Wehrhahn-Anschlag: Mutmaßlicher Täter verhaftet

Wehrhahn-Anschlag: Mutmaßlicher Täter verhaftet

  • Polizei nimmt mutmaßlichen Wehrhahn-Bomber fest
  • Behörden: Mithäftling gab entscheidenden Tipp
  • Ein totes ungeborenes Baby und zehn Verletzte bei Anschlag von 2000
Pressekonferenz Wehrhahn-Anschlag, Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück

Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück

"Der Hinweis auf den mutmaßlichen Täter kam aus der JVA Castrop-Rauxel, wo er 2014 einsaß. Ein Mithäftling des Beschuldigten sagte aus, er habe ihm gegenüber den Bombenanschlag am Wehrhahn gestanden", berichtete der Düsseldorfer Staatsanwalt Ralf Herrenbrück am Mittwoch (01.02.2017) bei einer Pressekonferenz. Der Verdächtige Ralf S. habe damals in Castrop-Rauxel eine Ersatzfreiheitsstrafe abgesessen, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlt hatte.

Zeugin rückt von Alibi ab

Auf Basis der Aussage des Mithäftlings seien die Ermittlungen wieder aufgenommen worden. Laut Behörden hatte S. die Tat gegenüber zwei weiteren Zeugen angekündigt. Eine damalige Zeugin, die ihm ein Alibi gegeben hatte, rückte davon ab. Eine weitere Zeugin hatte ihn beim Ausspähen des späteren Tatorts beobachtet.

Erste Verhaftung unmittelbar nach der Tat

Nach dem Bombenanschlag auf den Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn

Rettungskräfte am Anschlagsort, 27.07.2000

Schon unmittelbar nach dem Bombenanschlag auf die S-Bahn-Station Düsseldorf-Wehrhahn am 27. Juli 2000, bei dem ein ungeborenes Baby getötet und zehn Menschen verletzt wurden, war S. vorübergehend festgenommen worden. Die Beweise gegen den als Waffennarr und Rechtsextremen bekannten Militaria-Händler, der im Viertel wegen seines martialischen Auftretens "Sheriff von Flingern" genannt wurde, reichten aber nicht aus.

Verdächtiger schweigt weitgehend

Am Dienstag (31.01.2107), fast 17 Jahre nach der Tat, war der 50-jährige Arbeitslose in Ratingen erneut verhaftet worden. Laut Behörden leistete er keinen Widerstand. Ralf S. sitzt zurzeit in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe gegen ihn: Mord, versuchter Mord in zwölf Fällen, Körperverletzung und Herbeiführung einer Sprengstoff-Explosion.

Der vorbestrafte Kleinkriminelle schweigt weitgehend zu den Vorwürfen. Als ihn der Untersuchungsrichter mit den neuen Beweisen konfrontierte, sagte er laut Staatsanwaltschaft nur, er sei "es trotzdem nicht gewesen".

Sprengstoff-Ausbildung bei der Bundeswehr

Die Opfer des Anschlags waren überwiegend jüdische Einwanderer und Russland-Deutsche aus einer Sprachenschule in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Militaria-Geschäft von Ralf S.

Tatmotiv Fremdenhass

Zwei Neonazis, die in seinem Laden ein- und ausgingen, sollen Schüler dort im Herbst 1999 mit Kampfhunden massiv bedroht haben. Die Schüler reagierten darauf, indem sie sich mit verschränkten Armen an Fenstern des Klassenraums aufstellten. Womöglich, so die Staatsanwaltschaft, hat dieses Verhalten Ralf S. zur Tat verleitet. Sein Motiv sei Fremdenhass gewesen.

Kenntnisse zum Bau einer Bombe hatte er bei seiner Sprengstoff-Ausbildung bei der Bundeswehr erworben. So konnten nun auch Gegenstände aus seiner früheren Wohnung mit dem Sprengsatz in Verbindung gebracht werden. S. besaß ein Schweißgerät, wie es für den Bau der Bombe verwendet worden sei. LKA-Profiler hatten in einem neuen Gutachten weitere Mosaiksteine zusammengefügt: Alle Indizien haben danach zu S. geführt.

Michael Szentei-Heise, Jüdische Gemeinde Düsseldorf

Michael Szentei-Heise

Die Jüdische Gemeinde in Düsseldorf freute sich, dass das Verbrechen nun doch noch gesühnt werden könne. "Das bereitet uns vorsichtigen Optimismus und eine kleine Freude", sagte Gemeindedirektor Michael Szentei-Heise. Nach so langer Zeit habe man nicht mehr mit diesem Fahndungserfolg gerechnet.

Mutmaßlicher Wehrhahn-Attentäter aus rechtsextremen Milieu

WDR 2 | 01.02.2017 | 03:02 Min.

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Stand: 01.02.2017, 18:54