Hagener Bauern protestieren gegen Wölfe

Archivbild: Wölfe im Wald

Hagener Bauern protestieren gegen Wölfe

Von Michael Westerhoff

  • Bauern in Breckerfeld protestieren gegen Wölfe
  • Vereinzelte Wolfs-Sichtungen in NRW
  • Naturschützer wollen Bauern Angst nehmen

Bauern in Hagen und Breckerfeld fürchten, dass Wölfe ihre Tiere reißen könnten. Einer von ihnen ist Landwirt Heiner Born aus Breckerfeld. "Der Wolf muss schon hier gewesen sein", vermutet er.

Tatsächlich wurde ein Tier im Mai im nur 35 Kilometer entfernten Gummersbach gesichtet. "Die Wölfe kommen aus Ostdeutschland, also muss das Tier hier bei uns durch die Gegend gelaufen sein." Landwirt Born will deshalb am Freitagabend (11.08.2017) mit einem Mahnfeuer auf seinem Hof gegen die unkontrollierte Ausbreitung der Wölfe protestieren.

Fakten rund um den Wolf

Von Katja Goebel

Der Wolf siedelt sich wieder in Deutschland an - auch in NRW werden Wolfsbesuche immer wahrscheinlicher. Wissenswertes rund um den Rückkehrer.

Wolf blickt in die Kamera

Wie viele Wölfe wurden in NRW bisher gesichtet? In Nordrhein-Westfalen wurde bis Anfang April 2017 bereits 16 Mal ein Wolf gesichtet. Das heißt laut Naturschutzbund (Nabu) aber nicht, dass es sich dabei um 16 verschiedene Tiere handelt. Oft wurde ein Tier auch an unterschiedlichen Orten nachgewiesen.

Wie viele Wölfe wurden in NRW bisher gesichtet? In Nordrhein-Westfalen wurde bis Anfang April 2017 bereits 16 Mal ein Wolf gesichtet. Das heißt laut Naturschutzbund (Nabu) aber nicht, dass es sich dabei um 16 verschiedene Tiere handelt. Oft wurde ein Tier auch an unterschiedlichen Orten nachgewiesen.

Wo wurden die Tiere in NRW bisher gesichtet? In Petershagen, Kreis-Minden-Lübbecke, wurde am 2. April 2017 wurde ein Wolf überfahren. Im Februar 2017 wurde südöstlich von Brilon im Hochsauerlandkreis ein Wolf beobachtet. Auch einem Autofahrer gelang im Lemgoer Ilsetal ein Schnappschuss eines Wolfes. Die Karte zeigt, dass bislang hauptsächlich Wölfe im Nordosten von NRW gesichtet wurden. Unter anderem im Kreis Warendorf und Kreis Paderborn. Aber auch im Rheinisch-Bergischen Kreis wanderte ein Wolf bis nach Rösrath.

Woher kommen die Tiere? Der erste gesichtete Wolf stammte aus einer sächsischen Wolfspopulation. Auch die Entwicklung der niedersächsischen Wölfe mit bislang mehreren Rudeln lassen Wolfsbesuche in NRW künftig immer wahrscheinlicher werden. Wölfe legen lange Strecken von bis zu 70 Kilometern am Tag zurück. Ein Wolf aus Sachsen, der einen Sender trug, schaffte nachweislich in sechs Monaten eine Strecke von 1.500 Kilometern. Irgendwo in Weißrussland verlor sich dann die Spur. Die Wölfe wurden nicht von Menschen angesiedelt, sie kommen aus den Nachbarländern selbstständig zurück. So stammen die Wölfe in den nördlichen Bundesländern aus Ostpolen und in den südlichen Bundesländern meist aus den Alpen und der italienischen Population.

