Minderjährige im Sicherheitsdienst im Kölner Karneval tätig?

Symbolbild Security

Minderjährige im Sicherheitsdienst im Kölner Karneval tätig?

Von Oliver Köhler

  • 500 Verstöße bei Sicherheitsfirma an Karneval festgestellt.
  • Security-Mitarbeiter aus mehreren Subunternehmen im Einsatz.
  • Verdi: Sicherheitsrisiko bei Arbeit mit Subunternehmen.

Die Stadt Köln hatte den Sicherheitsdienst W.I.S. während des Straßenkarnevals für die Bewachung der großen Plätze in der Innenstadt engagiert. 670 Mitarbeiter der privaten Firma waren von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag im Einsatz, so die Stadt. Etwa 260 Mitarbeiter überprüfte die Stadt und stellte rund 500 Verstöße fest. Unter anderem wurden nach Angaben der Stadt Minderjährige eingesetzt.

Verdacht auf Schwarzarbeit

Etwa ein Drittel der Sicherheitskräfte stand laut Stadt nicht wie vorgeschrieben auf den Meldelisten. Deshalb konnten sie vor dem Einsatz nicht von der Polizei überprüft werden. Außerdem bestehe der Verdacht, dass Schwarzarbeiter als Sicherheitskräfte tätig waren.

Geflecht aus Subunternehmen

Die Kontrolleure haben zudem festgestellt, dass die Sicherheitsfirma Mitarbeiter von zwei Subunternehmen eingesetzt hat. Das sei zwar genehmigt worden, die Subunternehmen hätten aber wiederum Subunternehmen beauftragt und auch diese hätten noch Subunternehmen eingeschaltet. Teilweise sei vollkommen unklar gewesen, für welche Firma die Sicherheitskräfte wirklich arbeiten, so die Stadt.

W.I.S: Auftrag der Stadt kam sehr spät

Die Zuverlässigkeit der beteiligten Subunternehmern habe vor dem Karnevalseinsatz nicht kontrolliert werden können. Die Sicherheitsfirma W.I.S bestreitet gegenüber dem WDR, gegen Gesetze verstoßen zu haben. Die Vorwürfe der Stadt seien dem Unternehmen bisher nicht vollständig bekannt. W.I.S räumt aber Fehler ein. Diese sind nach Angaben des W.I.S-Geschäftsführers Günter Calaminus passiert, weil die Stadt den Auftrag für die Bewachung des Straßenkarnevals erst sehr spät erteilt habe. Außerdem habe die Stadt immer mehr Mitarbeiter gefordert.

Verdi: unkontrollierbare Sicherheitsrisiken

Nach Angaben des Sicherheitsexperten Andreas Rech von der Gewerkschaft Verdi ist der Kölner Fall nur die Spitze des Eisberges. Bei den meisten Großveranstaltungen in NRW müssten selbst renommierte Sicherheitsunternehmen wegen Personalmangels auf Mitarbeiter von Subunternehmen zurückgreifen. Diese bedienten sich dann meist weiterer Subunternehmer, um ausreichend Personal zu finden.

Dies berge hohe Sicherheitsrisiken, so Rech. Am Ende würden Mitarbeiter eingesetzt, von denen niemand wisse, welchen Hintergrund sie haben. Dies sei ein mögliches Einfallstor für Kriminelle und Extremisten.

Die Stadt Köln ist dabei, die Verstöße der Sicherheitsfirma mit Bußgeldern und Vertragsstrafen zu ahnden. Künftig sollen Sicherheitsfirmen vor ihrem Einsatz für die Stadt noch gründlicher überprüft werden.  

Stand: 28.07.2017, 07:24