Prozess um dreiste Abzocke bei Umzügen im Ruhrgebiet

Blick in einen teilweise beladenen Möbelwagen einer Spedition, die einen Umzug organisiert.

Prozess um dreiste Abzocke bei Umzügen im Ruhrgebiet

Von Olaf Biernat

Um Betrug bei Umzügen geht es seit Mittwoch (05.10.2016) vor dem Landgericht Essen. Angeklagt sind sechzehn Möbelpacker aus dem Ruhrgebiet. Mit einer dreisten Masche sollen sie ihre Kunden erpresst haben.

200 Seiten lang ist die Anklageschrift und sie muss komplett verlesen werden. Das Gericht rechnet damit, dass die Staatsanwaltschaft allein dafür mindestens zehn Stunden brauchen wird. Es geht um eine dreiste Anbzocke, die sich - über Kleinanzeigen In Tageszeitungen und Anzeigenblättern in vielen Fällen an Senioren richtete, die nicht nur mit super Preisen sondern zusätzlich auch noch mit einen Seniorenrabatt gelockt wurden

Miese Masche

Ein Umzug für nur 250 Euro. So steht es in den Kleinanzeigen, die das Möbelunternehmen geschaltet hat. Viele Kunden aus dem Ruhrgebiet konnten bei dem Angebot nicht widerstehen und buchten den Umzug. Muskelbepackte Männer schleppten nach und nach Kisten, Möbel und den gesamten Hausstand in den LKW, fuhren zur neuen Wohnung. Dort kam dann das böse Erwachen. Das Umzugsunternehmen spricht von einem höheren Aufwand und verlangt mehr Geld. Sollte nicht gezahlt werden, drohten sie damit, die Möbel nicht herauszugeben und den Umzug abzubrechen.

Kosten steigen um das Zehnfache

Umzugsunternehmen

In 180 Fällen sollen die Möbelpacker betrogen haben

Erst wenn das Geld gezahlt wurde, ging der Umzug weiter. Im Einzelfall stiegen die Kosten von 250 auf bis zu 2.000 Euro. Die Anklage wirft den insgesamt sechzehn Möbelpackern aus Essen, Mülheim und Oberhausen unter anderem Betrug, Erpressung und Unterschlagung vor. Insgesamt geht es um sage und schreibe 180 Fälle. Geklagt haben jedoch nicht die geprellten Kunden. Die Staatsanwaltschaft Essen ist von sich aus tätig geworden. Die Ermittler hatten in den Medien von den Fällen gelesen und waren hellhörig geworden. An den ersten beiden Prozesstagen soll lediglich die Anklageschrift verlesen werden, das dürfte einige Stunden dauern.

Volle Anklagebank

Heute vor Gericht ein ungewöhnlicher Anblick: 16 Rechtsanwälte und 16 Angeklagte, die Richter und die Staatsanwaltschaft. Der Prozess begann mit einer Stunde Verspätung. Angesetzt sind neun Verhandlungstage - im ungünstigsten Fall könnte sich der Prozess jedoch auch noch bis Weihnachten hinziehen.

Kunden sollten alles genau schriftlich dokumentieren

Auch die Verbraucherzentrale NRW warnt schon seit Jahren vor der Abzocke von Umzugsunternehmen. Die Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass solche Firmen eine besondere Möglichkeit in Anspruch nehmen, das so genannte Unternehmenspfandrecht. Das bedeutet, der Unternehmer darf Wertgegenstände als Sicherheit einbehalten. Aber nur dann, wenn gegen Forderungen eines Vertrages verstoßen wird. Deshalb rät die Verbraucherzentrale, alles genauestens schriftlich festzuhalten, was bei einem Umzug transportiert werden soll. Dazu zählt eine genaue Anzahl von Kisten, Möbeln und so weiter. Es empfehle sich auch, Fotos von den Gegenständen zu machen.

Stand: 05.10.2016, 16:00