Cyber Security Challenge sucht Nachwuchs-Hacker

Junge Männer vor Laptops

Cyber Security Challenge sucht Nachwuchs-Hacker

Von Katja Goebel

Sie knacken Passwörter, manipulieren Apps und können eine Menge Schaden anrichten. Es sei denn, sie gehören zu den Guten und können Firmen in Sachen IT-Sicherheit beraten. Bei der Cyber Security Challenge werden ab heute die besten Nachwuchs-Hacker gesucht.

Henry Kohli ist Schüler und einer der besten Nachwuchs-Hacker Deutschlands. Woher man das weiß? Der Oberhausener findet Schwachstellen im Netz und hat damit erst 2015 die "Cyber Security Challenge" gewonnen - einen IT-Wettbewerb, den sogar das Bundeswirtschaftsministerium fördert.

Henry Kohli genügen manchmal wenige Stunden, um sich in fremde Computersysteme einzuhacken. Mit zehn Jahren saß er zum ersten Mal daheim vor einem Rechner, mit 13 knackte er den Schulfilter. "Nicht, um mir unerlaubte Angebote anzusehen. Ich wollte einfach nur herausfinden, ob ich es kann", sagt der heute 20-Jährige. Sicherheitslücken finden sei ein sehr schöpferischer Prozess. "Eine Kombination aus Logik und Kreativität."

Duelle mit Cyberkriminellen

IT-Firmen, Wirtschaftsunternehmen und auch das Verteidigungsministerium suchen längst nach Talenten wie Henry Kohli. Experten schätzen, dass allein in den nächsten vier Jahren 20.000 Stellen in der IT-Sicherheit entstehen könnten. Denn: Die Methoden von Cyber-Kriminellen werden immer perfider. So kursiert zum Beispiel ganz aktuell die Schadsoftware "Locky", die Unternehmensdaten verschlüsselt. Wollen Firmen ihre Daten wieder haben, werden sie anschließend von Hackern mit einem Lösegeld zur Kasse gebeten. Auch der Handel mit solchen schadhaften Tools floriert im sogenannten Darknet.

"Für die Wirtschaft wird es immer dringlicher, Daten zu schützen und sich gegen solche Angriffe zur Wehr zu setzen", so Falk Gaentzsch, Projektleiter beim Gelsenkirchener Institut für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule. Das Institut ruft seit 2014 zu "Cyber Security Challenge" in Deutschland auf, einem kniffeligen Wettbewerb, bei dem gute Nachwuchshacker gesucht werden, die des mit den Bösen aufnehmen können.

Hacker-Talente gesucht

Ab Montag (02.05.2016) sucht das Institut mit speziellen Aufgaben nach den außergewöhnlichen Talenten. Bis zum 2. August 2016 müssen die Teilnehmer über Monate online insgesamt neun Challenges - also Aufgaben lösen, um sich für das Finale in Berlin zu qualifizieren. "Wir rechnen in diesem Jahr mit rund 1.000 Teilnehmern", sagt Falk Gaentzsch. Nur 20 von ihnen werden am Ende in Berlin antreten. Mitmachen können sowohl Schüler als auch Studenten. Voraussetzung: Ein Internetanschluss, ein paar Tools und die unbedingte Lust zum Knobeln. Wie nennt es Teilnehmer Henry Kohli so schön: "Das ist so, als müsste man auf Zeit und ohne Handbuch ein Teil im Auto reparieren."

Training mit dem "Hacking-Lab"

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Teamarbeit beim It-Wettbewerb

Wer vor dem Wettbewerb noch trainieren will, kann das tun. Das Institut in Gelsenkirchen ermuntert die Nachwuchshacker auf ihrer Homepage sogar ausdrücklich dazu: "Schau im Hacking-Lab nach passenden Terminen. Fast das ganze Jahr über, online oder live, gibt es Challenges, bei denen du deine Skills austesten kannst. Ob es sich um das Hacken von Android Apps, Reverse Engineering von Linux- oder Windowsanwendungen, Sandboxing oder Web Security handelt, viele spannende Aufgaben warten auf dich", heißt es da. Bei den Aufgaben ginge es nicht darum, Anleitungen zum Firmenhacking zu geben, versichert Gaentzsch. In den abstrakten Aufgaben müssen die Teilnehmer Fehlerquellen finden und vor allem später auch Lösungen präsentieren, wie man solche Fehler vermeiden kann. Wenn die Challenge ansteht, verbringt auch Henry schon mal acht Stunden am Tag vor dem Rechner. "Ich bin da sehr verbissen. Aber nach dem Wettbewerb benutze ich das Laptop dann auch mal monatelang nur, um Nachrichten oder Youtube-Videos zu gucken."

Mit Apps das Taschengeld aufbessern

Wer bei diesem Wettbewerb antritt, lernt nicht nur viel über neue Technologien und Features, über exotische Programmiersprachen und Tricks. Die Qualifikation zum Finale kann auch die Eintrittskarte in den späteren Job sein. "Ein ehemaliger Teilnehmer hat bereits mit 19 Jahren eine kleine Firma gegründet und berät jetzt Unternehmen in Sachen IT-Sicherheit. Außerdem hat er einen folgenreichen Fehler in einer App gefunden und es damit bis in die Washington Post geschafft", berichtet Gaentzsch. Es sei erstaunlich, was für Kenntnisse schon Schüler hätten. "Manche entwickeln schon eigene Apps und verdienen ihr Geld damit." Ergänzend zum Finale findet in Berlin eine Rekruting-Konferenz statt, bei der die Nachwuchstalente mit Unternehmen ins Gespräch kommen können. Henry Kohli will nach der Schule Informatik studieren und sich dann selbstständig machen - mit Schwerpunkt IT-Sicherheit.

Stand: 02.05.2016, 06:00