Erster VW-Kunde klagt gegen Autohaus

Ein VW-Logo spiegelt sich in einer Regenpfütze auf einem Mitarbeiterparkplatz am VW Werk

Erster VW-Kunde klagt gegen Autohaus

In Bochum klagt am Mittwoch (02.03.2016) ein VW-Besitzer gegen sein Autohaus wegen der Angabe falscher Abgaswerte. Es ist nach Gerichtsangaben die erste Verhandlung bundesweit, in der sich ein VW-Besitzer in der Abgasaffäre juristisch gegen ein Autohaus wehrt.

Der Kläger ist ein Hochschulprofessor aus Trier. Er war vor 15 Jahren von der Ruhr an die Mosel gezogen, hatte aber alle vier Jahre zum Teil hochwertige Neufahrzeuge bei einem großen Bochumer VW-Händler gekauft. Er wird vertreten von Rechtsanwalt Dietrich Messler aus Bochum: "Mein Mandant hatte selbst im Internet herausgefunden, dass auch sein Fahrzeug von der Abgasaffäre betroffen ist und war sehr erbost, dass ihn das Autohaus nicht direkt informiert hat. Er hat uns dann beauftragt."

Nachbesserung wurde nicht angeboten

Rechtsanwalt Dietrich Messler

Rechtsanwalt Dietrich Messler

Die Bochumer Kanzlei schrieb dann das Bochumer Autohaus an und bat um eine Stellungnahme. Diese kam prompt. In dem Antwortschreiben des VW-Händlers hieß es, der Volkswagen-Konzern arbeite unter Hochdruck an einer Lösung, mit der man sich auch zeitnah melden werde. Das akzeptierte die Kanzlei aber nicht, hatte doch Volkswagen öffentlich erklärt, dass die Entwicklung und Produktion von Software- und Hardware-Lösungen längere Zeit in Anspruch nehmen würde. "Damit war klar, dass eine zeitnahe Nachbesserung vom Autohaus überhaupt nicht angeboten werden konnte", fasst Rechtsanwalt Messler das Schreiben des Bochumer Autohauses zusammen. Sein Mandant forderte daraufhin im zweiten Schritt eine so genannte "Nachlieferung". Dabei bot er dem Verkäufer an, ein neues Fahrzeug zu kaufen und das bemängelte Fahrzeug unter Anrechnung der gefahrenen Kilometer zurückzugeben. Doch auch darauf erhielt der Kläger keine Antwort.  

Fristen abgelaufen

Landgericht Bochum

Der erste VW-Prozess startet in Bochum

Weil sich das Autohaus nicht innerhalb der gesetzten Frist zurück gemeldet hat, trat der Hochschulprofessor schließlich vom Kaufvertrag zurück. Man teilte dem Verkäufer mit, dass man das Fahrzeug zurückgebe und die Rückerstattung des Kaufpreises abzüglich der genutzten Kilometer erwarte. Auch darauf gibt es bis heute keine Rückmeldung. Für Rechtsanwalt Dietrich Messler und seinen Mandanten hat das Schweigen des Autohauses den Beigeschmack des Aussitzens. Deshalb ziehen sie jetzt mit ihren Forderungen vor Gericht. Der Kläger bemängelt den Ausstoß der Schadstoffe seines VW, weil sie nicht den Angaben in den Verkaufsprospekten entsprechen. Weil bei dem Fahrzeug die zweijährige Gewährleistungsfrist noch nicht abgelaufen ist, richtet sich die Klage gegen das Autohaus. Nach Ablauf dieser Frist hätten sich die Ansprüche gegen den Volkswagenkonzern als Hersteller richten müssen. Am Mittwoch (02.03.2016) beginnt der Prozess nun.

Urteil mit Signalwirkung

Viele Autohäuser und betroffene Kunden werden das Urteil im Landgericht Bochum mit Spannung erwarten. Branchenkenner gehen davon aus, dass in Bochum noch nicht "das letzte Wort" gesprochen wird und sich höhere Instanzen mit dem Fall befassen müssen. Es liegt auch noch ein weiterer Fall eines VW-Kunden beim Bochumer Landgericht. Dabei klagt ein Mann gegen ein Autohaus in Recklinghausen.

Stand: 02.03.2016, 05:00