Erneuter Anschlag gegen alternativen Buchladen

Zersplitterte Scheiben mit Kleber notdürftig repariert

Erneuter Anschlag gegen alternativen Buchladen

In der Nacht zu Mittwoch (16.03.2016) hat es wieder einen Anschlag gegen einen alternativen Buchladen in der Dortmunder Nordstadt gegeben. Zwei unbekannte Täter warfen mit Steinen die Schaufensterscheibe ein.

Ein rechtsradikaler Hintergrund gilt als wahrscheinlich, so die Polizei. Der Fotograf Hendrik Müller, der die Räume gemeinsam mit dem Buchladen gemietet hat, kommentiert den neuen Anschlag mit erkennbarem Sarkasmus: "Wir hatten gerade eine neue Scheibe bekommen und jetzt haben beide Scheiben ein Loch. Eine Nachbarin hat wohl beobachtet, dass zwei Leute weggelaufen sind. War wohl ein Synchronwurf. Nun, am Freitag ist Eröffnung, das Programm ist angekündigt. Wir machen weiter."

"Verschanzen ist falsches Signal"

Zur Eröffnung am Freitag (18.03.2016) mit Musik und einer Lesung ist auch ausdrücklich die Nachbarschaft eingeladen. Hendrik Müller will jetzt erst einmal mit seinen Mit-Mietern sprechen. Die Frage sei, wie man das Haus vor weiteren Anschlägen schützen könne: "Der Laden ist bewusst mit Schaufenster gewählt worden, um einen offene Begegnungsstätte zu haben. Sich jetzt hinter Holzbrettern zu verschanzen, wäre das falsche Signal. Rolladen wären aber sicher mal eine Maßnahme."

Druck von Rechts auf den Vermieter

Die bei den beiden Anschlägen benutzten Steine stammen offenbar nicht aus der Gegend, für Müller ein Indiz dafür, dass es keine Spontantaten waren. Dortmunder Neonazis agitieren schon seit Wochen im Internet gegen den anarchistischen Buchladen. Sie fordern im Internet dazu auf, Druck zu machen, um Betreiber und Vermieter zu Aufgeben zu bringen.

Vor zwei Wochen hatten die Rechtsextremisten vor dem Büro der Immobilienfirma demonstriert. Die verwies darauf, dass ein rechtsgültiger Mietvertrag bestehe. Den anarchistischen Buchladen gab es schon länger, in einem von der Stadt geförderten "Kreativ-Kaufhaus" am Borsigplatz in der Dortmunder Nordstadt. Zu Übergriffen kam es aber erst nach dem angekündigten Umzug ins Hafenviertel.

Stand: 16.03.2016, 11:43