Mehrere Jahre Haft wegen tödlicher Prügelattacke in Waldbröl

Ein großes weißes Gebäude von vorne.

Mehrere Jahre Haft wegen tödlicher Prügelattacke in Waldbröl

Von Tobias Al Shomer

  • Angeklagte haben Familienvater tödliche Verletzungen zugefügt.
  • Sie wollten "Flüchtlinge jagen".
  • Haftstrafen zwischen zwei bis vier Jahren verhängt.

Die vier Männer (heute 21, 22, 23 und 36 Jahre alt), die sich seit Anfang Mai vor dem Landgericht Bonn wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten mussten, wurden zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und vier Jahren verurteilt. Sie wurden der gemeinschaftlichen Körperverletzung mit Todesfolge für schuldig befunden. Zwei der vier Angeklagten erhielten noch Jugendstrafen. Die vier Männer hatten den 40 Jahre alten Familienvater am 1. September 2016 mit Fäusten, Tritten und einem Stock niedergeprügelt. Der Mann starb neun Tage später im Krankenhaus an Hirnverletzungen.

Richter gehen von minderschwerem Fall aus

Die vier Täter waren demnach mit einem Stock bewaffnet, als sie am Waldbröler Busbahnhof auf den 40-jährigen Familienvater trafen. Es kam zum Streit und zur Schlägerei, bei der das Opfer schwere Kopfverletzungen erlitt und neun Tage später starb. Die Richter am Bonner Landgericht sind in ihrem Urteil von einem minderschweren Fall ausgegangen, mit der Begründung, dass das spätere Opfer die Täter mehrfach beleidigt hatte und selbst immer wieder den Streit gesucht hatte. Bastian Sczech, Sprecher des Landgerichts Bonn, sagt dazu: "Für den Strafrahmen spielt eine Rolle, dass von einem minderschweren Fall der Körperverletzung mit Todesfolge auszugehen ist. Dies ganz maßgeblich deshalb, weil das Opfer, der Getötete, immer wieder von selbst auf die Angeklagten zugegangen ist und sie beschimpft hat. Also sie zu der Tat immer weiter provoziert hat."

Jagdszenen in Waldbröl

Angeklagte im Gerichtssaal

Die Angeklagten im Gerichtssaal

In der Hauptverhandlung wurde deutlich, dass es am Tatabend eine regelrechte Gewaltorgie gegeben haben muss. Die vier Angeklagten waren durch den Alkohol aufgeputscht in der Waldbröler Innenstadt unterwegs, weil sie - so der Richter bei der Urteilsverkündung - "Jagd auf Flüchtlinge" machen wollten.

Unfassbare Brutalität

Auch als Klaus B. schon schwer verletzt am Boden lag, ließen sie nicht von ihm ab. Der 40-Jährige versuchte noch am Boden liegend zu entkommen, doch die vier traten weiter auf ihn ein. Klaus B. erlitt einen Schädelbruch und ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Neun Tage später starb er im Krankenhaus. Er hinterlässt zwei Kinder und seine Ehefrau.

Stand: 04.07.2017, 15:45