Haftstrafe für IS-Kämpfer aus Dinslaken

Haftstrafe für IS-Kämpfer aus Dinslaken

Von Martin Höke

In Düsseldorf ist der Islamist Nils D. zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er stammt aus Dinslaken und war Mitglied der Terrorgruppe IS. Das Oberlandesgericht befand ihn für schuldig, Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein.

Die Höchststrafe von zehn Jahren musste Nils D. nicht fürchten. Denn der 25-Jährige hat im Prozess ein Geständnis abgelegt. Das rechneten ihm die Richter genauso an wie die umfassenden Aussagen zu Strukturen der deutschen Islamisten. So hatte Nils D. zwölf weitere Mitkämpfer benannt, darunter auch einige, die den Sicherheitsbehörden bis dahin völlig unbekannt waren. Gegen fünf von ihnen wurden bereits Haftbefehle beantragt, sagt Bundesanwältin Carola Bitter.

Knapp fünf Jahre gefordert

Nils D. steht im Prozess um die Lohberger Brigade vor Gericht

Nils D. steht in Düsseldorf vor Gericht

Der Konvertit ist der erste deutsche IS-Kämpfer aus Nordrhein-Westfalen, der nach seiner Heimkehr ausgepackt hat. Zudem hat der 25-Jährige in Celle als Kronzeuge gegen einen Islamisten und zuletzt Mitte Dezember gegen zwei angeklagte Mitkämpfer aus Mönchengladbach und Herford ausgesagt. Deshalb hat Bundesanwältin Carola Bitter für den Angeklagten eine reduzierte Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten gefordert. Denn, das Geständnis ändere nichts an den begangenen Straftaten.

Bei Sturmtrupp der Terrormiliz IS

So war Nils D. im Oktober 2013 über die Türkei nach Syrien gereist und zu der Terrormiliz gestoßen. Dort gehörte er nach eigener Aussage bis November 2014 acht Monate lang einer Spezialeinheit des IS an, die Abtrünnige und Deserteure aufspüren sollte. Der 25-Jährige bestreitet aber, dort auch an Folterungen und Hinrichtungen von Gefangenen beteiligt gewesen zu sein.

Nils D., der mit 15 Jahren schon Vater wurde, ist nahezu klassisch radikalisiert worden. Als Kleinkrimineller ist er wegen Einbruchs und Diebstahl mehrfach vorbestraft. Nach eigener Aussage hatte er Drogenprobleme und nach einer abgebrochenen Ausbildung keine Perspektive mehr. Über seinen Cousin sei er zu der Gruppe junger Salafisten aus Dinslaken gestoßen, die sich als sogenannte Lohberger Brigade dem IS angeschlossen hatte.

Dem IS abgeschworen

Nils D. war im November 2014 nach Dinslaken zurückgekehrt und blieb auf freiem Fuß. Was er nicht wusste, der Staatsschutz hatte den Mann aus Dinslaken schon lange auf dem Schirm, überwachte ihn und hörte seine Telefongespräche mit. Auch im Auto. Nachdem er während eines Telefonats gegenüber einem Glaubensbruder mit seiner Rolle beim IS geprahlt hatte, wurde er vor einem Jahr in Dinslaken verhaftet. Im Prozess betonte Nils D., er habe dem islamischen Staat abgeschworen. Zweifel daran bleiben bei Bundesanwältin Carola Bitter: "Man kann einem Angeklagten nicht in den Kopf gucken."

Stand: 04.03.2016, 19:10