Bürgerbusse fahren erfolgreich durch NRW

Ehrenamtliche diskutieren bei Bürgerbus-Tag in Grugahalle

Bürgerbusse fahren erfolgreich durch NRW

Von Ludger Vortmann

  • Bürgerbusvereine treffen sich in Essener Grugahalle.
  • Sie fahren dort, wo ÖPNV sonst nicht fährt.
  • Konzept ist 1985 im Münsterland gestartet.
  • Andere Bundesländer kopieren Idee aus NRW.

"Es ist wie ein großes Familientreffen", sagt Christoph Sterner vom Bürgerbusverein Kettwig zum Bürgerbustag NRW am Sonntag (10.09.2017). Er startete mit anderen Freiwilligen vor 16 Jahren das Projekt im Essener Süden, um mehr Mobilität zu schaffen. So wie die anderen rund 1.200 Ehrenamtler aus Bürgerbusvereinen in ganz NRW, die sich zum Erfahrungsaustausch versammelt haben.

Erster NRW-Bürgerbus bereits 1985

Der erste Bürgerbus startete 1985 als Pilotprojekt im Münsterland. Die Idee: Auf dem Land, wo die regulären Buslinien nur selten oder gar nicht fahren, sollten Busse von ehrenamtlichen Busfahrern gesteuert werden. Das Konzept kam gut an. Inzwischen gibt es 133 Bürgerbus-Vereine in Nordrhein-Westfalen. Damit stellt NRW fast die Hälfte aller Bürgerbusse in Deutschland, sagt Staatssekretär Hendrik Schulte . "NRW ist das Bürgerbusland Nr. 1. Andere Bundesländer gucken sich hier inzwischen sogar schon das Konzept ab."

Bürgerbusse vor Grugahalle

Bürgerbusse vor der Grugahalle in Essen

Bürgerbusse sollen keine Konkurrenz zum professionellen Linienbetrieb der Verkehrsbetriebe sein, sondern nur die ländlichen Bereiche versorgen, die von den Verkehrsbetrieben nicht wirtschaftlich erreicht werden können. Dazu werden immer nur Kleinbusse mit acht Fahrgastplätzen eingesetzt, denn die ehrenamtlichen Fahrer besitzen keinen Busführerschein.  

Inzwischen gibt es in NRW rund 3.200 freiwillige Bürgerbusfahrer. Einer von ihnen ist Christoph Sterner vom Kettwiger Bürgerbus in Essen. Er findet es klasse, dass Bürger für gerade mal zwei Euro befördert werden können. Kinder unter sechs Jahren und Schwerbehinderte sogar kostenlos. "Wir ergänzen den Nahverkehr. Wir fahren die überwiegend älteren Leute zu den Ärzten oder zum Einkaufen. Aber natürlich sind wir für alle da."

Franz Heckens und Christoph Sterner diskutieren über Bürgerbusse

Christoph Sterner (re.) fährt einen Bürgerbus

Christoph Sterner beschreibt es als einen "fahrenden Frisiersalon", in dem die Leute miteinander ins Gespräch kommen und man auch Klatsch und Tratsch austausche. Auch der Bürgerbus Kettig e.V. wird vom Land NRW unterstützt. Für Bürgerbusprojekte bekommt man bis zu 84.000 Euro pro Bus. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, dass die Busse barrierefrei sind. So können auch Alte Menschen oder Behinderte das Angebot nutzen.

Keine Fahrverbote für Bürgerbusse

Beim Thema Schadstoffe sieht das Land NRW das Modell Bürgerbus nicht von möglichen Fahrverboten bedroht, sagte Staatssekretär Hendrik Schulte auf WDR-Anfrage: "Die Bürgerbusse nach der Euro 6-Norm führen zu absolut keiner Belastung in den Innenstädten. Und daher gehe ich davon aus, dass sich der Bürgerbus nicht in diese Probleme einreihen muss. Es wird auch weiterhin funktionieren."

Stand: 10.09.2017, 14:49