Prozessbeginn: Jugendlicher unter Terrorverdacht

Kölner Landgericht

Prozessbeginn: Jugendlicher unter Terrorverdacht

  • 16-Jähriger soll Terroranschlag geplant haben
  • Prozessbeginn am Montag (20.02.2017) in Köln
  • Unklar, wie weit Pläne gediehen waren

Wegen Terrorverdachts muss sich seit Montag ein 16 Jahre alter syrischer Flüchtling vor dem Landgericht Köln verantworten. Er war im vergangenen September in einer Kölner Flüchtlingsunterkunft von einer Spezialeinheit der Polizei festgenommen worden. Zum Schutz des Jugendlichen läuft der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dem Angeklagten drohen nach Jugendstrafrecht bis zu fünf Jahre Haft. Vier Verhandlungstage will sich das Kölner Landgericht mit dem Fall beschäftigen.

Festnahme im Flüchtlingsheim

Der 16-Jährige lebte mit seinen Eltern bis zu seiner Festnahme in einem Flüchtlingsheim. Die Ermittler hatten bei der Festnahme zahlreiche Beweismittel für einen geplanten Bombenanschlag gefunden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll der Junge von einem ausländischen Chatpartner mit IS-Bezügen konkrete Anweisungen zum Bau einer Bombe erhalten haben.

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Zum Beispiel fand die Polizei bei ihm einen Batterieträger mit heraushängenden Drähten, ein Paket mit 70 Nähnadeln und Butangas-Kartuschen. Damit verfügte er laut Anklage über Materialien, aus denen er jederzeit Sprengsätze hätte bauen können.

Keine Bombenutensilien?

Dies sieht die Verteidigung allerdings anders. Anwalt Michael Sertsöz sagte am Montag, der erste Verhandlungstag habe ergeben, dass die Dinge dem 16-Jährigen wohl gar nicht gehörten. So habe seine Mutter die Gaskartuschen zum Kochen benötigt. Zu den Zeugen, die am ersten Verhandlungstag vernommen wurden, gehörte der Vater des Angeklagten.

Der 16-Jährige kam nach seiner Festnahme in die JVA Wuppertal-Ronsdorf. Laut Polizei soll er immer wieder gesagt haben, dass alles nur Spaß gewesen sei. Mittlerweile ist er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Nach Angaben seines Anwalts legen mittlerweile aber mehrere Stellungnahmen nahe, dass er nicht psychisch krank ist.

Stand: 20.02.2017, 19:40