Kurden demonstrierten in Köln gegen Verhaftungswelle in der Türkei

In Köln demonstrieren Kurden gegen die Verhaftung von HDP-Mitgliedern in der Türkei

Kurden demonstrierten in Köln gegen Verhaftungswelle in der Türkei

In Köln haben am Samstag (05.11.2016) mehrere tausend Kurden gegen den türkischen Präsidenten Erdogan demonstriert. Sie fühlen sich von Kanzlerin Merkel im Stich gelassen und fordern mehr Einmischung der deutschen und europäischen Politiker.

Anlass für Demo und Kundgebung in der Kölner Innenstadt war die Verhaftung mehrerer Abgeordneter der pro-kurdischen Partei HDP am Donnerstag (03.11.2016) in der Türkei. Darunter sind auch die beiden Vorsitzenden Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag, denen von der türkischen Staatsanwaltschaft die Verbreitung terroristischer Propaganda vorgeworfen wird.

Rohani Cekdar nimmt an der Demonstation in Köln teil

Will in Köln Solidarität zeigen: Rohani Cekdar

Die Demo wurde von mehreren Verbänden organisiert, neben dem kurdischen Dachverband Nav-Dem auch Aleviten, türkische Linke und deutsche Marxisten. Die Veranstalter hofften auf 10.000 bis 15.000 Teilnehmer, die Polizei zählte schließlich gut 6.000, die sich vormittags auf dem Ebertplatz versammelten. Darunter war auch die 26-jährige Rohani Cekdar aus Kassel, die in Köln ihre Solidarität zeigen wollte. Wie viele ihrer Mitdemonstranten fühle sie sich hilflos, sagte sie, und sei voller Trauer. Wenn die Verfolgung der Kurden in der Türkei so weiter gehe, müsse man bald eine Flüchtlingswelle von Kurden nach Deutschland fürchten. Ein Gedanke, der an diesem Tag in Köln oft zu hören war. Die Deutschen, so die unterschwellige Botschaft, müssten selbst ein Interesse daran haben, dass sich die Situation im Land nicht verschlimmert.

Solidarität mit verhafteten Politikern

Ein Demonstrant trögt einen HDP-Schal, den man im Internet bestellen kann

HDP-Chef Demirtas auf dem Schal

Schon am Morgen wurden die ersten Fahnen und Transparente auf dem Platz geschwenkt, Männergruppen stimmten Gesänge an. Meist besangen sie "Apo", wie der inhaftierte Führer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei Abdullah Öcalan von seinen Anhängern genannt wird. Er sitzt seit Jahren im Gefängnis, seine Partei wird von der EU als Terrororganisation eingestuft; die Nav-Dem gilt als Dachorganisation von Gruppen, die der PKK nahestehen.

In Köln war sein Konterfei auf vielen Transparenten zu sehen. Transparente mit den Bildern der inhaftierten Abegordneten wurden weiter vorne an der Bühne hochgehalten, zusammen mit Plakaten, auf denen Merkel aufgefordert wurde, Position zu beziehen. "Schluss mit den freundlichen Gesprächen", hieß es.

Angst vor Bürgerkrieg

"Nicht die Kurden sondern die AKP ist terroristisch" stand auf einem Transparent von Kölner Demonstranten, die sich auf dem Heumarkt versammelten. "Erdogan Faschist" stand auf anderen, aufgebrachte Frauen schlugen mit einem Transparent auf sein Bild ein. Nav-Dem-Sprecherin Kaplan sagte, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sei dabei, das Land in einen Bürgerkrieg zu manövrieren. Alle demokratischen Kräfte müssten jetzt zusammenstehen.

Linker fordert Kündigung des Flüchtlingsabkommens

Junge Männer tragen einen Banner mit der Aufschrift "Kapitulation führt zu Verrat, Widerstand zum Sieg"

Demonstrationszug zum Kölner Heumarkt

Am Nachmittag sprach auch Bernd Riexinger, Vorsitzender der Partei "Die Linke": Er forderte unter großem Beifall unter anderem den Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sowie einen Stopp von Waffenlieferungen. Auch warf er Erdogan vor, das "schändliche Flüchtlingsabkommen" für seine Zwecke zu missbrauchen. "Keine militärische Zusammenarbeit mit Diktatoren", so der Linken-Politiker.

Keine Zwischenfälle

Als alle Reden gehalten waren und sich die Menschenmenge zerstreut hatte, zogen die Veranstalter Bilanz: "Wir sind sehr zufrieden, wir haben unsere Stimme hören lassen." Am kommenden Wochenende werde man sich wieder treffen: Dann wolle der Alevitische Dachverband zur Demo in Köln aufrufen. Auch die Polizei, die zu mehreren Hunderten im Einsatz war, war zufrieden. Denn es blieb friedlich, trotz der gelegentlich aufgebrachten Menschen. Sie musste nur drei Strafanzeigen ausstellen, wegen des Zeigens verbotener PKK-Symbole und Beleidigung.

Stand: 05.11.2016, 16:53