Anschlag in Essen vereitelt - Festnahmen in Oberhausen

Schwer bewaffnete Polizisten sichern nach Terrordrohung Einkaufszentrum

Anschlag in Essen vereitelt - Festnahmen in Oberhausen

  • Polizei verhindert möglichen Terroranschlag auf Einkaufszentrum
  • Zwei Männer in Oberhausen festgenommen
  • Islamist aus Oberhausen soll Drahtzieher sein

Die Polizei hat nach eigener Einschätzung einen Terroranschlag auf das Einkaufszentrum am Limbecker Platz in Essen verhindert. Es habe "sehr konkrete Hinweise" auf entsprechende Pläne gegeben, sagte der Essener Polizeipräsident Frank Richter am Samstag (11.03.2017) in der "Aktuellen Stunde". Andere Sicherheitsbehörden hätten die Polizei vor Ort in Kenntnis gesetzt.

Bezug zum "IS"

Drahtzieher soll nach WDR-Informationen ein Salafist aus Oberhausen sein. Er war nach Syrien ausgereist und den Behörden bekannt. Er hat über Messenger-Dienste versucht, mehrere Menschen für den Anschlag in Essen zu motivieren. Dabei lieferte er den WDR-Informationen zufolge eine Anleitung für den Bombenbau mit. Der Mann soll einen Bezug zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben.

Das Essener Shoppingzentrum war am Samstagmorgen nach Hinweisen auf ein Attentat geräumt und abgeriegelt worden. Es blieb den Tag über geschlossen. Nach Angaben des Managements halten sich an normalen Samstagen im Schnitt bis zu 60.000 Menschen in dem mehrgeschossigen Ladenkomplex mit 200 Geschäften auf.

Polizei mit Großaufgebot im Einsatz

Ein Sprecher der Polizei bezeichnete den Einsatz als "absolute Großlage". In die Ermittlungen seien auch die Sicherheitsbehörden des Bundes "eng eingebunden", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Es finde ein "ständiger Austausch" im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum (GTAZ) von Bund und Ländern statt.

Hinweis kam am Freitag

Die Ermittlungen führten die Behörden nach Oberhausen. Offiziellen Angaben zufolge wurden dort zwei Männer festgenommen und verhört; die Wohnungen der Männer wurden durchsucht. Die beiden Festgenommenen sind nach Angaben der Polizei nicht tatverdächtig.

Polizisten vor dem Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen

Schwer bewaffnete Polizisten riegeln das Gebäude ab

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben am Freitag (10.03.2017) von einer anderen Sicherheitsbehörde den Hinweis auf den Anschlag erhalten. Unter 0201-8291055 wurde ein Bürgertelefon eingerichtet.

Auch im Einkaufszentrum Centro Oberhausen verstärkte die Polizei im Rahmen ihrer Ermittlungen die Präsenz. Das Einkaufszentrum sei "generell ein mögliches Ziel", hieß es bei der Polizei. Konkrete Hinweise auf einen möglichen Anschlag gebe es allerdings nicht. Erst Ende 2016 waren angebliche Attentatspläne auf das Centro bekannt geworden.

Gespenstische Ruhe vor dem Einkaufzentrum

Wo sonst Tausende unterwegs sind, herrscht am Essener Einkaufszentrum am Samstag gespenstische Ruhe. Nur wenige Passanten sind unterwegs. Sie sind beunruhigt.

Einsatzbesprechung Hundertschaft Essen

In einem Café vor dem Einkaufszentrum in Essen sitzen einige Menschen und trinken Kaffee. Eine von ihnen ist Steffi. Sie arbeitet an einem Currywurst-Stand im Center und sitzt nun bereits seit 9 Uhr hier. "Ich warte darauf, ob noch aufgemacht wird, dann muss doch einer am Stand sein", sagt sie. Zwar habe sie ein ungutes Gefühl aber sie könne im Fall doch nicht ihren Chef im Stich lassen.

In einem Café vor dem Einkaufszentrum in Essen sitzen einige Menschen und trinken Kaffee. Eine von ihnen ist Steffi. Sie arbeitet an einem Currywurst-Stand im Center und sitzt nun bereits seit 9 Uhr hier. "Ich warte darauf, ob noch aufgemacht wird, dann muss doch einer am Stand sein", sagt sie. Zwar habe sie ein ungutes Gefühl aber sie könne im Fall doch nicht ihren Chef im Stich lassen.

Sahra Baumann aus Essen hat am Samstag ihren Shopping-Tag. Sie wollte sich mal wieder etwas gönnen und gemütlich essen gehen. "Ich habe schon ein mulmiges Gefühl, aber wir dürfen nicht so viel Angst zeigen, sonst haben die Leute, die anrufen und drohen doch ihr Ziel erreicht", sagt sie.

Mehrere Kamerateams und Journalisten fangen die wenigen Menschen ab, die gekommen sind und stellen ihre Fragen. Auch Susanne wird befragt. "Das hat mich völlig überrascht heute, ich war gestern spät im Bett, heute habe ich noch kein Radio gehört." Aus ihrer Sicht ist die Welt schlecht geworden. "Wo soll man noch hingehen, gestern läuft einer mit einer Axt durch den Düsseldorfer Hauptbahnhof, und heute das hier."

Youssef Azuzaoi steht mit einer Einkaufstüte und großen Augen vor der Absperrung. "Na toll, ich wollte eigentlich viele Besorgungen machen heute. Wir erwarten ein Kind." Bei solchen Ereignissen findet er es richtig, dass die Polizei sensibel reagiert. "Dann muss ich das in Kauf nehmen, dass heute geschlossen ist."

Auch Claudia und Sandra haben sich an einen der Tische der Bäckerei gegenüber des Centers gesetzt. Heute wollten sie eigentlich eine schöne Einkaufstour unter Freundinnen machen. Sandra rührt in ihrem Kaffee. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass etwas passiert." Als sie die Sperrung und die Polizei gesehen haben, haben sie die Nachricht im Internet gelesen.

Stand: 11.03.2017, 22:07