Polizei: Braunkohle-Protest "größtenteils friedlich"

Aktivisten ziehen die "Rote Linie"

Polizei: Braunkohle-Protest "größtenteils friedlich"

  • Mehrere Tausend Braunkohlegegner bildeten Menschenkette.
  • Leistung im Kraftwerk Neurath zeitweise gedrosselt.
  • Bei Räumungen Zusammenstöße mit der Polizei.

Am Samstagabend (26.08.2017) nahm die Polizei hunderte Demonstranten in Gewahrsam. Nach WDR-Informationen sollten zunächst jene 500 Aktivisten zu Gefangenensammelstellen gebracht werden, die auf dem Weg zu verschiedenen Blockadeaktionen abgefangen und eingekesselt worden waren. Anschließend sollten auch die an drei Stellen besetzten Gleise der Hambachbahn geräumt werden - dabei handelt es sich um weitere 300 Menschen. Die Werksbahn transportiert Kohle zwischen dem Tagebau und dem Kraftwerk.

Unmut über RWE-Amtshilfe

Polizei um Schienen blockierende Aktivisten

Demonstranten besetzen die RWE-eigene Hambach-Bahn

Teilweise leisteten die Demonstranten Widerstand, als Polizeibeamte sie wegtragen wollten. Für Unmut unter den Demonstranten sorgten dabei die Transportmittel, mit denen sie zu den Sammelstellen gebracht wurden, denn neben Bussen nutzte die Polizei auch RWE-eigene Bahnen - für die Aktivisten ein Zeichen von Kumpanei. Auf Twitter verteidigte die Polizei diese Entscheidung. Man habe RWE zur Hilfe verpflichtet, um der Situation Herr zu werden.

Friedliche Menschenkette mit Politprominenz

Die Spitzenkandidaten der Grünen: Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir

Dabei: Katrin Göring-Eckardt (l.) und Cem Özdemir (M.)

Am Samstagmittag hatten rund 3.000 Demonstranten am Tagebau Hambach eine Menschenkette gebildet und so gegen den Braunkohle-Tagebau protestiert. An der Aktion nahmen auch die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckhardt und Cem Özdemir teil. Symbolisch sollte die zwei Kilometer lange "Rote Linie" den heranrückenden Braunkohletagebau Hambach stoppen. Die Aktion wollte nach Angaben der Organisatoren die Botschaft an RWE senden: "Bis hierhin und nicht weiter."

5.000 Demonstranten vor Ort

Insgesamt nahmen nach Angaben der Organisatoren rund 5.000 Menschen an den verschiedenen Protestaktionen teil. Kleine Gruppen hatten vom Nachmittag an versucht, die Sperren der Polizei zu umgehen und die Zuwege zum Kraftwerk zu besetzen. Dies gelang trotz eines großen Polizeiaufgebots mit rund 1.300 Beamten immer wieder. Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Auch Pfefferspray kam zum Einsatz. Nach WDR-Informationen müssen viele Demonstranten mit einem Verfahren rechnen. Strafanzeigen wurden sowohl von der Polizei als auch von RWE gestellt.

Menschenkette und Blockaden: Bilder der Protestaktionen

Blockierte Eisenbahnschienen

Klimaschützer haben am Samstag (26.08.2017) im rheinischen Tagebaugebiet ihre Protestaktionen gegen die Braunkohle fortgesetzt. Am frühen Morgen blockierte eine Kleingruppe eine RWE-Werksbahn am Tagebau Hambach.

Klimaschützer haben am Samstag (26.08.2017) im rheinischen Tagebaugebiet ihre Protestaktionen gegen die Braunkohle fortgesetzt. Am frühen Morgen blockierte eine Kleingruppe eine RWE-Werksbahn am Tagebau Hambach.

Obwohl die Aktivisten sich mit betongefüllten Fässern an die Gleise gekettet hatten, konnte die Polizei die Blockade relativ schnell wieder auflösen.

Währenddessen machten sich Tausende auf den Weg zu einer Menschenkette am Tagebau Hambach auf. Zu der Aktion unter dem Motto "Rote Linie gegen Kohle" hatten mehrere Umweltverbände aufgerufen.

