Missbrauchsskandal an Uniklinik Aachen weitet sich aus

Universitätsklinik Aachen

Missbrauchsskandal an Uniklinik Aachen weitet sich aus

  • Weiterer Patient beschuldigt Pfleger der Vergewaltigung
  • Vorwürfe am Donnerstag bekannt geworden
  • Pfleger arbeitet nicht mehr in Klinik

Der Missbrauchsskandal an der Uniklinik Aachen ist offenbar gravierender als zunächst angenommen. Laut einer Pressemitteilung der Uniklinik vom Freitag (17.02.2017) hat sich jetzt ein zweiter Patient gemeldet, der Opfer eines inzwischen entlassenen Pflegers geworden sein soll. Gegen ihn wird bereits wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt.

Ob es sich auch diesmal möglicherweise um eine Vergewaltigung gehandelt hat, kann die Staatsanwaltschaft Aachen noch nicht sagen. Die Klinikleitung teilt in ihrer Erklärung lediglich mit, dass der Mann angibt, vor etwa einem halben Jahr ebenfalls Opfer des Pflegers geworden zu sein. Die Klinik sei schwer erschüttert über diese neuen Vorwürfe und habe den Fall umgehend an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Opfer mit Narkosemittel wehrlos gemacht?

Der erste Fall war am Donnerstag (16.02.2017) bekannt geworden. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll sich der 28-jährige Patient selbst gemeldet und das Geschehen einem Oberarzt erzählt haben. Er war wegen eines epileptischen Anfalls in die Notaufnahme der Uniklinik eingeliefert worden. Nachts soll dann der Pfleger gekommen sein und ihn mit einem Narkosemittel wehrlos gemacht haben. So konnte er, wie er den Ermittlern erzählte, nicht sprechen und sich auch nicht bewegen.

Die Rechtsmedizin hat bestätigt, dass der Patient ein Narkosemittel bekommen hat, das medizinisch nicht erforderlich war. Die Staatsanwaltschaft hält die geschilderten Vorgänge für sehr glaubwürdig. Der beschuldigte Pfleger, ein 27-Jähriger aus Aachen, sei bisher strafrechtlich unauffällig gewesen und habe sich nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Pfleger arbeitet nicht mehr in Uniklinik

Nach Angaben der Uniklinik habe die Krankenhausleitung umgehend reagiert und den Fall den Ermittlungsbehörden gemeldet. Der Pfleger sei zunächst vom Dienst freigestellt worden, mittlerweile arbeite er nicht mehr für die Aachener Uniklinik. Ein Sprecher sagte, wenn man Zweifel an der Rechtschaffenheit von jemandem hat, könne man ihn nicht weiter beschäftigen.

Die Notaufnahme der Aachener Uniklinik war 2014 schon einmal in den Schlagzeilen. Damals ging es um Pfleger, die entwürdigende Bildaufnahmen und Selfies von wehrlosen Patienten gemacht haben.

Stand: 17.02.2017, 17:04