Wo in Deutschland haben sich Wölfe bereits angesiedelt? Die höchste Wolfsdichte hat derzeit Sachsen mit 12 gezählten Wolfsrudeln (Stand: 15.04.2016). Auch in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben sich Wölfe angesiedelt.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Zahl der Wölfe in NRW ansteigt? Die Naturschützer halten es für möglich, dass sich der Wolf wieder in nordrhein-westfälischen Wäldern ansiedelt. Der Teutoburger Wald, die Senne, das Sauerland, das Siegerland und die Eifel mit hohen Wildtierbeständen und genügend Rückzugsmöglichkeiten gelten als Wolfserwartungsgebiete. Bislang hat sich aber noch kein Wolfsrudel in NRW niedergelassen, es sind immer nur einzelne Tiere, die auf ihren langen Streifzügen die Landesgrenze passierten.

Wie gefährlich ist der Wolf für Menschen? Laut Naturschutzbund (Nabu) hat es, seit es wieder Wölfe in Deutschland gibt, keine Situation gegeben, in der sich Wölfe aggressiv gegenüber Menschen verhalten haben. In der Regel gehe der Wolf dem Menschen aus dem Weg, es sei denn, er werde angefüttert. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es in der Natur ebenso wenig wie beim Zusammenleben mit Haustieren. So schätzt der Nabu die Gefährlichkeit von Wildschweinen höher ein als die eines Wolfes.

Meidet der Wolf die Nähe des Menschen? Im Wolfsmanagementplan des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) heißt es dazu: "Der Wolf meidet zwar Menschen, aber nicht vom Menschen geschaffene Strukturen." So kann es also vorkommen, dass ein Wolf auf der Suche nach Nahrung durch eine Siedlung streift. Das Bundesamt für Naturschutz hat Kriterien erarbeitet, wann ein Wolf als auffällig einzustufen ist und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Sollte sich ein auffällig gewordenes Tier nicht verscheuchen lassen, kann es im Ausnahmefall auch getötet werden. Zum Beispiel dann, wenn er sich wiederholt Menschen nähert oder unprovoziert aggressiv verhält. In Niedersachsen wurde 2016 ein Wolf getötet, der sich wiederholt Menschen mit Hunden genähert hatte.

Welche Beute steht auf dem Speiseplan des Wolfes? Die Hauptnahrung des Wolfes in Deutschland ist das Reh, gefolgt von Rothirschen und Wildschweinen. Wölfe nehmen die Beute, die am leichtesten zu erreichen ist. So kann es immer wieder vorkommen, dass Nutztiere, insbesondere Schafe, von Wölfen gerissen werden. Deshalb sollten sie in ausgewiesenen Wolfsgebieten ausreichend geschützt werden - zum Beispiel durch Elektrozäune. In Brandenburg hat man gute Erfahrungen mit speziellen Herdenschutzhunden gemacht. "In Brandenburg gab es in den von unseren Hunden geschützten Herden nicht einen einzigen Übergriff", sagt Knut Kucznik, Schäfermeister und Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde". Die Hunde sind allerdings in der Anschaffung und Haltung sehr teuer.

Bekommen Nutztierhalter beim Wolfsriss eine Entschädigung? Wenn der Wolf tatsächlich als Verursacher nachgewiesen ist, wird auf formlosen Antrag des Tierhalters der Wert des getöteten Tieres durch die Landwirtschaftskammer ermittelt. Eine Entschädigung wird derzeit auf freiwilliger Basis aus Naturschutzmitteln bezahlt. In NRW sind mittlerweile viele Wolfsberater tätig. Sie dokumentieren für das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) auch die Schäden durch den Wolf.

Werden Schutzmaßnahmen gegen den Wolf gefördert? Sollte sich der Wolf in NRW niederlassen, können Halter von Schafen und Ziegen sowie Betreiber von Wildgehegen in NRW künftig neben der Gewährung einer Entschädigung für Tierrisse auch Fördermittel für den Erwerb von Elektrozäunen und Zubehör für den Schutz ihrer Herden vor Übergriffen durch Wölfe beantragen. Gefördert werden soll auch die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden. "Übernommen werden 80 Prozent der Anschaffungs- und Ausbildungskosten", so Ministeriumssprecherin Tanja Albrecht. Die Förderung gilt allerdings nur in Wolfsgebieten. Diese Gebiete sollen dann ausgewiesen werden, wenn sich der Wolf dort dauerhaft angesiedelt hat. Das heißt, wenn ein Tier tatsächlich über einen Zeitraum von einem halben Jahr mehrfach in dem Gebiet nachgewiesen wurde.

