Gestreckte Krebsmittel: Vorsorglich Blutproben genommen

Medikament ausverkauft

Gestreckte Krebsmittel: Vorsorglich Blutproben genommen

  • Krebsmedikamente in mindestens 40.000 Fällen gepanscht
  • Apotheker soll auch gegen Hygienebestimmungen verstoßen haben
  • Er sitzt weiterhin in U-Haft und äußert sich nicht
  • Blutproben als Beweismittel

Im Fall des Bottroper Apothekers, der in mindestens 40.000 Fällen Infusionen zur Krebstherapie gestreckt haben soll, hat die zuständige Staatsanwaltschaft in Essen vorsorglich Blutproben bei Patienten nehmen lassen.

Staatsanwaltschaft erwägt verstorbene Patienten zu exhumieren

Die Blutproben wurden nur von Patienten genommen, die ausschließlich mit Infusionen aus der Apotheke des 46-Jährigen behandelt worden sind. Auf diese Weise könne vielleicht nachgewiesen werden, dass die Infusionen gestreckt worden seien. Die Staatsanwaltschaft erwägt auch, Patienten, die gestorben sind, zu exhumieren, um zu untersuchen, ob die gepanschten Medikamente die Todesursache waren.

Im Straßenanzug im Labor

Derweil sitzt der Beschuldigte weiterhin in Untersuchungshaft. Nach wie vor äußert er sich nicht zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft hat Hinweise erhalten, denen zufolge der Mann in Straßenkleidung in dem Labor gearbeitet habe - entgegen üblicher Hygieneregeln. Das teilte die Essener Oberstaatsanwältin Anette Milk am Montag (05.12.2016) dem WDR mit. Zudem soll er zurückgegebene und eigentlich zur Entsorgung bestimmte Infusionsmittel weiter verwendet haben.

Ermittlungen u.a. wegen gefährlicher Körperverletzung

Durch das Sparen bei der Dosierung der Wirkstoffe für die Krebsimmuntherapie hat der Apotheker möglicherweise die Krankenkassen um 2,5 Millionen Euro betrogen. Die Essener Staatsanwaltschaft ermittelt bisher allerdings nur wegen des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und wegen gefährlicher Körperverletzung. Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz verlangt Untersuchungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und der Körperverletzung mit Todesfolge.

Die Bottroper Stadtverwaltung hat für Betroffene und ihre Angehörigen eine Telefon-Hotline eingerichtet (Rufnummer: 0 20 41 / 70 44 88). Nach Angaben der Stadt mussten dort zu Beginn viele Anrufer beruhigt werden. Die Nummer ist noch immer geschaltet. Betroffene können dort nachfragen, ob ihr Arzt oder Krankenhaus vom beschuldigten Apotheker beliefert worden ist.

Stand: 04.01.2017, 12:24