Duisburger Polizist hilft Opfern von Gewalttaten

Opferschützer Andre Tiegs

Duisburger Polizist hilft Opfern von Gewalttaten

Von Marcus Böhm und Kai Toss

  • Opferschützer der Duisburger Polizei im Interview.
  • Angehörige von Mordopfern sind häufig traumatisiert.
  • Opferschützer vermittelt dann Kontakt zu Therapeuten.

Einbruch, Verkehrsunfall, Stalking oder Missbrauch: Die psychischen Belastungen für Opfer solcher Straftaten sind meist gravierend. Mit diesen Folgen muss niemand allein fertig werden. Dafür sorgt Andre Tiegs von der Duisburger Polizei. Er ist einer von zwei Beamten, die den Opfern von Gewalttaten helfen.

WDR.de: Herr Tiegs, Sie mussten fünf Menschen an einem Tag die Todesnachrichten überbringen. Wie halten Sie das selber aus?

Andre Tiegs: Ich kann das gut verpacken in den Fällen. Ich schaffe den Spagat zwischen Distanz und nahe genug dran zu sein, um Anteilnahme zu zeigen, die nötig ist. Ich kann aber kein Rezept geben, das ist immer ganz unterschiedlich. Direkt in der Situation fühle ich mich ganz schlecht dabei. Manchmal ist das ganz schwer auszuhalten und ich bin froh, dass es mich nicht persönlich trifft. Es kam aber auch schon vor, dass ich selbst weinen musste.

WDR.de: Sie helfen auch den Opfern von Gewalt in der Ehe, vermitteln zu Frauenhäusern. Wie geht es dann weiter?

Tiegs: In Einzelfällen erhalten Opfer eine neue Identität. Nämlich dann, wenn der Täter mit dem Tod droht. Neue Namen, neue Handyverträge. Nichts darf ich dann vergessen. Zum Beispiel wenn die Frau den gemeinsamen Hund in ihr neues Leben mitnehmen will. Es gibt verschiedene Ortungssysteme für Hunde, die gechippt werden. Da kann man sich im Internet anmelden und über GPS den Standort des Tieres herausfinden und somit auch die Frau. Daher muss ich auf alles achten.

WDR.de: Seit sieben Jahren kümmern Sie sich um Opfer. Wie kamen Sie dazu?

Tiegs: Vorher war ich Verbindungsbeamter der Polizei ins Duisburger Rotlichtmilieu. Dort musste ich häufig gegen Prostituierte ermitteln. Dann wechselte ich die Seite, weil ich mir die Frage stellte, ob die Prostituierten nicht die eigentlichen Opfer sind. Für mich sind das die Menschen, die Hilfe brauchen. Das war für mich ein Prozess über drei Jahre, wo ich feststellte, dass ich eigentlich die Opfer verfolge. Das wollte ich nicht mehr.

WDR.de: Wie geht es den Menschen, mit denen Sie zu tun haben?

Tiegs: In der Regel kommen die Menschen völlig verzweifelt und orientierungslos zu mir. Wenn ich alles richtig mache, dann gehen sie mit mehr Hoffnung und mit einer neuen Perspektive aus dem Gespräch heraus. Sie wissen dann, dass sie Hilfe bekommen können.

WDR.de: Wo holen Sie sich Hilfe?

Tiegs: Ich selbst nehme die Hilfe von Psychologen in Anspruch. Das mache ich mehrmals im Jahr wegen der herausragenden Belastungen, damit die kleinen Vorkommnisse nicht zu einer großen Belastung heranreifen.

Stand: 19.05.2017, 10:58