Vietnamesische Kulturschätze in Herne

Massiv goldene Skulptur aus Vietnam

Vietnamesische Kulturschätze in Herne

Das Archäologiemuseum zeigt bis Februar eine Sonderausstellung mit Grabungsfunden aus Vietnam. Die meisten der Exponate haben das Land noch nie zuvor verlassen. Zu den Highlights gehört eine fünf Kilo schwere Figur aus massivem Gold.

Bei der wenige Zentimeter hohen Drachenskulptur handelt es sich um ein kaiserliches Siegel. Das größte Ausstellungsstück ist die acht Meter hohe Nachbildung eines Tempels. Die bedeutendsten Stücke aber sind Beigaben zu einem herrschaftlichen Grab. Sie nach Deutschland zu bringen, war an die Bedingung geknüpft, dass die besten Werkstätten sie restaurieren und vietnamesische Fachleute an ihrem Know-How teilhaben lassen. Bis Ende Februar wird die Schau in Herne gezeigt, danach wandert sie nach Chemnitz und Mannheim.

Die Vorbereitung der Ausstellung hat neun Jahre gedauert. Erst als Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein vietnamesischer Amtskollege die Schirmherrschaft übernahmen, liefen die Verhandlungen über die Exponate reibungsloser.

Vietnam in Herne

Ein acht Meter hoher Tempelnachbau, riesige Bronzetrommeln und kolossale Drachenköpfe: Im LWL-Museum für Archäologie in Herne sind jetzt "Schätze der Archäologie Vietnams" in einer Ausstellung zu sehen, die es so in Deutschland noch nicht gegeben hat. Eine Zeitreise durch zehn Jahrtausende südostasiatischer Kulturgeschichte.

Löwensiegel des Kaisers Minh Mang

"Schätze der Archäologie Vietnams" versammelt über 400 Exponate aus zehn Jahrtausenden, die einen faszinierenden Einblick in die vielfältige Kultur des Landes eröffnen. Darunter sind Jadeobjekte aus der Steinzeit, Grabfunde, Pfeilspitzen, Tierkopfohrringe, Kalligraphien und ein zwei Meter hoher Buddha. Und dieses Löwensiegel des Kaisers Minh Mang von 1827. Es ist aus purem Gold und wiegt knapp fünf Kilogramm.

"Schätze der Archäologie Vietnams" versammelt über 400 Exponate aus zehn Jahrtausenden, die einen faszinierenden Einblick in die vielfältige Kultur des Landes eröffnen. Darunter sind Jadeobjekte aus der Steinzeit, Grabfunde, Pfeilspitzen, Tierkopfohrringe, Kalligraphien und ein zwei Meter hoher Buddha. Und dieses Löwensiegel des Kaisers Minh Mang von 1827. Es ist aus purem Gold und wiegt knapp fünf Kilogramm.

Die Ausstellung trägt dem Umstand Rechnung, dass in den letzten Jahrzehnten in keinem anderen Land Südostasiens derartig viele Ausgrabungen getätigt wurden. Und nirgendwo sonst so viele Museumsneubauten die Geschichte dokumentieren. In Herne sind jetzt Exponate aus acht Museen Vietnams und 45 Fundkomplexen beziehungsweise UNESCO-Weltkulturerbestätten zu sehen - einige von ihnen gelten als Nationalschätze. Hier eine Löwenfigur aus Sandstein aus dem zwölften Jahrhundert.

"Stimmungsvolle Landschaftsbilder, Projektionen, Filme und Installationen begleiten die Besucher bei der Erkundung eines der faszinierendsten Länder Südostasiens im Spannungsfeld der Macht zwischen Indien und China", sagen die Macher der Ausstellung. "Dabei stehen sensationelle archäologische Entdeckungen der vergangenen sechs Jahrzehnte im Mittelpunkt, die in Europa bislang nur wenig bekannt sind." Dieser Drachenkopf aus Terrakotta diente dem Schutz der Palastanlage von Thang Long. Er stammt aus dem elften bis 13. Jahrhundert.

Zu den absoluten Highlights der Ausstellung gehört der begehbare Nachbau eines acht Meter hohen Cham-Tempels. Die rund 30 vietnamesischen Anlagen sind zum Großteil nur noch in Ruinen erhalten. Durch den Eingangspavillon gelangte man zum Heiligtum, das von einer Mauer umgeben war. Im Zentrum stand der meist nach Osten oder Westen ausgerichtete Haupttempel, der bis zu 25 Meter hoch sein konnte und die zentrale Kultfigur beherbergte. Hier ein Exemplar der Tempelstadt My Son in Mittelvietnam, die seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Bedeutend ist auch dieses jungzeitliche Zepter aus Nephrit (Jade). Mit 64 Zentimetern ist es der größte vorgeschichtliche Gegenstand aus diesem Material, der je in Vietnam entdeckt wurde. Er lag in einem Grab, das in Xóm Ren 2006 zufällig bei Erdarbeiten ausgegraben wurde. Die Bedeutung des Bestatteten zeigen auch weitere Grabbeigaben, darunter jungzeitliche Armringe, eine Perlenkette, ein Tongefäß und eine kleine Steinbeilklinge.

Ein wichtiger Ausgrabungsort in Vietnam ist Đông Sơn am roten Fluss, der einer ganzen Kultur den Namen gab. Bedeutendstes Symbol dieser Kultur sind die Đông Sơn-Trommeln, die über und über mit Zeichen bestückt sind. Als Zeichen der Elite wurden sie nach dem Guss in der Gemeinschaft eingeweiht und verloren mit dem Tod des Besitzers ihre Rolle als Klangkörper. Die größte Bronzetrommel ihrer Art aus im dritten bis ersten vorchristlichen Jahrhundert (im Bild) ist in Herne zu sehen.

1990 machten die Fischer im südchinesischen Meer einen ganz besonderen Fang: Sie hieften in ihren Netzen Unmengen an Keramikfiguren des späten 15. Jahrhunderts an Bord, die später auf den Kunstmarkt von Hongkong, London und New York gelangten. Sie stammten aus einer gesunkenen Hochseedschunke, deren Ladung von Tauchern unter spektakulären Umständen geborgen werden konnte. Die 240.000 Objekte haben heute einen Wert in zweistelliger Millionenhöhe. Hier eine Phönix-Kanne aus dem Schiffswrack Cù lao Chàm.

In den 50er Jahren versuchte Vietnam, sich von den im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden zu erholen. In dieser Zeit packte der Revolutionär, Premierminister und Präsident Hồ Chí Min persönlich mit an - zumindest für die Kameras. Diesen von Bauern für Erdarbeiten genutzten Korb soll auch er zum Wiederaufbau des Landes benutzt haben. In Vietnam hat der Hồ Chí Min-Korb den Rang einer Reliquie. So spannt die Ausstellung den Bogen bis in die Moderne.

Die Sonderausstellung "Schätze der Archäologie Vietnams" ist noch bis zum 26. Februar 2017 im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen.

Stand: 07.10.2016, 06:50