Dortmunderin bekämpft den Wassermangel in Palästina

Dortmunderin bekämpft den Wassermangel in Palästina

Von Dirk Planert

Die Dortmunderin Sabrina Johanniemann arbeitet seit sechs Monaten in Ramallah in Palästina für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit. Es gilt ein für Palästina existentielles Problem zu lösen: den Wassermangel. In Gaza wird das Grundwasser in vier Jahren, im Westjordanland nur wenige Jahre später erschöpft sein.

135 Liter Wasser pro Tag braucht der Mensch mindestens, das haben internationale Organisationen festgelegt. Am heutigen weltweiten UN-Wassertag soll die Aufmerksamkeit auf die Länder gelenkt werden, in denen die Menschen zu wenig Wasser haben. Palästina ist ein solches Land. Sabrina Johanniemann aus Dortmund arbeitet dort als Entwicklungshelferin und ihr Job ist es genau diesen Wassermangel vor Ort zu bekämpfen. 20 bis 70 Liter gibt es hier, aber nicht täglich.

Veraltete Pumpen fallen sehr oft aus

Seit einem halben Jahr arbeitet Sabrina Johanniemann für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit im Auftrag der Bundesregierung. Mit drei weiteren deutschen Kollegen sitzt sie in einem Büro am Stadtrand von Ramallah. Von hier aus reist sie durch das Westjordanland, das zwar als palästinensisches Autonomiegebiet gilt, aber von der israelischen Armee besetzt ist. Heute hat die deutsche Entwicklungshelferin einen Termin beim Wasserversorger in Bethlehem. Der 40 Kilometer lange Weg dorthin führt vorbei an den unzähligen bis zu 12 Meter hohen Mauern, die palästienisches von israelischem Gebiet trennen. Nicht weit von der Geburtskirche, am Stadtrand von Bethlehem steht die Pumpstation für das Abwasser. Die veraltete Technik sei oft kaputt, sagt Johanniemann: "Wenn die Anlage hier nicht funktioniert und die ganzen Rohre überlaufen, dann fließt das Abwasser hier eigentlich ungefiltert in die Bäche, in die Natur, und nicht in die vorgesehenen Kanäle und verschmutzt natürlich die komplette Umwelt und natürlich auch das Grundwasser."

Entwicklungshelferin aus Dortmund hilft in Palästina

70 bis 90 Prozent des Trinkwassers kaufen die Palästinenser von Israel. Je nach politischer Lage wird der Hahn jedoch einfach abgedreht. Wenn, dann fließt das Wasser nur nachts. Es wird in mannshohen schwarzen Tanks auf den Dächern gespeichert. Das Grundwasser des Westjordanlandes wird immer weniger, weil 2 Millionen Menschen damit versorgt werden müssten. Es braucht geklärtes Abwasser, um die Speicher unter der Erde wieder aufzufüllen. Geklärt wird es aber nicht, weil es keine Kläranlage gibt.

Je nach politischer Lage wird der Hahn zugedreht

Eine Modernisierung der alten Pumpanlage hier in Bethlehem sei auch unmöglich, sagt der Chef des örtlichen Wasserversorgers Akkram Nassar: "Wenn wir unsere Pumpstation ausbauen wollen, dann brauchen wir dafür Genehmigungen. Das ist sehr schwer, weil wir 150 Meter von der Mauer entfernt sein müssten." Die Pumpstation steht aber direkt neben der Mauer. Eine Genehmigung würde Jahre dauern, sagt er. Israel erkläre all das mit Sicherheitsgründen. Die Entwicklungshelferin kann die Politik nicht ändern, helfen kann sie trotzdem: "Wir haben hier ein großes Defizit an Wissen und wir werden hier über die GIZ in diesem Jahr auch Abwassertrainings anbieten, damit die Leute hier in der Zukunft besser in der Lage sind das Ganze aufrecht zu erhalten."

