Autisten im Job - so kann es gelingen

Autist Andreas

Autisten im Job - so kann es gelingen

Von Benjamin Esche

  • Deutscher Autismus Kongress in Dortmund am Freitag (09.06.2017) gestartet.
  • Rund ein Prozent der Bevölkerung lebt mit Autismus.
  • Coachings bereiten Autisten und Arbeitgeber aufeinander vor.

"Ich wusste immer, dass ich mich nicht so verhalte, wie andere Menschen", sagt Andreas aus Düsseldorf. Große Menschenansammlungen bereiten ihm Probleme. "Ich nehme jedes Geräusch und jedes Gespräch wahr", erzählt der 30-Jährige. "Irgendwann kriege ich einen Overload und muss aus dieser Situation flüchten."

Die Ärzte rätselten lange, was mit Andreas los ist. Im April 2016 kam die Diagnose: Andreas hat das Asperger-Syndrom, eine Variante des Autismus. Betroffene können soziale Signale nur schwer verarbeiten. Seine Arbeit als Erzieher hat Andreas danach aufgegeben. Er mochte den Job, doch er sagt auch: "Der soziale Kontakt mit Menschen strengt mich an."

Job-Coach hilft Autisten und Arbeitgebern

"Die Arbeitswelt ist eine riesige Herausforderung für Autisten", sagt Monika Labruier, die im "Projekt Router" Betroffene bei der Arbeitsplatzsuche unterstützt. In vielen Bereichen seien Autisten fachlich hoch qualifiziert, aber in kommunikativen Bereichen oft hilflos.

Wichtig sei es, Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit Autismus in speziellen Coachings auf die Zusammenarbeit vorzubereiten, sagt Labruier. "Der autistische Mensch denkt und handelt anders, als der nicht autistische", erklärt sie. Ein Job-Coach kann daher auch arbeitsbegleitend als Schnittstelle viele Reaktionen von Autisten für Arbeitgeber erklären.

Die Fähigkeiten von Menschen mit Autismus haben viele Unternehmen bereits verstanden. "Autisten können in riesigen Datenmengen logische Muster erkennen", sagt Dirk Müller-Remus, der ebenfalls als Vermittler Menschen mit Autismus in den Arbeitsmarkt integriert. Gerade bei analytischen Aufgaben wie im IT-Bereich sei diese Fähigkeit wertvoll.

Viele Arbeitsmöglichkeiten für Autisten

Doch Arbeitsmöglichkeiten für Autisten gibt es weit darüber hinaus. "Autisten sind komplett ehrliche Menschen", sagt Müller-Remus. Besonders bei Arbeitsfeldern, in denen es um Datenschutz oder Sicherheit geht, sei diese Eigenschaft wichtig.

"Da braucht es jemand Unbestechlichen, der die Dinge vorbehaltlos behandelt und rein rational entscheidet", sagt der Vermittler. Auch Jobs im Qualitätsmanagement seien möglich. "Autisten suchen nicht zwingend Fehler, sondern sehen sie einfach", so Müller-Remus.

Andreas aus Düsseldorf hat mittlerweile einen neuen Job gefunden. Künftig wird er im Servicebereich eines Krankenhauses arbeiten und Patienten mit Essen versorgen. "Dort weiß man, worauf man bei mir zu achten hat", sagt Andreas. Und wenn es Schwierigkeiten gibt, ist immer noch der Job-Coach als Vermittler zur Stelle.

Stand: 09.06.2017, 06:00