Terrorprozess: Angeklagter tötete im Syrienkrieg

Oberlandesgericht Düsseldorf

Terrorprozess: Angeklagter tötete im Syrienkrieg

  • Drei Männer hatten Anschlag in Düsseldorfer Altstadt geplant
  • Sie waren als syrische Flüchtlinge getarnt nach Deutschland gekommen
  • Hauptangeklagter tötete zuvor im syrischen Bürgerkrieg

Saleh A. tötete im syrischen Bürgerkrieg

Der Hauptangeklagte Saleh A. hat heute vor Gericht die Tötung eines Scharfschützen der Regierungstruppen im syrischen Bürgerkrieg gestanden. Er schilderte dies aber als Notwehrsituation.

"Wenn ich nicht geschossen hätte, hätte er mich erschossen". Der Scharfschütze habe zuvor seinen Bruder und seinen Cousin getötet. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor.

Hauptangeklagter ist auch Kronzeuge

Bereits gestern hatte Saleh A. ausgesagt. Er schilderte zunächst, wie er zum IS gekommen war. Sein Vater sei Syrer und Arzt, seine Mutter Palästinenserin und Apothekerin. Er selbst habe in Gaza-Stadt Abitur gemacht und zwei Jahre Informatik studiert, sagte der 30-jährige Hauptangeklagte. Dann sei er mit seinen Eltern und vier Geschwistern nach Syrien gegangen. Wegen einer Stammesfehde habe er dort zwei Jahre in Untersuchungshaft gesessen.

Von der Freien Syrischen Armee zur Terrormiliz IS

Nach seiner Freilassung hätten die Demonstrationen und Unruhen in Syrien begonnen. Als die Armee die friedlichen Demonstranten mit Gewalt bekämpfte, habe er sich der Freien Syrischen Armee (FSA) angeschlossen. Der regionale Anführer der FSA habe seinen Verband dann zur Al-Nusra-Front überführt. Laut Anklage war die Einheit später zum IS gewechselt.

Geplant war ein Massaker in der Altstadt

Die drei angeklagten Männer sollen geplant haben, dass zunächst zwei Selbstmord-Attentäter in der Düsseldorfer Altstadt Sprengstoffwesten zünden. Anschließend sollten weitere Attentäter an den Ausgängen der Altstadt möglichst viele Passanten, die zu fliehen versuchen, mit Maschinengewehren erschießen.

Kronzeuge glaubwürdig?

Saleh A. ist Kronzeuge der Ermittler. Die Anwälte seiner beiden Komplizen halten ihn für unglaubwürdig. Der Bundesanwalt Tobias Engelstätter sieht das anders: "An den Ermittlungen waren mehrere Polizeibehörden, unter anderem aus Frankreich, beteiligt. Es konnten viele Indizien aus seinen Schilderungen aufgefunden werden, sodass wir davon ausgehen, dass eine so detailreiche Schilderung nicht erfunden sein kann".

Einer der Männer stellte sich der Polizei

Zwei der mutmaßlichen Mitglieder des IS sollen getarnt als syrische Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sein. Den dritten sollen sie dann in Düsseldorf rekrutiert haben. Die Schläfer-Zelle war aufgeflogen, weil sich der Hauptangeklagte im Februar 2016 der französischen Polizei in Paris gestellt und ausgepackt hat. Die beiden Komplizen wurden dann in einer Asylunterkunft in Brandenburg und in der Mülheimer Innenstadt festgenommen.

Den Auftrag für den Anschlag will der Hauptangeklagte im April 2014 direkt von der IS-Führung erhalten haben.

Der Prozess findet im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf statt.

Stand: 06.07.2017, 13:40