Welche Folgen hat ein Super-GAU in Tihange für die Aachener Region?

Das Atomkraftwerk Tihange. Dampf steigt aus dem Schornstein auf

Welche Folgen hat ein Super-GAU in Tihange für die Aachener Region?

Von Helga Hermanns

  • Szenario eines schweren Reaktorunfalls im belgischen Tihange
  • Folgen für die Region Aachen wären verheerend
  • Evakuierung wegen hoher Strahlenbelastung unvermeidbar

Am Donnerstag (27.10.2016) präsentierten Experten des Instituts für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Universität für Bodenkultur Wien die Studie, die sie im Auftrag der Städteregion Aachen erstellt haben. Darin beschäftigten sie sich nicht nur mit den Materialschäden im Reaktordruckbehälter Tihange 2. Sie untersuchten auch unterschiedliche Wetterbedingungen, die über das Jahr typisch sind für die Region Aachen.

Dabei kommen die Wiener Wissenschaftler zu einem anderen Ergebnis als die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC. Diese ist trotz internationaler Kritik der Ansicht, dass die mehr als 3.000 Risse im Beton des Druckbehälters nicht erst während des Betriebs des Atommeilers entstanden sind, sondern bereits beim Bau der Anlage 1976. Die Wiener Experten dagegen halten es für wahrscheinlich, dass die Risse durch Materialermüdung hervorgerufen werden.

Was wäre wenn: Studie zu Akw-GAU in Tihange

WDR 2 | 27.10.2016 | 02:42 Min.

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Strahlendosis wie in Tschernobyl

Atomkraftwerk (Tschernobyl)

Reaktorunfall in Tschernobyl

Die FANC hält einen atomaren Unfall im Reaktor Tihange 2 bis zum Ende der Laufzeit 2023 für unwahrscheinlich. Dagegen sagen die Autoren der aktuellen Studie für die Städteregion Aachen, dass dies durchaus passieren kann, wenn die Risse sich ausweiten.

Im zweiten Teil der Studie haben die Experten die geografische Ausbreitung der radioaktiven Wolke berechnet. Eine Kontamination von Aachen sei demnach sehr wahrscheinlich. Und: Die Strahlendosis würde bei einer ungünstigen Wetterlage vermutlich sogar den Grenzwert erreichen, der 1986 beim Reaktorunfall in Tschernobyl zur Evakuierung der Region dort führte.

Vergleichbar mit Fukushima

Eine Luftaufnahme des Atomkraftwerks Fukushima kurz nach der Explosion

Luftbild vom GAU in Fukushima

Die Experten verglichen eine Rektorkatastrophe in Tihange nicht nur mit dem Unfall in Tschernobyl, sondern auch mit dem GAU in Fukushima 2011. Demnach wäre dann die Kontamination rund um das belgische Tihange höher als in Fukushima. Davon direkt betroffen wäre auch die Aachener Region.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen die Befürchtungen der Städeregion und rund 100 weiterer Kommunen in Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden, die gemeinsam beim belgischen Staatsrat gegen den Weiterbetrieb von Tihange 2 geklagt haben. Sie halten den maroden Atomreaktor für höchst gefährlich. Die Studie der Wiener Wissenschaftler ist Donnerstag (27.10.2016) in Aachen öffentlich vorgestellt worden.

Stand: 27.10.2016, 16:15