Blutspenden für Homosexuelle nahezu unmöglich

Blutabnahme

Blutspenden für Homosexuelle nahezu unmöglich

Von Sabine Büttner

  • Homosexuelle Männer dürfen Blut spenden.
  • Verbände und Vereine kritisieren Einschränkungen.
  • Zahl der Spender bisher gering.

Seit rund zwei Monaten dürfen in Deutschland auch homosexuelle Männer Blut spenden – möglich macht das eine neue Richtlinie der Bundesärztekammer.

Eine Nachfrage bei den Blutspende-Diensten in Köln zeigt allerdings, dass sie kaum umsetzbar ist. Denn es gibt eine Einschränkung, die homosexuellen Männern eine Blutspende weiter nahezu unmöglich macht.

Thema Blutspende heiß diskutiert

Martin Heinze würde grundsätzlich gern Blut spenden. Allerdings ist er mit den Vorgaben, die es für eine Blutspende gibt, überhaupt nicht einverstanden. Denn hierbei wird unterschieden, ob ein potentieller Spender hetero- oder homosexuell ist – für Heinze ein Skandal.

Der Sozialpädagoge engagiert sich im Kölner Verein "Rubicon", einer Beratungsstelle für Schwule und Lesben. Hier wird das Thema Blutspende seit einigen Tagen wieder heiß diskutiert.

Neuregelung der Bundesärztekammer

Hand mit blauem Handschuh sortiert Blutkonserven in einem Labor

Schwulen Männern wird eine Blutspende schwer gemacht

Hintergrund ist eine Neuregelung, die die Bundesärztekammer Anfang August veröffentlicht hat. Bislang waren Homosexuelle lebenslang vom Blutspenden ausgeschlossen.

Mit der Überarbeitung der Richtlinie dürfen sie jetzt Blut spenden – allerdings erst zwölf Monate nach Beendigung "sexuellen Risikoverhaltens". Eine Regelung, die für Kritik sorgt – denn eine Frist von einem Jahr halten viele für völlig überzogen.

HIV-Infektion ausschließen

Ein Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe etwa sagt, dass man eine HIV-Infektion heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausschließen könne. In den Fragebögen der Blutspende-Dienste wird zum Beispiel gefragt, wie lange der Sexualkontakt mit einem neuen Partner zurück liegt.

Bei Heterosexuellen werden die vergangenen vier Monate abgefragt – bei homosexuellen Männern sollen nun also die vergangenen zwölf Monate relevant sein.

Zahl der homosexuellen Spender gering

Ein Beutel mit Spenderblut wird in die Kamera gehalten.

Mit einem halben Liter Blut kann ein Leben gerettet werden

Auch beim Blutspende-Dienst des Deutschen Roten Kreuzes in NRW bleiben Fragen offen. Aus medizinischer Sicht würden vier Monate eigentlich reichen, sagt Sprecher Stephan Küpper. Die Zwölf-Monats-Regelung sei schwierig zu vermitteln. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es bislang in ganz NRW lediglich fünf homosexuelle Blutspender beim DRK gab.

Ähnliches berichtet die Kölner Uniklinik. Auf Nachfrage heißt es hier, dass es Anfragen von männlichen homosexuellen Spendewilligen gab. Allerdings, so die Klinik, sei bei diesen das von der neuen Richtlinie geforderte Jahr, in dem sie kein Sex mit anderen Männern haben sollen, nicht vollendet. 

Menschen fühlen sich diskriminiert

Auch Martin Heinze vom Verein "Rubicon" wird in absehbarer Zeit nicht zu denjenigen gehören, die man in einem Blutspende-Zentrum findet.

Er spricht von Diskriminierung – und bekommt aus Gesprächen mit anderen Ähnliches mit: "Die Menschen fühlen sich wirklich verarscht. Zwölf Monate enthaltsam leben heißt: Die Diskriminierung schreitet weiter vor. Da fragt man sich: Soll ich das unterstützen?" Heinze, soviel ist klar, wird das nicht tun.

Stand: 06.10.2017, 12:53