Dortmunder Ex-Feuerwehrchef im Visier des Verfassungsschutzes

Schäfer auf einer rechten Hooligan-Demonstration

Dortmunder Ex-Feuerwehrchef im Visier des Verfassungsschutzes

Von Christof Voigt

Vor sechs Jahren wurde Klaus Schäfer vom Dienst suspendiert, weil er bei einer Nazi-Demo marschierte. Jetzt prüft der Verfassungsschutz seine Facebook-Seite auf strafbare Kommentare.

Im April 2010 war die Aufregung in Dortmund groß: Klaus Schäfer, ehemaliger Chef der Dortmunder Feuerwehr und damals Leiter des städtischen Instituts für Feuerwehrtechnologie, war auf einer Neonazi-Demonstration mitgelaufen. Nur Stunden nach Bekanntwerden dieses Vorfalls suspendierte die Stadt Schäfer. In den Dienst zurückgekehrt ist er nie wieder, seit April 2016 ist er pensioniert. Und inzwischen ist klar: Schäfer ist längst nicht mehr nur Mitläufer in der Dortmunder Neonazi-Szene.

An einem kalten Dezemberabend 2016 haben sich etwa 100 Neonazis in der Dortmunder Innenstadt getroffen. Klaus Schäfer hatte eingeladen. Und gekommen ist der harte Kern der Dortmunder Neonazi-Szene. Laut Schäfer aber auch Vertreter von NPD, AfD und rechter Gruppierungen. Gemeinsam gedenken sie der Opfer des Berliner Terroranschlags, auf ihre Art. Das heißt: Sie hetzen gegen das bestehende System.

Schäfer auf Neonazitreffen

Für Schäfer, der viele Jahre SPD-Mitglied war, offenbar ganz normal. Er sagt uns im Interview: "Es hat sich etwas gebildet, das ist eine nationale außerparlamentarische Opposition. Diese jetzt Napo genannte Gruppierung umfasst eben viele Parteien des rechten Spektrums, die geht weit über die Pegida- oder die AfD-Bewegung hinaus." Tatsächlich gab es in den vergangenen Monaten immer wieder größere Neonazitreffen in Dortmund. Dort kamen Rechtsextremisten aus ganz Deutschland zusammen: Hooligans, sogenannte freie Kameradschaften, Vertreter rechtsextremer Parteien. Auch Personen, die die Behörden in der Nähe von Rechtsterroristen sehen.

Klaus-Jürgen Schäfer gibt dem WDR ein Interview

Klaus-Jürgen Schäfer im WDR-Interview

Immer dabei Klaus Schäfer. Dass sich da aber eine rechte außerparlamentarische Opposition bildet, kann der Dortmunder Staatsschutz auf Nachfrage nicht bestätigen: "Keine Erkenntnisse", heißt es. Aber Schäfer geht in dem Interview mit dem WDR noch weiter: "Wir werden einen doch sehr heißen Sommer erleben, nationale Kräfte formieren sich gerade und wir werden diese nationale außerparlamentarische Opposition formen und verbinden und da brauchen wir auch keine Wahlen."

Verfassungsschutz sieht rechtsextremistische Gesinnung

Wir haben das ganze Gespräch mit Schäfer (siehe Link oben) vom NRW-Verfassungsschutz einordnen lassen. Der kommt zu folgendem Schluss: "Mit dem vorliegenden Interview zeigt sich offen seine rechtsextremistische Gesinnung. (…) Dahinter steht der Gedanke, dass sich 'das Volk' zu einer 'nationalen Revolution' erhebt und das bestehende staatliche System ablöst."

Menschenverachtender facebook-Kommentar von Schäfer

Auf diesen facebook-Post wurde der Verfassungsschutz aufmerksam

Schäfer trägt diese Gesinnung aber nicht nur auf die Straße. Auch im Internet ist er aktiv, zitiert auf seinem Facebook-Account Adolf Hitler. Oder er schreibt, er würde sich freuen, wenn gewisse Kreaturen "geschmuddelt" würden. Eine Anspielung auf den Schmuddel genannten Punker, den ein Rechtsextremist 2005 erstochen hatte.

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft prüft Schäfers Internet-Kommentare jetzt auf strafbare Inhalte. Auch unser Interview mit ihm will sie sich genau ansehen.

Stand: 12.01.2017, 13:30