Hochhaus in Dortmund wegen Brandgefahr geräumt

Hochhaus in Dortmund wegen Brandgefahr geräumt

  • Hochhauskomplex "Hannibal II" ist geräumt.
  • Schwere Brandschutzmängel festgestellt.
  • Etwa 750 Menschen betroffen.
  • Die meisten bei Verwandten, über 120 übernachteten in Turnhalle.

Im Hochhauskomplex "Hannibal II" im Stadtteil Dortmund-Dorstfeld sind schwere Brandschutzmängel festgestellt worden. Akute Gefahr bestehe zwar nicht, dennoch musste das Gebäude mit rund 400 Wohnungen am Donnerstagabend (21.09.2017) sicherheitshalber evakuiert werden. Am späten Abend waren nach WDR-Informationen alle Wohnungen geräumt und versiegelt.

Problemlose Evakuierung

Die Evakuierung lief ruhig und geordnet, so die Polizei. Die meisten haben sich spontan bei Verwandten oder Freunden einquartiert. Mehr als 120 Menschen verbrachten die erste Nacht in einer Leichtathletikhalle. Mehrere Hundert Helfer sollen im Einsatz sein.

Stadt: Erheblicher Umbau notwendig

Der Hochhauskomplex Hannibal in Dortmund-Dorstfeld

Der Hochhauskomplex in Dortmund-Dorstfeld

Nach Einschätzung der Stadt ist ein erheblicher Umbau notwendig. Weil der Berliner Eigentümer die Gebäudeanlage baulich verändern ließ, habe der Komplex die Brandschutzgenehmigung verloren, sagte der Leiter des Krisenstabes, Ludger Wilde. Es gebe keine ausreichende Trennung zwischen dem Parkdeck im Untergeschoss und Wohnungen, erläuterte er.

Durch Schächte mit direkter Verbindung nach oben bestehe die Gefahr, dass sich bei einem Brand der Rauch schnell ausbreitet. Auch fehlten ausreichende Rettungswege. "Unmittelbares Handeln ist erforderlich." In welcher Zeitdauer die Mängel behoben werden können, sei nicht zu sagen.

Eigentümer Intown kritisiert Räumung

Das Eigentümer-Unternehmen hält die Räumung für nicht rechtens: "Erstmals heute haben wir von den detaillierten Brandschutzbedenken und baurechtlichen Themen Kenntnis erhalten und keinerlei Zeit für eine Reaktion in der Sache gehabt", kritisierte Sascha Hettrich, Chef der Intown GmbH.

Die von der Stadt genannten Mängel hätte auch mit anderen Maßnahmen wie nur der Räumung der Tiefgarage, Brandwachen und einer sofortigen Prüfung der Entrauchungsanlage vermieden werden können. Das Unternehmen kündigte an, weitere Brandsachverständige hinzuziehen.

Brandschutz an deutschen Hochhäusern

WDR 5 Leonardo Top Themen | 28.06.2017 | 06:04 Min.

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Stadt sucht Ersatzwohnungen

Bewohner vor dem Hannibal

Bewohner stehen vor "Hannibal II"

Laut Feuerwehr ist noch völlig unklar, wann die Bewohner in ihre Wohungen zurück können. Denn Brandschutzmängel könne man nicht einfach so beheben. Deshalb stellt die Stadt Dortmund Ersatzwohnungen für die etwa 750 Menschen bereit. Das teilte die Stadt auf einer Pressekonferenz am Freitag (22.09.2017) mit.

Erinnerung an Hochhaus-Räumung in Wuppertal

Das weckt Erinnerungen an die Räumung eines Wuppertaler Hochhauses aus ähnlichen Gründen vergangenen Juni. Dort waren 86 Wohnungen betroffen, von denen allerdings einige leer standen.

Die Polizei hat das Gelände um das Hochhaus abgesperrt

Hochhaus-Evakuierung in Wuppertal im Juni

Nachdem die Eigentümer die brennbare Kunststoff-Fassade an den Treppenhäusern und Laubengängen entfernt hatten, durften die Bewohner einen Monat später in ihre Wohnungen zurück. Beide Gebäude, das Dortmunder Hochhaus und auch das evakuierte Hochhaus in Wuppertal gehören demselben Eigentümer, bestätigte eine Pressesprecherin des Berliner Eigentümers Intown GmbH.

Hochhäuser in NRW überprüft

Im vergangenen Sommer waren in Folge eines verheerenden Hochhausbrandes in London viele ähnliche Gebäude in Nordrhein-Westfalen überprüft worden.

Immer wieder Mängel bei "Hannibal II"

Der Dortmunder Hochhauskomplex "Hannibal II" war vor sechs Jahren an einen Finanzinvestor versteigert worden. Immer wieder waren Mängel wie nicht-funktionierende Aufzüge aufgefallen. Schon 2013 stellte das Dortmunder Bauordnungsamt einen erheblichen Modernisierungsstau fest.

Nach Angaben des Dortmunder CDU-Bundestagsabgeordneten Thorsten Hoffmann hat der aktuelle Eigentümer ihm im August zugesichert, Mängel in dem in den 1970er Jahren gebauten Hochhaus so schnell wie möglich beheben zu lassen. Außerdem liege ein langfristiger Sanierungsplan vor, der bereits verwirklicht werde.

Stand: 21.09.2017, 18:45