter vom Pariser Bataclan, radikalisiert und aufgehetzt zu haben. Außerdem wird er in Verbindung gebracht zu verschiedenen islamistischen Organisatonen, die zum Teil verboten sind.

Auch Auftritt in Essen ist abgesagt

Moschee Essen: Uthman Ibn Affan Gemeinde

Das Innere der Uthman Ibn Affan-Moschee in Essen-Steele

Inzwischen hat der Verein der Massjid Ar-Rahman (Massjid = Arabisch für "Moschee") in Duisburg erklärt, dass das Wochenendseminar nach wie vor stattfindet. Über die Tragweite der Predigten von Tarik Ibn Ali sei sich der Verein nicht im Klaren gewesen, sagte Vorstandsmitglied Belkacem Asritit dem WDR. Seine Person hätten die Veranstalter des Wochenendseminars eher als hamlos eingeschätzt. Jetzt, nachdem die Informationen über Ibn Ali bekannt geworden sind, hätten sie ihren Gast wieder ausgeladen. Der Verein distanziert sich ausdrücklich von den Terroranschlägen am Dienstag (22.03.2016) in Brüssel. Nach der Absage in Duisburg wurde bekannt, dass der umstrittene Prediger am Sonntag auch in der Moschee des Islamischen Kulturzentrums "Uthman Ibn Affan" in Essen-Steele auftreten sollte. Die Polizei sprach davon, dass man mit dem Staatsschutz sehr genau hinschauen werde, was dort passiere. Der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen postete auf seiner Facebook-Seite, dass "dieser selbsternannte Prediger in Essener unerwünscht ist." Nun sei auch der Auftritt in Essen abgesagt, heißt es aus dem Essener Rathaus.

Duisburger Moschee bereits in der Vergangenheit auffällig

Salafistenmoschee

Massjid Ar-Rahman-Moschee

Bereits im Jahr 2012 gab es in der Moschee in der Marxloher Feldstraße eine Durchsuchung der Vereinsräume im Rahmen einer Großrazzia gegen Salafisten. Unterlagen und Computer wurden damals beschlagnahmt. Damals stand die Marxloher Gemeinde im Verdacht, Verbindungen zum verbotenen salafistischen Netzwerk Mitallu Ibrahim aus Solingen und anderen verdächtigen Gruppen, wie etwa "Die wahre Religion" zu haben. Diese Missionierungsorganisation betreibt die "LIES!"-Kampagne, bei der kostenlose Koranübersetzungen an Nicht-Muslime verteilt werden. Zwar stelle das Verteilen von Koranen laut Verfassungsschutz keinen strafbaren Vorgang dar, allerdings werden die Stände von den Salafisten zum Netzwerken genutzt. Das kann wiederum zur weiteren Radikalisierung von Betroffenen führen.

Szene wächst laut Verfassungsschutz

Mitglieder der Uthman Ibn Affan Gemeinde Essen

Mitglieder der Uthman Ibn Affan Gemeinde in Essen, links: Faisal Elouarechi

Laut Verfassungsschutz verzeichnet der Salafismus in Deutschland seit Jahren steigende Anhängerzahlen. Inzwischen beziffert das Bundesamt für Verfassungsschutz das aktuelle salafistische Personenpotenzial auf ca. 7.500 Anhänger (Stand: Juni 2015). Die Uthman Ibn Affan-Moschee in Essen-Steele ist bisher noch nie durch salafistische Aktivitäten aufgefallen. Vorstandsmitglied Faisal Elouarechi sagt, dass der Verein aus dem Vorfall um den ausgeladenen Hassprediger seine Lehre gezogen habe und sich künftig besser informieren will, wen er einlade. "Wir distanzieren uns von jeglicher Gewalt, seien es Attentate in Paris und in Brüssel. Es ist schrecklich, was da passiert ist und wir finden das alle nicht gut. Das ist nicht im Sinne des Islams." Gastprediger aus Deutschland seien in den Moscheevereinen gut bekannt, schwarze Schafe leicht zu finden. Wenn es aber wie im vorliegenden Fall um einen Prediger aus dem Ausland gehe, gebe es häufig Unsicherheiten.

Stand: 24.03.2016, 18:09