Malteser erinnern an ihren Vietnam-Hilfseinsatz

Die Malteser auf dem Weg zu einem Einsatz in Vietnam

Malteser erinnern an ihren Vietnam-Hilfseinsatz

Von Nina Giaramita

1966 herrschte Krieg in Vietnam. Das Auswärtige Amt fragte bei den Maltesern an, ob sich der Hilfsdienst an einem humanitären Auslandseinsatz beteiligen würde – es wurden dann zehn Jahre. Am Samstag (15.10.2016) trafen sich die ehemaligen Helfer in Engelskirchen. Der damalige Einsatzleiter erinnert sich.

WDR.de: Herr von Eltz-Rübenach, Sie waren damals Einsatzleiter. Wie ungewöhnlich war ein solcher Einsatz zur damaligen Zeit?

Eltz-Rübenach: Es war der erste große Auslandseinsatz der Malteser Hilfsdienste in einem Brennpunkt des weltpolitischen Geschehens. Dieser Krieg wurde ja sehr zwiespältig diskutiert, auch hier – mit großen Sit-Ins und Protesten. Aber wir Malteser hatten uns auf die Fahnen geschrieben, den Kranken und Armen zu helfen. Insofern ergab sich dort für uns eine große Aufgabe.

Mit welchen Gefühlen sind Sie dann dort hinunter geflogen?

Robin Freiherr von und zu Eltz-Rübenach

Robin von und zu Eltz-Rübenach, damaliger Einsatzleiter

Eltz-Rübenach: Ich selbst war gerade erst in den Malteser-Orden eingetreten und ich dachte mir: Das ist die Gelegenheit, um praktisch tätig sein zu können. Ich hatte gerade meine Bundeswehrzeit hinter mir und war kurz vor dem Ende des Studiums. Ich sah es als große Chance für mich an, sich einzusetzen. Daher bin ich voller Mut und Einsatzfreude dorthin gegangen. Ich wollte sehen, wie weit man bereit ist, sich selbst an Grenzen heranzuführen –- im Einsatz für den nächsten.

Was haben Sie dort vorgefunden? Wie war die Situation vor Ort?

Eltz-Rübenach: Es war je nach Ort unterschiedlich. Wir hatten drei Einsatzorte, einer war in der Hafenstadt Da Nang. Dort war unser Logistikzentrum. Dann waren wir an einem Provinzkrankenhaus in Hoi An tätig. Und es gab noch einen dritten Ort – der lag in den Bergen, abgeschnitten von allen Versorgungswegen. Dorthin konnten wir nur durch die Luft. Wir konnten insgesamt aber unsere Arbeit dort völlig ungehindert verrichten – natürlich immer mit dem Blick darauf, dass wir mitten in einem Land waren, das vom Krieg geprägt war.

Was haben Sie von den kriegerischen Auseinandersetzungen im Land mitbekommen?

Eltz-Rübenach: Wir waren mitten in einem Gebiet, das von dem Guerrilla-Krieg sehr durchsetzt war. Dadurch waren wir manchmal direkt betroffen. An allen Stellen flammten immer wieder Kämpfe auf, vor allem in der Nacht. In Hoi An zum Beispiel war das Krankenhaus von militärischen Einrichtungen umgeben. Da gab es Angriffe durch Mörser und Granaten, auch Überfälle. Manchmal waren wir durch Beschuss in den eigenen Gebäuden betroffen. Und unterwegs auf den Straßen gab es die Gefahr von Minen.

Und wie geht man damit um?

Malteser bilden die örtliche Bevölkerung aus

Die Bevölkerung vor Ort wurde von den Maltesern ausgebildet

Eltz-Rübenach: Wenn man sich entschlossen hat, dort zu arbeiten, gewöhnt man sich mehr und mehr an diese Umstände. Aber man muss sagen, dass es durchaus Mitarbeiter gab, die man vorzeitig wieder nach Hause schicken musste, weil sie es psychisch einfach nicht aushielten. Ansonsten war es für mich unglaublich beeindruckend, wie junge Menschen ohne Kriegserfahrung sich dort mit vollem Engagement eingesetzt haben – mitten in dieser brenzligen Situation, in der es einem ja teilweise direkt an die eigene Haut ging.

Sie haben sehr eng mit der Bevölkerung zusammengearbeitet. Man wusste zum Teil nicht, wer Ihnen freundlich gesonnen war und wer nicht. Wie sind Sie damit umgegangen?

Eltz-Rübenach: Wir haben ganz bewusst Menschen aus der vietnamesischen Bevölkerung eingestellt. Das war eine sehr schöne Gelegenheit, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Und wir haben ihnen durch unsere Arbeit mitgeteilt, dass wir vollkommen neutral handeln und dass wir alle versorgen – Freund und Feind.

Und das wurde akzeptiert?

Eltz-Rübenach: Das wurde akzeptiert, offensichtlich. Denn es gab immer wieder Gelegenheiten, bei denen wir das Ziel eines Angriffs hätten werden können.

Es gab einen Entführungsfall, bei dem mehrere Malteser-Mitarbeiter betroffen waren. Zwei überlebten, drei kamen dabei zu Tode.

Malteser in Vietnam im Krankenhaus im Einsatz

Das Krankenhaus - ein sicherer Ort für alle

Eltz-Rübenach: Ja, das war leider mit Leichtsinn verbunden. Es war strikt untersagt, sich außerhalb des Krankenhausbereichs und der Unterkunft zu bewegen – vor allem nachts. Wir waren da im Grunde eingesperrt und ich kann verstehen, dass man in einem wunderschönen Land die Lust verspürt, Erkundungsausflüge zu machen. Aber uns allen musste bewusst sein, dass Krieg herrschte. Diese Gruppe hat dann gegen meine strikte Anweisung gehandelt und am Wochenende einen Ausflug in die Berge gemacht. Das Gebiet war totales Sperrgebiet. Es war relativ klar, dass Vietcong dort ihr Quartier hatten. Dort wurden sie gefangen genommen.

Sie waren mehrere Jahre in Vietnam im Einsatz. Was bleibt neben diesen Erfahrungen an Erinnerungen?

Eltz-Rübenach: Ich habe wunderbare Erinnerungen mitgenommen – zum einen von der fantastischen Landschaft, zum anderen von den einzelnen Menschen. Ich habe die Möglichkeit gehabt, die vietnamesische Seele zu erfahren. Mit meiner Familie bin ich vor zehn Jahren auch nochmal dorthin gefahren. Dort habe ich viele Leute getroffen, die noch immer sehr dankbar sind. Es war wirklich rührend, das zu erleben.

Und jetzt gibt es nach 50 Jahren ein Treffen hier in Deutschland.

Eltz-Rübenach: Ja, wenn man an einem Ort durch einen solchen Einsatz so zusammengeschweißt wird, dann freut man sich, die alten Mitstreiter wiederzutreffen.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.

Stand: 15.10.2016, 11:37