Gedenken an Nazi-Opfer

Gedenken an Nazi-Opfer

Von Wolfram Goetz

Am Karfreitag (25.03.2016) haben sich wieder fast 1.000 Menschen zur jährlichen Gedenkstunde in der Dortmunder Bittermark versammelt - obwohl es fast die ganze Zeit regnete. Dort und im Rombergpark ermordete die Gestapo kurz vor Kriegsende rund 300 Zwangsarbeiter und Gegner der Nationalsozialisten.

Ein Kinderchor begrüßte Ehrengäste aus Frankreich. "Wir sind gekommen, um den jungen Generationen zu beweisen, dass Freundschaft zwischen den Völkern immer möglich ist. Es genügt, die Freundschaft zu wollen", sagte Nicole Godard, die Sprecherin der Delegation. Das Mahnmal in der Dortmunder Bittermark ist für die französischen Zwangs- und Arbeitsdeportierten der wichtigste Ort der Erinnerung.

Oberbürgermeister warnt vor Rechtsruck

Ihre Botschaft stieß bei den Schülern auf offene Ohren, die die Gedenkstunde seit einigen Jahren mitgestalten. "Nie wieder Gewaltherrschaft, nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg", riefen die Schüler in einer Toncollage den Dortmundern entgegen, die unter ihren Regenschirmen vor dem kranz- und blumengeschmückten Mahnmal ausharrten.

Zahlreiche Menschen bei Gedenkfeier in der Dortmunder Bittermark am Karfreitagstag 2016

Trotz des Dauerregens nahmen einige hundert Menschen an der Gedenkfeier in der Dortmunder Bittermark teil.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau warnte vor einem Rechtsruck in Deutschland wie in Europa. "Wir dürfen nicht wegschauen, wenn in unserem Land vor Flüchtlingsheimen demonstriert wird, wenn Menschen angegriffen werden oder sogar um ihr Leben fürchten müssen. Es gilt, rechtspopulistischen Tendenzen, rechtsextremistischen Tendenzen und der verbalen Radikalisierung mit demokratischen Debatten und sachlichen Auseinandersetzungen zu begegnen und mit solchen Veranstaltungen entgegenzutreten."

Hinrichtungswelle erreichte in Dortmund ihren Höhepunkt

Als Gast schilderte der Freiburger Historiker Ulrich Herbert die Hintergründe der Dortmunder Karfreitagsmorde. "Mit nichts rechneten die Nazis seit Beginn des Ausländereinsatzes so fest wie mit organisierten Aufstandsversuchen der ausländischen Zivilarbeiter und Kriegsgefangenen", sagte Herbert. Massenerschießungen habe es vor Kriegsende auch an anderen Orten gegeben, in Dortmund habe die Hinrichtungswelle aber ihren Höhepunkt erreicht.

Eines der Opfer war damals Heinrich Czerkus, Kommunist und Platzwart von Borussia Dortmund. Er druckte und verteilte Flugblätter für den Widerstand. Zum 12. Mal erinnerte der "Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf" an ihn, vom Stadion Rote Erde zum Mahnmal in der Bittermark. Diesmal waren wegen des Regenwetters allerdings nur gut 100 Läufer dabei.

Stand: 25.03.2016, 18:41