Gestreckte Krebsmittel: Apotheken besser kontrollieren

Gestreckte Krebsmittel: Apotheken besser kontrollieren

  • Kontrolle von Apothekern unzureichend.
  • Patientenverband fordert mehr Inspektionen.
  • Behörden leiden unter Personalmangel.

Der Skandal um einen wegen Panscherei angeklagten Bottroper Apotheker zieht weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Pharmazeuten vor, in fast 62.000 Fällen lebenswichtige Medikamente zu niedrig dosiert zu haben - aus Habgier. Der Vertrauensverlust ist immens: Nicht nur der traditionell angesehene Berufsstand, auch die zuständigen Aufsichtsbehörden geraten zunehmend in die Kritik.

Rund 300 Apotheken in Deutschland stellen in eigenen Labors sogenannte Zytostatika her - also Krebsmedikamente, deren Inhaltsstoffe für jeden Patienten individuell zusammengestellt werden müssen. Apotheker Klaus Peterseim aus Essen versorgt seit 22 Jahren Kranke mit den lebensrettenden oder zumindest lebensverlängernden Arzneien. Für die Kontrolle seines Betriebs ist die Bezirksregierung zuständig - zumindest in der Theorie.

Bürokratischer Akt statt Inspektion

Regale voller Medikamentenschachteln in einer Apotheke.

Apotheker haben mit Vertrauensverlust zu kämpfen

Zwar gebe es regelmäßige Inspektionen durch den Amtsapotheker, berichtet Peterseim dem WDR - allerdings nie unangekündigt. Die Kontrolle beschränke sich dabei meist auf die technische Ausrüstung, Hygiene und die Vollständigkeit der Prüfprotokolle. Ein wirksamer Schutz gegen Betrüger sei das nicht, gibt der Apotheker frei zu. "Wenn die Kontrollen in dem geringem Umfang gemacht werden, wie das bisher der Fall war, dann nicht."

Bei der Stiftung Patientenschutz teilt man diese Befürchtung. "Das muss anders laufen", forderte Vorstand Eugen Brysch gegenüber dem WDR. "Wir brauchen eine Qualitätskontrolle, die mindestens einmal im Vierteljahr stattfindet und auch unangekündigt ist."

Gesundheitsministerium will mehr Überraschungsbesuche

Beim zuständigen NRW-Gesundheitsministerium fallen die Reaktionen auf solche Forderungen bisher verhalten aus. Zwar solle es künftig mehr unangekündigte Kontrollen des Amtsapothekers geben, heißt es in einer aktuellen Anweisung. Zwingend vorgeschrieben seien solche Überraschungsbesuche jedoch nicht.

Auch eine stichprobenartige Analyse der in den Apotheken hergestellten Rezepturen ist bisher nicht vorgesehen. Denn auch dafür gibt es nicht annähernd genug Personal: Insgesamt 4.400 Apotheken gibt es in NRW - überwachen sollen sie nur rund 37 Amtsapotheker.

Stand: 11.10.2017, 19:47