Gestreckte Krebsmittel: Gericht prüft Verlängerung der U-Haft für Bottroper Apotheker

Apotheken-Zeichen

Gestreckte Krebsmittel: Gericht prüft Verlängerung der U-Haft für Bottroper Apotheker

  • Entscheidung um U-Haft-Verlängerung erst nach Pfingsten
  • Anzeige gegen Apotheker von Betroffen
  • Staatsanwaltschaft: Medikamente gepanscht
  • Verdächtiger schweigt

Ein Ehepaar aus Recklinghausen hat Strafanzeige gegen einen Apotheker aus Bottrop erstattet. Er wird in bis zu 50.000 Fällen beschuldigt, Krebsmedikamente für Chemotherapien gestreckt und zu wenig Wirkstoff in die Infusionen gegeben zu haben.

Das Oberlandesgericht Hamm will nach Pfingsten entscheiden, ob der Apotheker auch nach sechs Monaten weiter in Untersuchungshaft bleiben muss. Bislang schweigt dieser zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft Essen hatte einen Antrag auf Verlängerung der Untersuchungshaft gestellt, weil sie mehr Zeit für die Ermittlungen benötige. Das OLG Hamm hat den Verteidiger jetzt um eine Stellungnahme gebeten.

Die an Blutkrebs erkrankte Angelika Fischer hatte Hoffnung in eine Chemotherapie gesetzt, das Medikament wurde in der Bottroper Laborapotheke speziell für sie dosiert. "Obwohl das ein hochwirksames Medikament war, das gerade auf den Markt gekommen war, hat das bei mir nicht die Wirkung gezeigt, die es zeigen sollte", sagt sie.

Infusionsbeutel ohne Wirkstoff

Für Chemotherapien werden Infusionen individuell für die Patienten zusammengestellt. Die Polizei hat einen solchen Beutel des Bottroper Apothekers untersucht. Das Ergebnis: Kein Wirkstoff, nur Kochsalz. Weitere Proben sind noch im Labor und werden untersucht.

Die Staatsanwaltschaft hat auch die Buchhaltung der Apotheke beschlagnahmt und gleicht darin ab, was eingekauft und was abgerechnet wurde. Es wird dem Vorwurf nachgegangen, dass der Apotheker in 1.000 Fällen nicht die vom Arzt verordnete Dosierung in die Medikamente gemischt, die Arzneien aber voll abgerechnet hat.

Behörden haben nichts gemerkt

Erst nachdem ein Insider der Polizei einen entscheidenden Tipp gegeben hat, sollen die Panschereien aufgefallen sein. Das zuständige Gesundheitsamt habe die Apotheke routinemäßig kontrolliert. Der Amtsapotheker prüft dabei die Hygiene und die Instrumente.

In Westfalen und Lippe sei ein Amtsapotheker für 150 Apotheken zuständig, so die Apothekenkammer Westfalen-Lippe. Das sei viel zu wenig, besonders bei Labor-Apotheken wie in Bottrop: "In großen Labors müssten 100.000 Dokumentationen durchgeguckt werden, das schafft keiner in der verfügbaren Zeit", so die Apothekenkammer.

Der Beschuldigte schweigt

Im Prozess soll es aber nicht nur um den möglichen Betrug an den Kassen gehen, sondern auch um das Schicksal der Patienten. Der Beschuldigte schweigt bis heute zu den Vorwürfen. Ende Mai läuft die Untersuchungshaft für den Beschuldigten aus.

Stand: 31.05.2017, 11:09