Freispruch für Angeklagte im Kölner Schleuserprozess

Die Anwälte der mutmaßlichen Schleuser Frank Seebode und Achim Maur sprechen zum Prozessauftakt am 07.11.0216 mit dem Staatsanwalt Alexander Fuchs

Freispruch für Angeklagte im Kölner Schleuserprozess

  • Gericht spricht zwei Syrer frei
  • Angeklagten steht Entschädigung zu
  • Staatsanwaltschaft ließ Vorwürfe fallen

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe gegen die Angeklagten fallen gelassen. Die Aussage des Belastungszeugen sei widersprüchlich und nicht plausibel gewesen, hieß es am Dienstag (20.12.2016). Die beiden Syrer, zwei Brüder im Alter von 20 und 18 Jahren, waren beschuldigt worden, für das Ertrinken von mindestens acht Flüchtlingen auf dem Mittelmeer mitverantwortlich zu sein.

Sie selbst stritten jede Beteiligung ab - vielmehr hätten sie selbst bei der Überfahrt über das Mittelmeer in einem Schlauchboot Todesangst ausgestanden. Den beiden Brüdern steht nun für ihre Zeit in Untersuchungshaft eine Entschädigung zu.

Als Belastungszeuge war ein 42 Jahre alter Flüchtling aus der irakischen Stadt Mossul aufgetreten. Er hatte bei der Überfahrt über das Mittelmeer im November 2015 nach eigener Aussage seine Frau, seine Tochter und einen seiner beiden Söhne verloren. Er beschuldigte die beiden Brüder, zu der Schleuserbande gehört zu haben.

Belastungszeuge verwickelte sich in Widersprüche

Dabei habe er sich jedoch in eine "Vielzahl von Widersprüchen" verwickelt, sagte die Vorsitzende Richterin Ulrike Grave-Herkenrath in ihrer Urteilsbegründung. Zu den Beweggründen des Zeugen sagte sie: "Wir denken, das Ganze erklärt sich auf der Schiene seiner eigenen Schuldgefühle. Der Zeuge hat seine Familie verloren, und er braucht dringend jemanden, dem er einen Teil der von ihm empfundenen Schuld zuweisen kann." Er müsse die zwei anklagenden großen Augen seines kleinen Sohnes ertragen.

Verteidiger Frank Seebode machte die Politik für die Dramen auf dem Mittelmeer mitverantwortlich. Der Grund, warum sich so viele Menschen in völlig ungeeigneten Schlauchbooten auf das Meer hinauswagten, habe einen ganz konkreten Grund: Ihre Einreise nach Griechenland sei illegal. Deshalb könnten sie keine sichere Fähre nehmen. "Wenn man diese Taten verhindern will, muss man einen Fährbetrieb einrichten", sagte Seebode. "Das will man aber politisch nicht."

Stand: 20.12.2016, 18:01