Bröltal: Teure Lachstreppen für fragwürdigen Klimaschutz

Ein Bach

Bröltal: Teure Lachstreppen für fragwürdigen Klimaschutz

Von Sebastian Tittelbach

Das Land NRW verpflichtet die Betreiber kleiner Wasserkraftanlagen zu teuren Umbauten. So soll der Lachs im Land wieder heimisch werden. Landesumweltminister Remmel spricht von „Klimaschutz made in NRW". Kritiker bezweifeln den Nutzen.

Wasserkraft und Naturschutz als Einheit gesehen

Vier Personen stehen nebeneinander. Eine von ihnen schneidet mit einer kleinen Schere ein Band durch.

Landesumweltminiser Remmel (r.) weiht die Wasserkraftanlage ein.

Die Idylle fällt sofort ins Auge: Zwischen hohen Bäumen, in einem sanften Bogen schlängelt sich die Bröl um die Bruchsteinbauten, das Wasser rauscht und in der Nase liegt feuchter Waldduft. Hier wartet man auf den Lachs, gekommen ist ein Minister. Joachim Remmel weiht die erweiterte Wasserkraftanlage der Burg Herrnstein ein. 80 Haushalte kann sie mit Strom versorgen, gewonnen aus der Kraft der Bröl. Es sei ein gelungener Weg, wie sich die Wasserkraftnutzung in NRW mit den Belangen des Naturschutzes vereinbaren lassen, so der Minister.

1.000 Euro für einen Lachs

Der Aufwand dafür ist beträchtlich. Burgherr und Betreiber des Wasserkraftwerks Maximilian Graf Nesselrode hat mehr als 700.000 Euro in die Anlage investiert, 200.000 Euro hat das Land gefördert. Das Geld floss unter anderem in eine 60 Meter lange Fischtreppe. 13 Becken unterteilt mit Bergischer Grauwacke, Bauzeit zweieinhalb Monate, Kosten rund 250.000 Euro. Böse Zungen rechnen vor: Das macht rund 1.000 Euro pro Lachs.

Lachs bleibt ein seltener Gast

Tatsächlich ist der Lachs trotz Wiederansiedlungsprogramm noch immer ein seltener Gast in den nordrhein-westfälischen Gewässern. Im Siegsystem, zu dem die Bröl gehört, haben Biologen im vergangenen Jahr 258 Lachse gezählt, die Fischtreppe in Ruppichteroth würden schätzungsweise einige Dutzend Tiere erreichen.

Fischereiverein boykottiert Remmels Einweihungstermin

Viele Menschen die einem Mann zuhören. Der Mann steht mit dem Rücken zum Betrachter.

Obwohl der Rheinische Fischerverband dem Einweihungstermin fern blieb, war die Veranstaltung gut besucht.

Der Rheinische Fischereiverband ist dem Einweihungstermin demonstrativ ferngeblieben. Die Anlage an der Burg Herrnstein sei zwar zufriedenstellend, "trotzdem wehren wir uns dagegen, dies als Anlass zu nehmen, die kleine Wasserkraft in NRW weiter auszubauen", sagt Armin Nemitz, Biologe des Rheinischen Fischereiverbandes. Der Schaden für das Ökosystem sei viel höher als der Nutzen durch die Stromproduktion. Unverständlich sei deswegen die Förderpolitik. Mit den Zuschüssen für den Bau von Wasserkraftanlagen zerstöre man die Bemühungen des ebenfalls geförderten Wiederansiedlungsprogramms für Wanderfische.

Vor dem Laichplatz kommt der niederländische Angler 

Auch Remmel räumt ein, dass das eigentliche Problem sich nicht an der Bröl, der Sieg oder im nordrhein-westfälischen Abschnitt des Rheins abspielt. Der Lachs werde auf seiner Reise vom Meer bis zu seinen Laichplätzen schon in den Niederlanden abgefischt.

So erklärt sich auch die Beobachtung von Graf Nesselrode. Bisher hat er seit dem Umbau erst einen Lachs vor Ort gesehen. Und der sei direkt über das Wehr gesprungen und habe die Lachstreppe links liegen gelassen.

Stand: 05.09.2016, 16:44