Im Zweifel für den Angeklagten - Freispruch im Fall Niklas

Der Angeklagte sitzt im Gerichtssaal

Im Zweifel für den Angeklagten - Freispruch im Fall Niklas

Von Jochen Hilgers

  • Freispruch für den Hauptangeklagten
  • 21-Jähriger verlässt das Gericht als freier Mann
  • Tat bleibt bisher ungesühnt

Am Ende haben die Indizien nicht gereicht: Das Bonner Landgericht konnte dem Hauptangeklagten die vorgeworfene Tat nicht zweifelsfrei nachweisen. Wegen einer anderen Gewalttat erhielt er eine achtmonatige Bewährungsstrafe. Da er seit elf Monaten in Untersuchungshaft saß, konnte er das Gericht am Mittwoch (03.05.2017) als freier Mann verlassen. Damit bleibt die Täterschaft nach der Prügelattacke gegen den 17-jährigen Niklas ungeklärt.

21-Jähriger verlässt den Gerichtssaal als freier Mann

Der Freispruch hatte sich abgezeichnet. Es war noch nicht einmal mehr ein Gefangenentransporter bestellt worden, der den 21-Jährigen zurück ins Gefängnis hätte bringen können. Der Richter kritisierte in seiner Begründung des Freispruchs, dass der Fall von vielen instrumentalisiert und der Angeklagte dämonisiert worden sei. Der nahm den Freispruch ungerührt zur Kenntnis. Er hatte bis zuletzt kein einziges persönliches Wort an Niklas Mutter gerichtet, um ihr zumindest sein Beileid auszudrücken.

Tat bleibt bisher ungesühnt

Mutter von Niklas P. beim Prozess um den Tod ihres Sohnes

Denise Pöhler beim Prozess um ihren Sohn Niklas

Die Mutter von Niklas, die als Nebenklägerin im Prozess auftrat, blickte beim Freispruch zwar äußerlich gefasst, hatte bei näherem Hinschauen aber Tränen in den Augen. Der Tod ihres Sohnes ist fast ein Jahr nach der Tat immer noch ungesühnt. Zuletzt hatten die Zweifel überwogen, ob der Angeklagte tatsächlich der Täter ist.

Kurz vor Prozessende gab es plötzlich einen zweiten Verdächtigen, der eine Ähnlichkeit zum Angeklagten aufweist. Die Staatsanwaltschaft steht jetzt vor dem Scherbenhaufen ihrer Ermittlungen und muss von vorne beginnen. Gegen den jetzt freigesprochenen 21-Jährigen kann sie nicht mehr ermitteln. Dafür müsste sie in Revision gehen.

Nebenklage erhebt Vorwürfe gegen Ermittler

Der Anwalt von Niklas Mutter gab den Ermittlern eine Mitschuld, dass das Beweismaterial gegen den Angeklagten so lückenhaft sei. Nach der Tat habe zum Beispiel das Personal gefehlt, eine Nahbereichsfahndung einzuleiten. Der Täter habe sich aber sehr sicher noch in Tatortnähe befunden.

Der Anwalt der Mutter vor zahlreichen Mikrofonen von Journalisten

Anwalt der Nebenklage nach dem Freispruch

Der Tatort sei dazu erst sechs Stunden nach der Attacke auf Niklas gesichert worden. In der Zeit seien vermutlich etliche Spuren vernichtet worden. Den Angeklagten hält die Nebenklage für den Täter, da er von zwei Zeugen einwandfrei identifiziert worden sei. Den zwei Freunden von Niklas, die direkt am Tatort in unmittelbarer Nähe waren. 

Freispruch im Fall Niklas - Kommentar

02:46 Min.

Stand: 04.05.2017, 10:58