Krebserregender Stoff bei Shell Godorf ausgelaufen

Krebserregender Stoff bei Shell Godorf ausgelaufen

Von Oliver Köhler

  • Wieder Vorfall in Shell Raffinerie in Godorf.
  • Krebserregendes Stoffgemisch ausgelaufen.
  • Unveröffentlichter Bericht liegt dem WDR vor.
Rheinland Raffinerie von Shell in Wesseling

Der Vorfall ereignete sich laut Bezirksregierung vor rund vier Wochen. Betroffen ist eine oberirdische Pipeline, die zum Hafen Köln-Godorf führt.

Bei der Flüssigkeit handelt es sich um sogenanntes Solvent Naphtha. Es enthält Stoffe, die als besonders umweltschädlich gelten. Sie verursachen unter anderem Unfruchtbarkeit und können das Erbgut schädigen.

Laut Bezirksregierung sind 200 Liter der gesundheitsschädlichen Chemikalie in den Boden gelaufen. Betroffen ist eine Fläche von rund vier Quadratmetern.

Bezirksregierung fordert Sonderprüfung

Die Pipeline wurde gesperrt. Die Bezirksregierung verlangt für die betroffene Leitung und benachbarte Pipelines eine Sonderprüfung. Die Ursache des Lecks ist noch unklar.

Wie groß die Gesundheitsgefahr für die Anwohner oder Shell-Mitarbeiter ist, wurde noch nicht bekannt. Das Unternehmen und die Bezirksregierung haben sich auf WDR-Anfrage (12.10.2017) dazu noch nicht geäußert.

Serie von Pannen und Störfällen

Der Vorfall ist nur eine von vielen Pannen in den vergangenen Jahren bei der Shell Raffinerie im Kölner Süden:

Im Mai 2017 traten größere Mengen einer umweltschädlichen Substanz ins Erdreich aus. Ursache waren technische Pannen.

Allein im vergangenen Jahr (2016) gab es 15 größere Pannen in den Werken in Godorf und Wesseling im Kölner Süden. Mehr als 100 Liter Erdölprodukte liefen aus. Weil es keine Auswirkungen auf die Anwohner der Raffinerie gegeben habe, habe man sie auch nicht veröffentlicht.

Im Mai 2015 sorgte ein Feuer im Ofen einer Olefin-Anlage für einen Großeinsatz der Feuerwehr. Besorgte Anrufer beklagen, dass die Hotline nicht besetzt ist.

Kerosinsee bis heute ein Problem

Im Februar 2012 wurde bekannt, dass rund eine Million Liter Kerosin aus einer unterirdischen Leitung ins Erdreich gesickert sind. Bis heute kämpfen die Wesselinger und Umweltschützer mit den Folgen. Der See ist bis heute noch nicht ganz abgepumpt.

Ein Grund für die Störfälle sind veraltete Anlagen. Das Unternehmen investiert pro Jahr mehr als 100 Millionen Euro in die Erneuerung. Zudem will Shell die Wartung verbessern und Mitarbeiter besser schulen.

Stand: 12.10.2017, 08:26