250 Kilo Sprengstoff machen das Bonn-Center nieder

Ein kahles, leerstehendes Hochhaus.

250 Kilo Sprengstoff machen das Bonn-Center nieder

Von Jochen Hilgers

  • Ausmaße des neuen Hochhauses noch unklar
  • Sprengung des Bonn-Center in Etappen
  • Umfangreiche Sperrmaßnahmen im 200-Meter-Radius

Es ist die aufsehenerregenste Sprengung in der Region seit vor 16 Jahren der "Kaiserbau" in Troisdorf in Schutt und Asche gelegt wurde. Am Sonntag (19.03.2017) um Punkt 11.00 Uhr soll das Bonn-Center an der Reuterbrücke gesprengt werden, um Neubauten Platz zu machen. Die Sprengung wurde monatelang vorbereitet und wird zum Publikumsmagneten.

Bonn-Center längst entkernt

Das Bonn Center einen Tag vor seiner Eröffnung 1969

Das Bonn-Center einen Tag vor seiner Eröffnung 1969.

Seit Jahren schon dreht sich der berühmte Mercedes-Stern nicht mehr auf dem Bonn-Center. Das Hochhaus war auch ein Zeichen der westlichen Freiheit und sollte Gegenstück zum Berliner Europa-Center sein, das von der Mauer zur DDR quasi umzingelt war. Seit Wochen ist das frühere Wahrzeichen nur noch ein skelettierter, völlig entkernter trauriger Bau.

Von der Reuterbrücke, über die täglich 70.000 Fahrzeuge rauschen, konnte man die Bauarbeiten der vergangenen Wochen hautnah im täglichen Stau begutachten. Ab Sonntagmittag ist das Gebäude dann nur noch Geschichte.

Sperrzonen werden ab Sonntag 8.00 Uhr eingerichtet

Ausgewiesene Plätze für Schaulustige gibt es nach Angaben der Stadt Bonn nicht. Außerhalb der 200-Meter-Sperrzone sei es aber ohne weiteres möglich, das Spektakel zu verfolgen, hieß es. Das rund 60 Meter hohe Gebäude wird in mehreren Intervallen gesprengt. Zunächst sind Erdgeschoss und erstes Stockwerk an der Reihe, dann das Treppenhaus. So soll der Bau vertikal in sich zusammenbrechen.

Zur Vorbereitung wurden für den Sprengstoff 1.500 Löcher gebohrt. Neun Häuser und eine Kleingartenanlage im Radius von weniger als hundert Metern müssen am Sonntag ab 8.00 Uhr verlassen werden. In einem Radius bis 200 Meter müssen die Bewohner im Haus bleiben und dürfen auch nicht in ihre Gärten oder auf Balkone. Das betrifft 79 Gebäude. Parken ist in den Sperrzonen verboten, einige Straßen wie die Reuterstraße werden komplett gesperrt.

Wechselvolle Geschichte

Das Pantheon in Bonn

Das legendäre Pantheon-Theater fand hier auch seinen Platz.

Anwohner und frühere Mieter erinnern sich gerne an die bewegte Geschichte des Bonn-Center. Früher war es eine kleine Stadt für sich - mit Supermarkt, einem Friseur und vielen Geschäften unweit des Regierungsviertels. Zahlreiche Korrespondenten aus dem In- und Ausland hatten dort zu Hauptstadtzeiten Büros angemietet, da das Pressehaus im Regierungsviertel nur begrenzt Platz bot. Das legendäre Pantheon-Theater fand dort ebenso Platz wie eine Bowling-Bahn.

Als der Kölner Konzern Art-Invest das Gebäude 2014 erstand, war ziemlich schnell klar, dass eine Sanierung aus wirtschaftlicher Sicht nicht in Frage kam. Nun sollen Neubauten entstehen mit einem Hochhaus als zentralem Gebäude. Die genaue Höhe des Gebäudes ist noch unklar, dürfte die bisherigen 60 Meter aber übersteigen. Der legendäre Mercedesstern wird sich auf dem aber sicher nicht drehen.

Überall sind Sprengpartys angesetzt

Dieses ungewöhnliche Ereignis wollen sich die Bonner natürlich nicht entgehen lassen. Dort wo erlaubt, sind auf Balkons Partys angesetzt, Ärzte – ehemalige Mieter des ehemaligen Wahrzeichens - treffen sich auf einer Party, und der Investor des neuen "Veedels" hat alle Nachbarn des Bonn-Center, die ihre Wohnungen wegen der Sprengung verlassen müssen, zu einer Frühstücksparty eingeladen. Die findet auf dem Dach eines Parkhauses statt. Von diesem hat man einen guten Blick auf das Bonn-Center – wenn es fällt.

Stand: 14.03.2017, 11:16