Gibt es wirklich mehr Übergriffe im Schwimmbad?

Gibt es wirklich mehr Übergriffe im Schwimmbad?

Frauen, die in Schwimmbädern von Zuwanderern belästigt werden – das hatte in NRW schon einmal eine große Debatte ausgelöst. Einige Medien berichten am Montag (04.07.2016) von deutlich mehr Fällen. Wir sind der Sache nachgegangen.

Unter einer massiven Schlagzeile berichtete die "Bild"-Zeitung am Montag (04.07.2016) von angeblichem "Sex-Mob-Alarm" in Schwimmbädern und bezog sich dabei auf ein internes Polizeipapier. Doch die Polizei relativiert. Von einem massiven Anstieg dortiger Sexualdelikte könne überhaupt nicht die Rede sein. Eher habe sich wohl das Anzeigeverhalten geändert.

Die Fakten: Bei der Düsseldorfer Polizei sind im Jahr 2014 sieben Fälle von sexueller Belästigung im Schwimmbad angezeigt worden. Im vergangenen Jahr seien es 17 Anzeigen gewesen, für laufende Jahr bis heute acht Anzeigen, so Polizeisprecher Markus Niesczery. "Hier kann man nicht von einem enormen Anstieg sprechen."

Anstieg bei Straftaten oder Anzeigeverhalten

Diese tatsächlich angezeigten Delikte seien dazu auch nicht alle gleich schwerwiegend. Neben körperlichen sexuellen Handlungen kämen eben auch bloßes Beobachten oder anzügliches Ansprechen zur Anzeige. "Es ist überhaupt nicht erwiesen, ob tatsächlich die Sexualstraftaten angestiegen sind, oder ob sich einfach nur das Anzeigeverhalten verändert hat. Die Leute sind ganz anders sensibilisiert als noch vor wenigen Jahren."

Die Deutsche Gesellschaft für Badewesen hat nach eigenen Angaben ebenfalls keine Hinweise auf einen Anstieg von sexuell motivierten Straftaten. Eine WDR-Recherche bei Schwimmbadbetreibern in NRW am Montag ergab keine Auffälligkeiten. Sexuelle Übergriffe hin und wieder habe es in deutschen Schwimmbädern immer schon gegeben, hatte Joachim Heuser von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen in Essen schon im April dem WDR gesagt. "Wenn der Täter deutscher Herkunft ist, wird darüber dann aber meist nicht berichtet."

NRW-Innenminister Ralf Jäger bestätigt, dass es das Phänomen in mehreren Städten gibt. "Das können wir nicht dulden. Frauen und Mädchen haben das Recht, hier in einem Freibad sich auch frei zu bewegen", sagt der SPD-Politiker. Die Betreiber von Bädern müssten sensibilisiert werden, dass es solche Übergriffe geben kann und diese dann konsequent angezeigt werden.

Silvesterübergriffe verändern Statistik

Die "Bild"-Zeitung hatte sich in ihrer Berichterstattung auf ein internes Polizeipapier gestützt, in dem von einem "enormen Anstieg" von Sexualstraftaten die Rede war. Düsseldorfs Polizeisprecher Niesczery entkräftet diese Angabe gegenüber dem WDR. "Die Übergriffe in der Silvesternacht haben die Statistik nach oben getrieben, denn das Papier bezog sich auf die Gesamtzahl von Sexualdelikten."

Das interne Arbeitspapier war laut Niesczery ein Handlungsleitfaden für Beamte, der die künftige Beweisaufnahme verbessern soll. Darin ging es auch darum, die tatsächlichen Aufenthaltsorte und Erreichbarkeiten von Tätern zu prüfen, aber zum Beispiel auch die exakte Benennung der gesprochenen Sprache. Von den 32 Fällen in den letzten zweieinhalb Jahren hatten laut Polizei Düsseldorf die Hälfte der Täter einen Migrationshintergrund. Spurensicherung, Fotos, Sprach- und Aufenthaltsüberprüfung – "das verlangt mittlerweile auch die Öffentlichkeit."

Im Januar 2016, nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof, hatte in Bornheim bei Bonn ein mehrtägiges Hausverbot für männliche Flüchtlinge im Schwimmbad für Aufsehen gesorgt. Frauen waren belästigt worden. Die Stadt hatte dann in den Unterkünften über korrektes Verhalten in öffentlichen Bädern informiert.

Stand: 04.07.2016, 18:33