Macht der Wolf den Jägern Konkurrenz? Wenn der Wolf im Revier mitjagt, ändert sich das Leben der Wildtiere und damit auch das des Jägers. Rehe und Hirsche, die bislang ohne Raubtiere leben konnten, verändern ihr Verhalten durch die Anwesenheit des Wolfes. Darauf muss sich der Jäger einstellen. Die Sorge aber, dass sich der Wolf zu einem ernsthaften Konkurrenten entwickelt, sieht der Landesbetrieb Wald und Holz NRW nicht. Dazu sei der Wildbestand insgesamt zu hoch. "Selbst wenn der Wolf bei uns flächendeckend jagen würde, wäre die Zahl seiner Beutetiere nicht annähernd so hoch, wie die der Tiere, die durch Verkehrsunfälle ums Leben kommen", sagt Thomas Pusch, Wolfsexperte beim Naturschutzbund NRW.

Was tun, wenn man einen Wolf sieht? Die Sichtung eines Wolfes sollte dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) gemeldet werden. Hier nimmt man unter der Telefonnummer 02361- 305 0 und außerhalb der Geschäftszeiten unter 0201- 714488 rund um die Uhr Meldungen entgegen. Außerdem gibt es eine lange Liste von sogenannten Wolfsberatern im Land, die in den einzelnen Kreisen von NRW tätig sind. Sie beraten auch vor Ort zu Präventionsmaßnahmen.

Was passiert am Tag des Wolfes? Jeweils am 30. April endet beim Naturschutzbund das offizielle Wolfsjahr, bei dem durch das Monitoring alle wissenschaftlichen Daten gesammelt werden, um Erkenntnisse über das Leben frei lebender Wölfe in Deutschland zu erhalten. An diesem Tag gibt es landesweit in den Zoos und Tierparks zahlreiche Informationsveranstaltungen rund um das Thema Wolf.

Bauern fordern höhere Entschädigungen

Borns Kühe stehen auf der Weide und sind so vor Wölfen kaum geschützt. "Einerseits wollen alle, dass Kühe frei laufen, andererseits kümmert sich niemand um den Schutz", sagt Born. Die Bauern ärgern sich über mangelnde Entschädigungen. So wurden vor einiger Zeit im Kreis Lippe drei Ziegen von einem Wolf gerissen. Der Landwirt bekam zwischen 60 und 90 Euro Entschädigung pro Tier.

Wölfe auch abschießen

Einige Bauern würden den Wolf deshalb am liebsten abschießen: "Der Wolf hat keine natürlichen Feinde, dadurch vermehrt er sich rasant", argumentieren Born und seine Mitstreiter vom Landwirtschaftsverband in Hagen. Der Naturschutzbund Nabu widerspricht. Zwar habe der Wolf keine natürlichen Feinde, er könne sich aber nicht endlos ausbreiten. Seine Verbreitung pendele sich allein durch das Verhältnis von Räuber zu Beute ein.

Wölfe unter Artenschutz

Bauer Born überzeugt das nicht. Er fordert den Abschuss von Wölfen: "Um die Population der Wölfe in Schach zu halten, ist die Jagd die einzige Möglichkeit." Stephan Sallermann vom Nabu in Hagen hält dagegen: "Das geht natürlich nicht. Wölfe stehen unter Artenschutz." Wölfe dürften nur in absoluten Ausnahemfällen getötet werden, nämlich dann wenn sie sich dauerhaft auffällig verhalten und nicht anderweitig verjagt werden können.

Sallermann vom Nabu fordert trotzdem, die Sorgen der Bauern ernst zu nehmen. Und zwar schon jetzt, auch wenn erst wenige Wölfe in NRW gesichtet wurden. Denn Naturschützer gehen davon aus, dass sich spätestens in fünf Jahren auch bei uns, ähnlich wie heute schon in Ostdeutschland, Rudel angesiedelt haben werden.

Stand: 07.08.2017, 18:10