Diepentalsperre versinkt weiter im Schlamm

Großes Schlammfeld mitten auf einer Wasserfläche

Diepentalsperre versinkt weiter im Schlamm

Von Gabi van den Boom

Was wird aus der Diepentalsperre? Vor mehr als drei Jahren demonstrierten Hunderte Menschen für ihre Rettung. Das Bild damals: Schlamm statt schaukelnder Boote. Anwohner und Besucher des beliebten Naherholungsziels waren entsetzt.

Was wurde aus den Zielen?

Blonde Frau steht vor einem Gewässer

Lea Becker wirkt resigniert

Die Lokalzeit trifft Lea Becker vor Ort. Die junge Frau wirkt resigniert. Mehr als drei Jahre nach der Gründung der Bürgerinitiative ist die Lage unverändert. Wasserlachen und Schlamm. Dort, wo früher Boote fuhren, ist die Talsperre schon verlandet. Pflanzen wuchern dort ungehemmt. "Es ärgert mich, dass man nicht schneller zu einer guten Lösung gekommen ist, dass mein Einsatz gar nichts gebracht und dass jetzt alles vor sich hin dümpelt“, sagt Lea Becker. Sie geht dort nicht mehr spazieren. Zu viele Leute sprechen sie an, fragen nach der Zukunft der Diepentalsperre, erzählt sie. Aber sie könne nichts sagen.

Neues Naherholungsgebiet sollte entstehen

Dabei schien alles auf einem guten Weg. Aufgeschreckt durch die gewaltige Resonanz auf die Bürgerinitiative holte der Wupperverband Eigentümer und anliegende Städte an einen Tisch. Gutachten wurden angefertigt. Das Wuppertaler Ingenieurbüro Reinhard Beck arbeitete Pläne aus. Aus der maroden Talsperre sollte ein neues Naherholungsgebiet mit drei kleinen Seen und einer Auenlandschaft werden – das alles größtenteils finanziert mit Fördermitteln der EU.

Millionenschwere Investitionen vermeiden

Bach fließt zwischen Haus und Mauer hindurch

Renaturierungspläne nicht umgesetzt

Die Pläne waren ein Kompromiss, weil die Sanierung der maroden Talsperre – landesweit der einzigen in Privatbesitz – Millionen kosten würde. Millionenschwere Investitionen, die die Eigentümer nicht stemmen können. Auch die anliegenden Städte und der Wupperverband schreckten davor zurück. Was wurde aus den Renaturierungsplänen, die bereits vor drei Jahren präsentiert wurden? Wir fragen nach beim Wupperverband. Dort gibt es keine Stellungnahme. Stattdessen eine E-Mail: "Wir bitten um Verständnis, dass wir zunächst mit den Behörden und allen Beteiligten, auch den Eigentümern, das weitere Vorgehen direkt und persönlich besprechen.“  

Hochwasserschutz vergessen?

Runde Tische mit allen Beteiligten gab es bereits. Der letzte sollte 2015 stattfinden. "Der wurde kurzfristig abgesagt, Begründung gab es keine“, berichtet Lea Becker. Sie wartet seitdem auf neue Informationen. Stattdessen Schweigen. Auch die Eigentümer wollen nichts sagen. Wir fragen nach beim Ingenieurbüro Reinhard Beck. "Der Hochwasserschutz ist nicht beachtet worden“, erklärt Reinhard Beck. Seit 100 Jahren staue die Talsperre den Murbach und schütze die darunter liegenden Leichlinger Ortschaften Balken und Wietsche vor Überschwemmungen. Ein solcher Schutz könne nicht ohne weiteres entfernt werden.

Angst vor Überflutungen

Bach fließt zwischen Haus und Mauer hindurch unter einem Baum her

Sorge um Hochwasserschutz

Die Anwohner in Balken und Wietsche sind besorgt. Der Murbach fließt mitten durch die historischen Ortschaften mit alten Fachwerkhäusern. "Wenn die Staumauer weg ist und die Natur freie Laufbahn hat, dann braucht man nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was passieren wird“, erzählt Heinz Gniostko, einer von vielen, deren Haus direkt am Bach liegt. Er und seine Nachbarn sind besorgt, besonders wenn sie an die wachsende Unwettergefahr mit Starkregen denken.

Wie geht´s weiter?

Die Zukunft der Diepentalsperre liegt also weiter im Dunkeln. Lea Becker hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: "Vielleicht tut sich was im Hintergrund, was wir noch gar nicht wissen, da hoffe ich drauf.“ Sie kann sich auf jeden Fall nicht vorstellen, dass ein Naherholungsgebiet wie Diepental nicht erhaltenswert ist. Im Hintergrund wird vermutlich um die Finanzierung gekämpft. Denn für Renaturierungsmaßnahmen gibt es Fördergelder - für Hochwasserschutz nicht. "Da sind die Städte in der Pflicht“, erklärt Reinhard Beck. Und Burscheid, Leichlingen und Leverkusen gehören bekanntlich nicht zu den reichen Städten.

Stand: 13.07.2016, 06:00