250 Kilo Sprengstoff kippen Bonn-Center

Ein Bagger vor dem Bonn Center.

250 Kilo Sprengstoff kippen Bonn-Center

Von Sebastian Tittelbach

  • Zwei Sperrzonen rund um Bonn-Center
  • Reuterstraße und B9 werden gesperrt
  • Zuschauer sollen mit Bus und Bahn oder zu Fuß kommen

14 Jahre nach der Sprengung der ehemaligen CDU-Parteizentrale verschwindet ein weiteres markantes Gebäude der Bonner Republik. Am 19. März soll das Bonn-Center fallen. Anwohner, Autofahrer und Fahrgäste von Bus und Bahn müssen sich auf Einschränkungen einstellen.

Regenwetter wäre schön für die Sprengung

Der Sprengmeister des Bonn Centers

Sprengmeister Eduard Reisch ist bereit für die Sprengung

Der Sprengmeister Eduard Reisch wünscht sich für diesen besonderen Tag Regenwetter - aus zwei Gründen: "Erstens kommen dann weniger Zuschauer und zweitens werden wir auch nicht so viele Probleme mit dem Staub haben." Seit mehreren Wochen bereiten der Sprengmeister und seine Mitarbeiter das Bonn-Center auf den großen Fall vor: Das Gebäude ist von einem Abbruchunternehmen komplett entkernt worden und gilt seit Montagmittag (06.03.2017) als schadstofffrei; gleichzeitig wurden die Löcher für die Sprengladungen gebohrt. Ein tiefes Fallbett ist ausgehoben und ein Erdwall soll benachbarte Gebäude schützen. 

Feuerwehr errichtet Wasserwand

Am Sonntag, dem 19. März werden rund um das Bonn-Center zwei Zonen eingerichtet. Im Umkreis von hundert Metern darf sich ab acht Uhr niemand mehr aufhalten, im Umkreis von zweihundert Metern müssen die Anwohner in ihren Häusern bleiben - allerdings nur in Räumen, die von der Sprengstelle abgewandt sind. Die Freiwillige Feuerwehr wird während der Sprengung eine Wasserwand erzeugen, die die Staubwolke zumindest zum Teil aufhalten soll.

Mitarbeiter des Ordnungsamts und des THW werden die Absperrung organisieren, die Polizei wird von einem Hubschrauber aus überwachen, dass sich niemand unerlaubt der Sprengstelle nähert. Autofahrer müssen sich auf weiträumige Absperrungen einstellen, auch die Buslinien  610 und 611 werden ab 7:15 Uhr andere Routen fahren. Wegen der Sprengung werden auch die Stadtbahnlinien für voraussichtlich 20 Minuten still stehen, zeitgleich ist der Bahnverkehr unterbrochen. Für Zuschauer gibt es kaum freie Plätze, die meisten werden wohl jenseits der Reuterbrücke stehen.  

Investor lässt Fenster in der Nachbarschaft putzen

Beate Martiny hätte von ihrem Balkon aus einen Logenplatz für das Großereignis. Seit 23 Jahren lebt sie mit ihrer Familie direkt am Bonn-Center. Sorgen hat sie wegen der Sprengung vor ihrer Haustür nicht, vielmehr freut sie sich, dass anstelle des Bonn-Centers etwas Neues entsteht: "Das Hochhaus stand ja die letzten Jahren fast schon leer, schön wäre es, wenn in das neue Gebäude auch ein Supermarkt einziehen würde." Bis jetzt weiß sie nur, dass ihre Familie das Haus für mehrere Stunden verlassen muss, der Investor hat ihr versprochen, nachher ihre Fenster putzen zu lassen.

Der Kölner Investor ArtInvest hat sich nach eigenen Angaben zu der Sprengung entschlossen, um die Abrissarbeiten von vier auf etwa zwei Monate zu verkürzen. Rund 45.000 Tonnen Schutt müssen danach entsorgt werden, bevor der Neubau eines Bürokomplexes starten kann. 

Ersatztermin eine Woche später

Schäden befürchtet Sprengmeister Eduard Reisch an den benachbarten Gebäuden nicht, dazu seien die berechneten Erschütterungen zu gering. Aufhalten könne die Sprengung nur ein heftiges Schneetreiben oder dichter Nebel. Dann hätte das Bonn-Center eine Gnadenfrist von einer Woche.

Stand: 06.03.2017, 16:45