Anschlag auf BVB offenbar seit Längerem geplant

Anschlag auf BVB offenbar seit Längerem geplant

Von Marcus Bark und Ingo Neumayer

  • Anschlag auf BVB-Mannschaft offenbar lange geplant
  • Haftbefehl gegen 28-jährigen Verdächtigen
  • Tatmotiv wohl Habgier
Dortmunder Hotel "L'Arrivée"

Dortmunder Hotel "L'Arrivée"

Gegen den 28-jährigen Verdächtigen, der am Freitag (21.04.2017) in der Nähe von Tübingen festgenommen worden war, wurde am Nachmittag Haftbefehl erlassen. Er soll sich nach WDR-Informationen schon am 8. März dieses Jahres im Dortmunder Mannschaftshotel "L'Arrivée" aufgehalten haben. An diesem Tag spielte Borussia Dortmund im Champions-League-Achtelfinale gegen Benfica Lissabon.

Verdächtiger seit einer Woche observiert

Der Mann soll schon vor den Osterfeiertagen ins Visier der Ermittler geraten sein, nachdem die Hotelgäste, die zur Zeit des Anschlags im "L'Arrivée" gastiert hatten, überprüft worden waren. Er soll mindestens seit Karfreitag (14.04.2017) intensiv überwacht worden sein. Zudem soll sein Telefon abgehört worden sein.

Hintergrund des Anschlags sollen Börsenspekulationen sein. Der Verdächtige hat laut Generalbundesanwalt 15.000 Optionsscheine erworben und damit auf fallende Kurse der BVB-Aktie gesetzt. ARD-Informationen zufolge hat der Verdächtige sogar 60.000 Optionsscheine gekauft.

Dem WDR berichtete Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Freitag von Details der Ermittlungen. So hätten die Fahnder schon relativ früh Zweifel an einem islamistischen oder extremistischen Motiv gehabt, die Spur habe schnell in Richtung des nun Verhafteten geführt.

Bomben konnten volle Sprengkraft nicht entfalten

Laut Jäger hat der Verdächtige den Anschlag "minutiös und hochprofessionell" vorbereitet. Er habe Fachwissen aus der Elektrotechnik besessen, mit dem er die Bomben habe zünden können. Jäger bezeichnete es als "Wunder", dass nur zwei Personen verletzt worden seien: "Die Sprengkörper hatten eine Kraft, die Menschen in großer Zahl hätten töten können." Einer der drei Sprengsätze sei jedoch zu hoch platziert gewesen, so dass die Sprengwirkung über dem Bus verpufft sei. Zudem seien die Bomben mit ein bis zwei Sekunden Verzögerung ausgelöst worden, als der Bus die Stelle mit den Sprengsätzen schon teilweise passiert hatte.

Generalbundesanwalt geht von Einzeltäter aus

Laut Jäger sind die Behörden auf die Spur des Mannes durch mehrere Indizien gestoßen. So sei der Kauf der Optionsscheine als ungewöhnlich bemerkt worden. Zudem habe sich bei der Überprüfung der Hotelgäste ein Verdacht gegen den 28-Jährigen ergeben. Er soll sich auffällig verhalten und in der Nacht vor dem Anschlag das Hotel für mehrere Stunden verlassen haben, "um den Anschlag technisch vorzubereiten". Jäger berichtete auch, dass am Freitagmorgen in Baden-Württemberg vier Objekte durchsucht worden seien. Wie der Generalbundesanwalt mitteilte, gibt es bislang keine Hinweise auf Gehilfen oder Mittäter.

Stand: 21.04.2017, 16:35