200 solcher Trainings haben Sabrina Johanniemann und die GIZ in diesem Jahr bereits organisiert. Für die Finanzierung neuer Wasserleitungen oder den Bau einer neuen Kläranlage ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau zuständig. Wissen und Infrastruktur - zusammen soll das den Erfolg bringen, wie in Nablus. Dort steht eine der wenigen Kläranlagen des Westjordanlandes. Mohammad Homeidan ist Ingenieur und arbeitet hier. Die GIZ und Sabrina hatten ihm eine Schulung in Hamburg ermöglicht. Früher habe das dreckige Abwasser das Grundwasser verseucht, sagt er. Heute nicht mehr: "Ich bin sehr stolz. Wenn Du die Enten siehst, die auf unserem geklärten Wasser schwimmen, dann weisst du, das ist ein wichtiger Job hier. Wir sind sehr glücklich."

Neue Kläranlagen müssen her

Die 32-jährige steigt wieder in ihren weißen, leicht zerbeulten Polo ein und will zurück nach Ramallah. Plötzlich sind die Straßen gesperrt. Zeitgleich geht eine e-mail von den Risikomanagern der GIZ auf dem Handy ein. Ein Stabbing wenige hundert Meter entfernt. Fast jeden Tag kommt das vor. Ein Palästinenser hat einen israelischen Siedler mit einem Messer erstochen. Überall stehen israelische Soldaten mit Sturmgewehren. Vielleicht wissen sie einen anderen Weg zurück nach Ramallah? Der Israeli kennt sich nicht aus. Wundern muss einen das nicht. Israelischen Zivilisten in der Zutritt in das Westjordanland von der eigenen Regierung untersagt. Nur Soldaten kommen hier rein. Über Umwege führt der Weg zurück nach Ramallah. Der Muezin ruft bereits zum Abendgebet. Sabrina Johanniemann huscht noch schnell auf den Markt um Essen zu besorgen, dann endet der Arbeitstag als Entwicklungshelferin. 1 1/2 Jahre hat sie noch vor sich: "Die ersten paar Wochen ist es ungewohnt, aber dann wird man von der Dynamik mitgerissen und ich fühl mich hier einfach super wohl."

Dortmunder Entwicklungshelferin engagiert sich in Palästina

Von Dirk Planert

Bis vor einem halben Jahr lebte sie in einem gutbürgerlichen Innenstadtviertel von Dortmund. Jetzt bekommt sie täglich Warnhinweise von Sicherheitsexperten auf ihr Handy geschickt. denn sie ist Entwicklungshelferin in einem Gebiet, in dem fast täglich Menschen durch militärische Gewalt und Attentate sterben.

Entwicklungshelferin aus Dortmund hilft in Palästina

Sabrina Johanniemann im Flüchtlingslager Balata in Nablus. Das liegt im Westjordanland. Hier leben 30.000 Menschen auf einer Fläche von 250 mal 250 Metern - bis zu 80 in einer Wohnung. Oft gibt es mehrere Tage kein Wasser.

Sabrina Johanniemann im Flüchtlingslager Balata in Nablus. Das liegt im Westjordanland. Hier leben 30.000 Menschen auf einer Fläche von 250 mal 250 Metern - bis zu 80 in einer Wohnung. Oft gibt es mehrere Tage kein Wasser.

Ein kleiner Junge unterwegs in den engen Gassen von Balata. Diese Gassen sind so eng, dass Verstorbene über die Dächer heraus getragen werden müssen.

Straßenszene in Balata. Kinderlachen - ein seltenes "Geräusch".

Die Mauer, die Bethlehem in einen israelischen und einen palästinensischen Teil zerschneidet.

Sabrina Johanniemann mit dem Chef der Wasserwerke in Bethlehem. Beide unterhalten sich mit einem Mitarbeiter der Pumpanlage für das Abwasser.

Besprechung vor einem Jugendheim. Der Wasserwagen im Hintergrund muss die Leitung durchspülen. Wer im Westjordanland Toilettenpapier in die Kanalisation wirft, sorgt für verstopfte Leitungen.

Einkauf in Ramallah. Sabrina Johanniemann hat hier eine Wohnung.

Kinder auf der Straße im Gaza-Streifen. 1,8 Millionen Menschen leben umgeben von einer Mauer.

Das Westjordanland ist von Checkpoints der Israelis durchzogen. Sie entscheiden, wer die Straße benutzen darf und wer nicht.

Stand: 22.03.2016, 15:55 Uhr

Stand: 22.03.2016, 13:38