Lassa-Fieber: Todesfall an Kölner Uniklinik

Lassa-Fieber: Todesfall an Kölner Uniklinik

Ein 46-jähriger Patient der Uniklinik Köln ist an dem tropischen Lassa-Fieber gestorben. Das teilte das Gesundheitsamt der Stadt am Donnerstag (10.03.2016) mit. Nach Angaben des Krankenhauses war der Patient zunächst mit der Diagnose Malaria direkt aus Afrika nach Köln überwiesen worden.

Der aus Togo eingereiste Mann habe in Deutschland nur mit medizinischem Fachpersonal zu tun gehabt. Diese 45 betroffenen Personen würden medizinisch überwacht. Eine Infektion mit dem Erreger sei jedoch sehr unwahrscheinlich.

Uniklinik

Zu keinem Zeitpunkt seines Aufenthalts in Deutschland habe der Mann eine Gefährdung für die Bevölkerung dargestellt, hieß es. Bei dem 46-Jährigen habe es sich um einen amerikanischen Staatsbürger gehandelt, der als Krankenpfleger in Togo gearbeitet habe. Der Mann war am 25. Februar in Köln eingetroffen und befand sich den Angaben zufolge bereits in einem sehr kritischen Zustand. Am nächsten Tag starb er.

Weitere Untersuchungen hätten "die überraschende Diagnose einer Lassa-Virus-Infektion" bestätigt, sagte Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Uniklinik Köln. Überraschend deshalb, weil Togo bisher nicht als Infektionsgebiet gegolten habe. Lassa tritt in mehreren Ländern Westafrikas auf. In Deutschland kommt die Krankheit nur äußert selten vor. In der Regel haben sich die Patienten in Afrika angesteckt.

Bislang fünf Fälle in Deutschland registriert

Das Robert Koch-Institut (RKI) zählte bis Oktober 2011 für Deutschland fünf Krankheitsfälle. Im Jahr 2000 starb in Würzburg eine 23 Jahre alte Studentin, nachdem sie sich bei einer Reise nach Ghana und an die Elfenbeinküste mit Lassa infiziert hatte. Die Klinikabfälle wurden danach unter umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen in einer Sondermüllanlage verbrannt. Kein Virus sollte überleben. Die Infektion muss nicht immer tödlich verlaufen. Ein an Lassa-Fieber erkrankter Patient in Frankfurt am Main konnte 2006 nach fast drei Monaten die Klinik wieder verlassen. Der Mann hatte vorher als Chirurg in seiner westafrikanischen Heimat gearbeitet.

Das Lassa-Virus zählt wie Ebola und das Dengue-Fieber zu den sogenannten hämorrhagischen Fiebern. Die Erreger können Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen auslösen, später sind Hautblutungen, Durchfall und Erbrechen möglich. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts werden Erkrankte strikt isoliert.

Gefahr von Ansteckung sehr gering

Experten halten die Gefahr weiterer Ansteckungen für sehr gering. "Lassa ist nicht so leicht übertragbar wie Ebola", sagte Stephan Günther, Leiter der Abteilung Virologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Eine Ansteckung innerhalb Europas sei bisher noch nie vorgekommen. "In Afrika sehen wir schon Übertragungen", erläuterte Günther. In den dortigen Hospitälern seien die Schutzmöglichkeiten oft aber auch viel schlechter als in Europa.

Man wisse insgesamt von 20 bis 30 Lassa-Patienten, die im Laufe der Zeit aus Afrika nach Europa gekommen seien. Keiner von ihnen habe hier jemanden angesteckt, "obwohl sie zum Teil auch ungeschützt Kontakt hatten, auch mit Familienangehörigen". Der Professor folgert daraus: "Das muss man abstufen zu Ebola. Das Risiko ist nicht sehr hoch, es ist aber da."

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, ebenfalls vom Bernhard-Nocht-Institut, sagte, nach einem Lassa-Fall wie dem in Köln träten umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen in Kraft. "Man verbrennt zum Beispiel die Klinikabfälle. Dafür gibt es ganz strikte Anweisungen, wie so ein Material entsorgt wird." Alle übrig gebliebenen Proben würden als Hochsicherheitstransport ins Institut für Tropenmedizin gebracht.

Nagetiere übertragen Fieber in Afrika

Benannt ist die Krankheit laut RKI nach einer Stadt im Nordosten Nigerias. 1969 wurde sie dort beschrieben und das Virus erstmals isoliert. Übertragen wird die Krankheit nach RKI-Angaben von infizierten Nagetieren, die den Erreger vor allem über den Urin ausscheiden. Menschen stecken sich oft über verseuchte Nahrungsmittel an. Aber auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, etwa über Blut, Speichel, Erbrochenes, Urin oder ausgehustete Bluttröpfchen. In Nigeria hat ein Ausbruch des Lassa-Fiebers seit August 2015 mehr als 100 Menschen das Leben gekostet.

Stand: 10.03.2016, 16:29