Unfall von Neurath: RWE will 1,4 Milliarden

RWE Braunkohlekraftwerk in Neurath

Unfall von Neurath: RWE will 1,4 Milliarden

Von Piet Keusen

  • RWE Power klagt auf 1,4 Milliarden Euro Schadenersatz
  • Verklagte Baufirmen fordern im Gegenzug 300 Millionen
  • Prozess könnte Jahre dauern

Die Katastrophe passierte am 25. Oktober 2007. Beim Bau des damals modernsten Kohlekraftwerks der Welt in Grevenbroich-Neurath brach ein Gerüst zusammen, drei Arbeiter starben bei dem Unglück, fünf wurden schwer verletzt. Nach dem Unfall boten sich grausame Bilder: Die Leiche eines Monteurs hing einen Tag lang in über 140 Metern Höhe in einem Sicherungsseil, ein weiteres Opfer konnte erst nach zwei Tagen aus 78 Metern Höhe geborgen werden.

Unfall verzögerte Kraftwerksstart

Die Kraftwerksbaustelle in Neurath im Jahr 2007

Nach dem Unfall verzögerte sich der Bau um Jahre

Durch den Unfall und die anschließenden Ermittlungen konnten die neuen Kraftwerksblöcke erst 2012 ans Netz gehen – geplant war der Start für 2009. Diese Verzögerung ist Grund für den Zivilprozess, der jetzt die Richter am Landgericht in Mönchengladbach beschäftigt.

Denn RWE Power beansprucht als Kraftwerkseigentümer Schadenersatz für die ausgefallenen Gewinne in dieser Zeit. Von den Baufirmen Hitachi und Alstom fordert der Konzern 1,4 Milliarden Euro. Im Gegenzug haben die Baufirmen RWE Power auf etwa 300 Millionen Euro verklagt, weil ausstehende Rechnungen noch nicht bezahlt wurden.

Die Beteiligten müssen sich auf einen mehrjährigen Mammutprozess einstellen. Der Prozess habe "das Potenzial, dass ich meine Pensionierung erreiche", sagte die 49-jährige Richterin Almut Oudijk zum Prozessbeginn am Freitag (26.02.2016). Die Fallakten füllen 20 Umzugskartons, jede Partei wird von acht Anwälten vertreten.

Schuldfrage bisher nicht geklärt

Die Richterin kündigte auch an, die Vorhersehbarkeit und Vermeidbarkeit des Dramas noch einmal prüfen zu wollen. Denn bisher konnte nicht gerichtlich geklärt werden, wer eigentlich die Schuld an dem Unfall von 2007 trägt. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hatte die Ermittlungen nach etwa einem Jahr eingestellt, weil keinem der Verantwortlichen ein individueller Schuldvorwurf gemacht werden konnte.

Gerüstteile im Kraftwerk Neurath zusammengebrochen

Zusammengestürzte Gerüstteile

Ursache für den Einsturz der 100 Tonnen schweren Stahlkonstruktion war laut Staatsanwaltschaft „die Unkenntnis über die fehlende physikalische Belastbarkeit“ der Bauteile. Die Fachleute hatten die Tragfähigkeit der Konstruktion zwar überschätzt. Weil es aber keinerlei Kenntnisse über die in dieser Größe erstmals eingesetzten Bauteile und deren Stabilitätsprobleme gegeben habe, sei der Unfall für die Fachleute nicht vorhersehbar gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

Stand: 26.02.2016, 17:49