Bundesgerichtshof verhandelt über Raser

Bundesgerichtshof verhandelt über Raser

  • Tödliches Autorennen von Köln vor dem Bundesgerichtshof.
  • Landgericht hatte zuvor Bewährungsstrafen verhängt.
  • Gesetzesverschärfung für Raser liegt noch beim Bundestag.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt seit Donnerstag (08.06.2017) über einen tödlichen Raser-Unfall in Köln. Bei dem illegalen Autorennen war 2015 eine 19-jährige Radfahrerin gestorben. Zwei Männer waren wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Bundesanwaltschaft fordert eine höhere Strafe. Das Landgericht Köln habe die Männer rechtsfehlerhaft auf Bewährung verurteilt, hieß dazu am Donnerstag (08.06.2017). Auch die beiden Unfallfahrer wehren sich gegen das Urteil aus erster Instanz.

Ein Kreuz steht am Straßenrand an der Unfallstelle eines tödlichen Unfalls bei einem illegalen Autorennen

Der Bundesgerichtshof will am 22. Juni urteilen. Die damals 21 und 22 Jahre alten Angeklagten hatten sich vor rund zwei Jahren in Köln ein illegales Rennen geliefert. Dabei fuhren sie mit 95 Stundenkilometern durch das Stadtgebiet, als einer der beiden von der Straße abkam. Sein Wagen erfasste eine 19-jährige Studentin, die wenig später ihren schweren Verletzungen erlag.

Bewährungsstrafen für die Täter

Der Fall landete zunächst vor dem Kölner Landgericht. Das damalige Urteil hatte 2016 für Diskussionen gesorgt. Das Gericht hatte die zwei jungen Männer wegen fahrlässiger Tötung zu Gefängnisstrafen von zwei beziehungsweise einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt und diese mit einer günstigen Sozialprognose für die Angeklagten begründet.

NRW forderte bereits Verschärfung des Strafrechts

Strafgesetzbuch

Gesetzesverschärfung gefordert

Im Jahr der ersten Verurteilung hatte sich auch die Politik zu Wort gemeldet. Der Bundesrat stimmte im September 2016 für einen Antrag aus NRW, der eine Verschärfung des Strafrechts vorsieht. Landesjustizminister Thomas Kutschaty (SPD) legte damals, unterstützt von den Ländern Hessen und Bremen, einen Gesetzentwurf vor, nach dem Autoraser künftig wesentlich härter bestraft werden sollen. Allein für die Teilnahme an einem illegalen Autorennen sollen Richter einen Rahmen von Geldstrafen bis zur einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren erhalten.

Der vom Bundesrat beschlossene Gesetzentwurf wurde zwar dem Bundestag zugeleitet, dort allerdings bislang noch nicht beraten. Der Gesetzesentwurf sei erst am 1. Juni 2017 an den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz überwiesen worden, so eine Sprecherin des Bundestags gegenüber dem WDR.

Härtere Strafen in Berlin

Die Straße in Berlin, auf der das Rennen stattgefunden hat

Tatort Berliner Kurfürstendamm

In einem ähnlichen Prozess in Berlin wurden zwei junge Raser im Februar 2017 erstmals wegen Mordes verurteilt. Auch sie hatten sich ein illegales Rennen in der Innenstadt geliefert und dabei mit 160 Stundenkilometern ein unbeteiligtes Fahrzeug gerammt. Der 69-jährige Fahrer war dabei ums Leben gekommen.

Die Anklage hatte im Prozess argumentiert, die Männer hätten bei ihrem Rennen zwar niemanden vorsätzlich töten wollen, aber mögliche tödliche Folgen billigend in Kauf genommen. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung hat Revision angekündigt. Als nächste Instanz wäre ebenfalls der Bundesgerichtshof zuständig.

Stand: 08.06.2017, 12:25