Jugendliche Flüchtlinge brauchen individuelle Hilfen

mehrere Flüchtlinge auf einer roten Couch

Jugendliche Flüchtlinge brauchen individuelle Hilfen

Von Silvia Pauli

13.000 Kinder und Jugendliche aus Kriegsgebieten leben in Nordrhein-Westfalen. Meist bei Pflegefamilien oder in Jugendeinrichtungen. Eine Wohngruppe in Remscheid will zunächst herausfinden, welche Hilfen sie nötig haben.

In einer Wohngruppe in Remscheid leben seit vier Monaten acht Jugendliche. Sie kommen aus Afghanistan, dem Irak und Guinea. Die neue Anlaufstelle für minderjährige Flüchtlinge gehört zur evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land. Hier werden sie von Pädagogen und Psychologen betreut, die herausfinden wollen, welche individuelle Unterstützung die  16- bis 17-jährigen jungen Männer für ihre Zukunft brauchen.

Vertrauen kommt von selbst

freudliche Frau mit Brille

Teamleiterin Ute Bieler

In ihren Heimatländern und auf der Flucht haben sie Schlimmes erlebt. Deshalb lassen die Betreuer in Remscheid ihnen erst einmal Zeit, sich einzuleben, erklärt Teamleiterin Ute Bieler: "Das kommt von selber. Das Vertrauen kommt, sie sprechen von sich. Sie erzählen von ihrem Fluchtweg. Das dauert eine Weile."

Ali malt, wenn er traurig ist

Es geht zu wie in einer Großfamilie. Betreuerin Andrea Scheider hat Muffins gebacken. Beim Kaffeetrinken erzählen die Jungs von ihrer ersten offiziellen Deutschstunde. Die Sprache haben sie aber auch ohne Unterricht schon ganz gut gelernt. An der Wand neben dem Esstisch hängt ein Bild, darauf ein Gesicht mit großen ausdrucksstarken Augen. Ali hat es gemalt. Der 17-Jährige ist aus Afghanistan geflüchtet: "Ich will nie wieder dahin. Ich habe keine Familie, ich bin alleine. Manchmal bin ich traurig, dann male ich."

Wahrheit ist sekundär

freundlicher Mann mit Brille und Glatze

Heiner van Mil, Leiter der Einrichtung

Ob die Jugendlichen tatsächlich aus den Ländern kommen, die sie angeben, und ob sie wirklich alle minderjährig sind, können und wollen die Betreuer nicht überprüfen, erklärt Heiner van Mil,  Leiter der Einrichtung: "Für uns ist das erst einmal sekundär. Zumal wir auch davon ausgehen, wenn ein Alter nicht stimmt, wenn eine Herkunft nicht stimmt, dass es trotzdem einen guten Grund dafür gibt, warum die Jugendlichen mit dieser Geschichte kommen."

Respekt vor Mädchen

Probleme habe es mit den Jungs bisher nicht gegeben, auch nicht untereinander, sagt Ute Bieler. Und Sex sei auch kein Thema: "Die haben andere Sorgen. Die gehen sehr respektvoll mit dem anderen Geschlecht um. Klar sie necken sich mal. Aber es ist nicht so, dass da Mädchen angefasst werden, gar nicht."

Betreuung auf Zeit

vier Flüchtlingsgungs beim Fußball spielen

Viele gemeinsame Aktivitäten in der Wohngruppe

Eine intensive Betreuung der jungen Flüchtlinge in dieser so genannten Clearinggruppe in Remscheid ist teuer. Deshalb bleiben Ali und die anderen Jungs nur für eine begrenzte Zeit hier. Dann müssen sie wieder umziehen, entweder in eine Pflegefamilie oder in eine andere Einrichtung. Über ihre Zukunft entscheidet auch der jeweilige Vormund, den alle Kinder und Jugendlichen bekommen, die alleine zu uns flüchten.

Stand: 15.08.2016, 15:48