Erinnerungsfotos zum Protest: Die genaue Teilnehmerzahl der Menschenkette war am Samstagnachmittag noch unklar. Die Organisatoren rechneten mit über 6.000 Menschen, die Polizeischätzung lag am Nachmittag bei etwa 2.000.

Die meisten Demonstranten protestierten friedlich. Allerdings wurde bekannt, dass Unbekannte in der Nacht einen Mannschaftswagen der Polizei mit Feuerwerkskörpern angegriffen haben sollen. Verletzt wurde niemand.

Im Tagebau Hambach geht derweil die Produktion weiter - RWE hatte angekündigt, den Betrieb nur im Notfall einschränken zu wollen.

Aus dieser Perspektive sieht man, wie nah die Bagger dem umkämpften Hambacher Forst mittlerweile schon gekommen sind.

Sehr präsent an der Demonstrationsstrecke sind Naturschutzverbände wie der BUND. Ihr Bundesvorsitzender Hubert Weiger kündigte am Samstag an, dass der Ausstieg aus der Braunkohle ein zentrales Thema für den Bundestagswahlkampf werden soll.

Für die Grünen ist die Braunkohle jetzt schon ein wichtiges Wahlkampfthema. Die Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt (l.) und Cem Özdemir (M.) reihten sich in die Menschenkette ein.

Die "Rote Linie gegen Braunkohle" am Tagebau Hambach sei die "größte Demonstration aller Zeiten gegen die Braunkohle" im rheinischen Revier, erklärten die Organisatoren.

Für diese Demonstranten ist die Aktion offenbar nicht nur graue Politik, sondern auch ein Riesen-Spaß.

Auch bei den Transparenten ist bierernste Betroffenheit offenbar nicht mehr gefragt.

Die Menschenkette löste sich erst am späten Nachmittag auf.

Die nächste Großdemo planen die Umweltschützer für den November - dann tagt in Bonn der UN-Klimagipfel.

Frühe Schienenblockade

Bereits am frühen Samstagmorgen hatten Umweltaktivisten des Klimacamps ihre Proteste für einen sofortigen Braunkohleausstieg fortgesetzt. Sechs Aktivisten hatten sich an die Gleise der Hambach-Bahn gekettet und so den Schienenverkehr zu den Kraftwerken für Stunden blockiert.

Kraftwerk Neurath musste kurzfristig gedrosselt werden

Am Samstagmittag hatte RWE die Drosselung der Leistung des Kraftwerks Neurath wieder aufgehoben. Alle Kraftwerke des Konzerns seien mit ausreichend Kohle versorgt, sagte ein Konzernsprecher. Zuvor waren einige Blöcke des Kraftwerks zeitweise vom Netz genommen worden, weil der Nachschub infolge der Blockaden nicht mehr gewährleistet war.

Angriffe auf Polizeiwagen

In der Nacht zu Samstag war es zu einzelnen gewalttätigen Attacken gegen Polizeibeamte gekommen. Unbekannte hatten in Nähe des Tagebaus Hambach einen Mannschaftswagen der Polizei mit Pyrotechnik und Steinschleudern beschossen. "Da saßen Menschen drin", empörte sich ein Polizeisprecher. Verletzt wurde niemand, es entstand aber erheblicher Sachschaden. Am Samstagabend teilte die Polizei mit, man habe auch "Krähenfüße", mit denen wohl die Reifen von Mannschaftwagen aufgeschlitzt werden sollten, gefunden. Trotzdem seien die Proteste zum größten Teil friedlich verlaufen.

Aktionen noch bis Dienstag

Bereits am Freitag hatten Aktivisten den Tagebaubetrieb mit einzelnen Aktionen gestört. Sie besetzten Braunkohlebagger, eine Brücke und blockierten Gleise. Die Proteste sollen noch bis Dienstag andauern.

Proteste gegen die Braunkohle

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Auf der Karte sind die wichtigen Orte dargestellt, an denen Proteste stattfinden könnten.

Legende: Proteste gegen die Braunkohle

  • Camps der Braunkohlegegner
  • RWE-Standorte

"Ende Gelände": Die Haltung der Braunkohle-Gegner

WDR 5 Morgenecho - Interview | 26.08.2017 | 05:50 Min.

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Stand: 26.08.2017, 19:32