Gefährdet im Verkehr: handyguckende Fußgänger

Gefährdet im Verkehr: handyguckende Fußgänger

Von Gina Niemeier

Fußgänger, die auf Smartphones starren: Bei einer Verkehrszählung in Wuppertal kam der Auto Club Europa (ACE) am Donnerstag (10.08.2017) zu erschreckenden Ergebnissen.

Wie ferngesteuert läuft die junge Frau auf die Ampel an der Bushaltestelle Morianstraße in Wuppertal-Elberfeld zu. Ihr Blick ist fest auf das Smartphone in ihrer Hand gerichtet. In ihren Ohren stecken weiße Kopfhörer. Ein kurzer Blick auf die Ampel und dann rüber über die stark befahrene Straße. Dem Verkehr gönnt sie keine Aufmerksamkeit mehr. Aus der Gegenrichtung eilt ihr ein junger Mann im blauen Anzug entgegen – laut und hastig spricht er in sein Handy, in der anderen Hand balanciert er einen Kaffeebecher.

Handy und Kopfhörer können lebensgefährlich sein

"Wenn jetzt ein Einsatzwagen von Polizei oder Feuerwehr angerast käme, könnten die beiden von Glück sagen, wenn sie schnell genug ausweichen könnten", seufzt Tolga Kaya vom Auto Club Europa e.V. (ACE). "Die beiden Fußgänger sind komplett abgelenkt, bekommen kaum etwas mit von ihrer Umgebung, Blickfeld und Gehör sind stark eingeschränkt. Das kann lebensgefährlich werden."

Was sind "Smombies"?

"Smombie" ist eine Mischung aus den Worten "Smartphone" und "Zombie". Und klar: Gemeint sind Menschen, die durch das ständige Nutzen ihres Handys so abgelenkt sind, dass sie wie Untote durch die Gegend laufen. 2015 wurde "Smombie" zum "Jugendwort des Jahres" in Deutschland gewählt.

Fast jeder fünfte Wuppertaler ist abgelenkt

Um auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, stehen er und seine anderen ehrenamtlichen Kollegen vom ACE derzeit in 300 Städten in ganz Deutschland und erfassen diejenigen Fußgänger, die von ihrem Handy oder Mp3 Player beim Überqueren einer Straße abgelenkt sind. Allein in Wuppertal erwischen die Autoclubmitglieder heute 82 Personen innerhalb einer Stunde. Das Fazit: Rund jeder fünfte Passant (19,1 Prozent) ist im Straßenverkehr stark abgelenkt.

Ähnliche Ergebnisse in ganz NRW

Ein Mann in einem roten Shirt zählt die Spartphon gucker im Straßenverkehr

Tolga Kaya zählt handynutzende Fußgänger

Ein Bild, dass sich laut Tolga Kaya in anderen Städten bestätigt: "Wir haben bereits in Essen, Aachen, Köln, Düsseldorf gezählt – immer mit einem Ergebnis zwischen 10 und 20 Prozent. Dabei konnten wir auch einige Beinahe-Unfälle beobachten, zum Beispiel, wenn vom Handy abgelenkte Fußgänger Radfahrer übersehen haben. Ein großes Risiko sind auch Ampeln, die beim Aufblicken vom Handy noch grün waren, dann aber vom Fußgänger unbemerkt rot werden. Durch die Kopfhörer werden herannahende Fahrzeuge und deren Hupen oft nicht gehört."

Ausreden gibt es viele

Auf ihr riskantes Verhalten angesprochen, geben sich heute viele Wuppertaler zerknirscht. Die meisten geben zu, dass es leichtsinnig sei, beim Überqueren einer Straße aufs Handy zu schauen. Tolga Kaya hat bei Verkehrszählungen in anderen Städten aber auch schon viele gleichgültige Reaktionen und Ausreden zu hören bekommen: „Viele Reaktionen sind: 'Die Ampel war doch grün', oder 'Ich bin doch losgelaufen als die anderen losgelaufen sind!' Wir hatten aber auch Ausreden zum Beispiel wie: Wenn ich nicht beim Laufen meine Emails checken würde, müsste ich ja den ganzen Tag länger im Büro bleiben. Allerlei lassen sich die Leute einfallen, aber hier geht es um die Sicherheit, um die Gesundheit der Menschen und wir würden uns freuen, wenn die Menschen beim Überqueren von Straßen etwas aufmerksamer wären."

Und deswegen werden die ehrenamtlichen Mitglieder des ACE auch weiter an Straßen in ganz Deutschland stehen und auf die Risiken hinweisen. Im vergangenen Jahr haben sie bereits Autofahrer gezählt, die während der Fahrt mit dem Handy hantierten. Ein nächstes Projekt könnten unaufmerksame Radfahrer sein.

Stand: 10.08.2017, 15:03