Keine neuen Ermittlungen am Bonner Aloisiuskolleg

Der Sitz der Staatsanwaltschaft Bonn.

Keine neuen Ermittlungen am Bonner Aloisiuskolleg

Von Jochen Hilgers

  • Keine Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.
  • Heute 47-Jähriger soll als Kind vergewaltigt worden sein.
  • Jahrelang Negativ-Schlagzeilen.

Die Bonner Staatsanwaltschaft wird neue Vergewaltigungsvorwürfe am Bad Godesberger Aloisiuskolleg nicht verfolgen. Zum einen seien die mutmaßlichen Straftaten dreier Jesuitenpatres verjährt. Zum anderen habe der Geschädigte sich bewusst nicht den Strafverfolgungsbehörden gegenüber geäußert. Am Wochenende waren die neuen Vorwürfe gegen die katholische Einrichtung bekannt geworden.

Ehemaliger Schüler vertraute sich dem "eckigen Tisch" an

Der mittlerweile 47-jährige betroffene Ex-Schüler hatte sich dem "eckigen Tisch", einem Verein der Geschädigten des Aloisiuskollegs anvertraut. Er gab an, in den achtziger Jahren von zwei Jesuitenpatres vergewaltigt und von einem dritten schwer misshandelt worden zu sein. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft handelt es sich dabei um Fälle, die bisher noch nicht aktenkundig geworden waren. Der eckige Tisch reagierte mit einer Stellungnahme, in der es unter anderem heißt: "Da die Täter nach Aussage des Betroffenen gemeinsam gehandelt haben, kann man unseres Erachtens nicht mehr von Einzeltätern am AKO ausgehen, die ihre 'Machtinseln' ausgenutzt haben. Vielmehr scheint es organisierte Absprachen bei den jesuitischen Kindesmissbräuchen am AKO gegeben zu haben."

Erschütterung beim Aloisisuskolleg

Die Frontseite eines Schulgebäudes.

Gegen das Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg werden bereits seit Jahren schwere Vorwürfe erhoben

Das Aloisiuskolleg zeigte sich tief erschüttert über die neuen Vorwürfe, lehnte eine weitere Stellungnahme aber ab. Begründung: Es lägen noch keine weiteren Informationen des Missbrauchsbeauftragten des Jesuitenordens vor. Wörtlich heißt es in einer Erklärung aber: "Das Aloisiuskolleg begrüßt ausdrücklich, dass sich Betroffene auch auf diesem Weg melden. Das Aloisiuskolleg steht jedem, dem an unserem Kolleg Unrecht geschehen sein sollte, als Gesprächspartner zur Verfügung, ganz gleich, wie lange das Ereignis zurückliegen mag."

Jahrzehntelanger Missbrauch

Das Aloisiuskolleg sorgt seit Jahren für negative Schlagzeilen, nachdem bekannt geworden war, dass hier offenbar Kinder und Jugendliche über Jahrzehnte misshandelt und missbraucht wurden. Mindestens 18 Jesuitenpatres und fünf weltliche Mitarbeiter sollen dafür über einen Zeitraum von 60 Jahren verantwortlich sein. Der eckige Tisch in Bad Godesberg setzt seine Arbeit auch fort. Er betreut annähernd 70 Opfer. Viele der Beschuldigten sind allerdings bereits gestorben, zahlreiche Vorwürfe verjährt. Bei Vergewaltigungsstraftaten geschieht das nach 20 Jahren. In Bonn jedenfalls ist kein einziger Fall vor Gericht gelandet.

Bischofskonferenz verlängert Forschungsprojekt

Unabhängig von den neuen Vorwürfen gegen das Aloisiuskolleg in Bad Godesberg hat die deutsche Bischofskonferenz just heute ein Forschungsprojekt zum sexuellen Missbrauch um neun Monate verlängert. Man wolle Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in der katholischen Kirche - um der Opfer willen, aber auch, um selbst die Verfehlungen zu sehen und alles dafür tun zu können, dass sie sich nicht wiederholten.

Stand: 26.06.2017, 13:07