Bonn/Rhein-Sieg: Mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung

Kooperationsvertrag für inklusiven Arbeitsmarkt

Bonn/Rhein-Sieg: Mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung

Von Anne Burghard

  • Hotline für Arbeitssuchende mit Behinderung.
  • Hilfe für aufgeschlossene Unternehmer.
  • Erfolgreiches Restaurant-Projekt in Bonn.

Nun ist es vertraglich besiegelt: Wer Menschen mit Behinderung eine Stelle anbietet, bekommt mehr Unterstützung. Dafür will ein neues, breit aufgestelltes Netzwerk sorgen. Es heißt "bonn-rhein-sieg fairbindet". Und nein, das ist kein Tippfehler. Es geht um Fairness im Arbeitsmarkt, um gleiche Chancen für alle. Dafür wollen sie gemeinsam sorgen: Der Bonner Oberbürgermeister, der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Vertreter von Unternehmen, Vereinen und Institutionen.

Nicht kompliziert

Die Idee ist, Unternehmern die Angst zu nehmen, dass eine Beschäftigung von Menschen mit Handicaps kompliziert sein kann. "Zum Beispiel denken viele spontan - da muss ich ja umbauen für die Rollstuhlfahrer. Dass aber auch Gehörlose, Blinde oder psychisch Behinderte im ersten Arbeitsmarkt sehr motivierte Mitarbeiter sein können, hat nicht jeder direkt im Hinterkopf", erklärt der Leiter des Netzwerks, Wolfgang Pütz.

Menschen mit Behinderung in der Küche des Restaurants "Godesburger"

Blick in die Küche: Im "Godesburger" arbeiten überwiegend Menschen mit Behinderung

Und dass es auch funktioniert, beweist das Bonner Restaurant "Godesburger", in dem der Kooperationsvertrag für "bonn-rhein-sieg fairbindet" unterzeichnet wurde. "Es ist das erste Inklusive Burger-Restaurant Deutschlands", so Pütz. "Das Restaurant beschäftigt zwölf Mitarbeiter. Sieben von ihnen haben ein Handicap." Das Restaurant läuft gut, obwohl die Konkurrenz groß ist - mit 42 weiteren Gastronomiebetrieben in unmittelbarer Nähe.

Die Arbeit ist bereichernd

Auch andere Unternehmen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis haben bereits erkannt, dass die Arbeit mit behinderten Menschen bereichernd sein kann. In der Bonner Klinik "Gezeiten Haus" haben 15 Beschäftigte eine Behinderung. Geschäftsführer Fritjof Benjamin Nelting: "Wir profitieren sehr davon. Diese Mitarbeiter sind hoch motiviert und übernehmen auch Arbeiten, die sonst niemand gerne tut." Auch das Hotel "FIT" in Much setzt auf Inklusion.

Glücklich im Ersten Arbeitsmarkt

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg möchte noch mehr Unternehmer davon überzeugen, Arbeitskräfte mit Handicap anzuwerben. "Ich bekomme widergespiegelt, dass der Bedarf da ist. Wir brauchen zusätzliche Arbeitskräfte und die Menschen sind glücklich, wenn sie aus den Werkstätten der Lebenshilfe in den Ersten Arbeitsmarkt treten können." Zusammen mit der Stadt Bonn, der Lebenshilfe, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Verein für gemeindenahe Psychiatrie will das neue Netzwerk "bonn-rhein-sieg fairbindet" eine Lotsenfunktion einnehmen und sowohl den Arbeitssuchenden, als auch den Arbeitgebern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Auch die Jobcenter haben ihre Hilfe bereits zugesagt.

Stand: 21.09.2017, 15:39