Vergewaltigung in Siegaue: Notruf nicht ernst genommen

Polizisten durchkämmen die Siegaue.

Vergewaltigung in Siegaue: Notruf nicht ernst genommen

Von Jürgen Kleikamp

  • Zeuge hatte flüsternd Todesangst signalisiert
  • Einsatzleitstelle in schlechtem Licht
  • Tatverdächtiger inzwischen festgenommen

Die Vergewaltigung einer Studentin in der Siegaue bei Bonn hat die Einsatzleitstelle der Bonner Polizei nachträglich in ein sehr schlechtes Licht gerückt. Den Notruf des Freundes der Studentin hatte eine Beamtin offenbar nicht richtig ernst genommen, sich aber auf jeden Fall deutlich im Ton vergriffen.

Studentin mit Machete bedroht

Der Freund der Studentin aus Freiburg hatte die Notrufnummer 110 gewählt und flüsternd berichtet, dass die junge Frau von einem dunkelhäutigen Mann vergewaltigt und mit einer Machete bedroht würde. Die Beamtin hat daraufhin den Anrufer gefragt - so wörtlich - ob er sie verarschen wolle.

Beamtin nahm Anruf nicht richtig ernst

Der junge Mann aus Pforzheim hatte weiter erklärt, dass er Todesängste ausstehe und fürchte, dass der Angreifer seine Freundin töten würde. Aber auch das scheint die Beamtin auf der Einsatzleitstelle nicht besonders in Schwung gebracht zu haben.

Polizei räumt Fehlverhalten ein

Ein Mann im Vordergrund des Fotos, im Hintergrund durchkämmen Polizisten die Siegaue.

Robert Scholten bei der Spurensuche in der Siegaue

Auf Nachfrage des WDR in Bonn bestätigte Polizeisprecher Robert Scholten den Vorfall und erklärte dazu: "Wir haben das Notruf-Mutterband natürlich abgehört und müssen danach feststellen: Die Beamtin hat nicht richtig reagiert, ihr Ton war unangemessen. Ich will die Kollegin auch nicht in Schutz nehmen, aber sie hat ja immerhin sofort einen Streifenwagen los geschickt."

Zweimal den Notruf gewählt

Der traf dann auch bald ein - nach der Tat, als der Angreifer längst geflüchtet und über alle Berge war. Zwischendurch hatte der Student aus Pforzheim noch einmal den Notruf gewählt und war an die Kreispolizeibehörde Siegburg verwiesen worden, in deren Bereich der Tatort liegt. Robert Scholten dazu: "Auch wenn das Verbrechen nicht mehr zu verhindern gewesen wäre, ist auch dieser Anruf nicht sachgerecht behandelt worden."

Interne Untersuchung im Polizeipräsidium

Inzwischen wird der Vorfall im Polizeipräsidium in Bonn nachbearbeitet. Es gibt eine interne Untersuchung. Die Kommissarin, die fehlerhaft reagiert hat, versieht aber weiter ihren Dienst in der Einsatzleitstelle.

Bei Festnahme reagierte die Leitstelle dann sofort

Polizisten durchkämmen die Siegaue.

Die Polizei durchkämmte nach dem Vorfall die Siegaue

Der Sexualstraftäter ist inzwischen gefasst. Am 8. April konnte die Polizei einen 31-jährigen Asylbewerber aus Ghana festnehmen. Ein Abgleich von DNA-Spuren macht ihn der Tat dringend verdächtig. Er war von einer Zeugin nach einem Phantombild erkannt worden, als er wieder auf der rechten Rheinseite unterwegs war. Die Zeugin alarmierte über den Notruf die Polizei. Der Leitstellenbeamte reagierte diesmal sofort, präzise und angemessen. Der 31-Jährige wurde nach kurzer Flucht gestellt.

Stand: 27.05.2017, 13:33