Reaktor im AKW Tihange bis Donnerstag vom Netz

Reaktor im AKW Tihange bis Donnerstag vom Netz

Im umstrittenen belgischen Kernkraftwerk Tihange nahe der deutschen Grenze ist ein Reaktor für eine außerplanmäßige Wartung voraussichtlich noch bis zum Donnerstag (14.09.2017) vom Netz.

Der Kraftwerksblock 1 war am Dienstagabend abgeschaltet worden, teilte der Betreiber Electrabel mit. Ursprünglich sollte er bereits am Mittwoch wieder hochgefahren werden.

Problem im Inneren des Reaktorbehälters

Grund für das Herunterfahren seien Probleme an einem Pumpenmotor, so ein Sprecher des Konzerns am Dienstag. Man habe vorsorglich gehandelt.

Besonders brisant: Die Pumpe befindet sich im sogenannten Primärkreislauf - das ist im Inneren des Reaktordruckbehälters, also da, wo die Kernspaltung stattfindet.

Atomkraftwerk ist immer wieder in der Kritik

Erst am Samstag war der Reaktor 2 des wegen zahlreicher Pannen in die Kritik geratenen Kernkraftwerks wieder angefahren worden. Nach Angaben des Betreibers wurde er tags zuvor abgeschaltet, um Arbeiten an einem Dampfgenerator durchzuführen.

Belgische Wissenschaftler bezweifeln Stabilität der Reaktoren

Nach einer Studie, über die der öffentliche belgische Rundfunksender RTBF am Dienstag erneut berichtete, empfehlen Forscher der Universität Löwen das Abschalten der Kraftwerksblöcke Tihange 2 bei Lüttich sowie Doel 3 bei Antwerpen.

Die Vielzahl der Mikrorisse in den Reaktorbehältern gefährde deren Stabilität, so die Wissenschaftler. Es würden immer mehr Risse gemessen, die Hülle der Reaktorbehälter werde so zu schwach für einen Weiterbetrieb. Die belgische nationale Atombehörde (AFCN) wies die Sicherheitsbedenken laut des Rundfunksenders zurück. Es lägen Analysen anderer Experten vor, die zu einer gegenteiligen Einschätzung kämen, hieß es.

Stand: 13.09.2017, 14:46